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Kunstfälschern auf der Spur Der blaue Himmel, so falsch

Gefälschte Kunstwerke: Pigmente und Schichten als verräterische Spuren
Fotos
The National Gallery, London

3. Teil: Dunkelblau oder Preußischblau?

Eine solche Wertvermehrung ist selten. In der Regel versuchen gekonnte Fälscher, den Wert eines billigen Gemäldes mit ein paar vermeintlich cleveren Tricks zu erhöhen. Doch Ashok Roy lässt sich so leicht nicht täuschen. Das Porträt eines älteren Mannes mit einem sonderbaren Hut vor einem seltsam schillernden, blauen Hintergrund kam vor einigen Jahren in sein Wissenschaftsdepartement. "Es sollte restauriert werden", erinnert sich der Chemiker.

Dabei wirkte es wie das Werk des deutschen Hans Holbein dem Jüngeren, und lange galt der abgebildete Mann gar als Martin Luther. Doch das Dunkelblau entpuppte sich nach chemischer Analyse als Preußischblau, ein Pigment, das erst zwischen 1704 und 1710 erfunden wurde. "Zu jung für das Werk eines Malers, der bereits 1543 verstorben war", wie Roy bemerkt. Der Konservator konnte das Preußischblau leicht entfernen und darunter kam eine ganz andere, viel höhere Kappe zum Vorschein. Die passte viel besser zu dem eigentlich Porträtierten - einem einfachen Stadtschreiber aus dem bayerischen Landshut.

Dabei müssen es die Fälschungsfahnder gar nicht mit krimineller Energie zu tun haben. Das Gemälde "Der alte Mann im Lehnstuhl", das die National Gallery ursprünglich als Rembrandt eingekauft hatte, entpuppte sich nach eingehender Analyse als das Werk eines der Schüler, die im Laufe ihrer Ausbildung Werke ihres Meisters kopieren mussten. Gerne malten aber auch die Meister selber das gleiche Motiv gleich zweimal.

Wenn Meister ihre eigenen Werke kopieren

So ein Fall lag Ashok Roy mit der "Winterlandschaft" von Caspar David Friedrich vor. Während des Zweiten Weltkrieges tauchte plötzlich eine zweite Version des Bildes in Dortmund auf. War eine der beiden das Machwerk eines Betrügers? Der Pinselstrich des deutschen Exemplars war viel freier als jener des Londoner Bildes. Unter Infrarot- und Röntgenstrahlen wiederum hatte das Londoner Werk die detailliertere Vorskizze. "Zwischenzeitlich sah es so aus, als hätten die Dortmunder eine wertlose Kopie", erzählt Roy. Doch die moderne Analytik zeigte auffällige Ähnlichkeiten in der chemischen Struktur der verwendeten Materialien. "Gut möglich, dass Friedrich in späteren Jahren eine neue Version seines Ursprungswerkes angefertigt hat", sagt der Gemäldeforscher.

Die Motive der Fälscher müssen gar nicht niederträchtig sein, im Gegenteil: Sie können getrieben sein von höchster Moral. Das liebliche Porträt "Frau am Fenster" eines unbekannten, italienischen Renaissancemalers geriet zeitweilig unter Fälschungsverdacht: Rund um die Brustpartie und dem Gesicht der jungen Dame tauchten Farbpigmente im Gaschromatografen auf, die viel neueren Datums waren.

Beim Durchleuchten jedoch machten Roy und sein Team eine frivole Entdeckung: Im Röntgenlicht trat eine weibliche Erscheinung zu Tage, die viel lasziver dreinschaute, deren Brustwarzen sich neckisch unter dem Kleid abzeichneten.

Im viktorianischen England hatte man sich der Offenherzigkeit der Renaissance geschämt und das sündige Äußere der Frau im Fenster entschärft. Roy: "Die Prüderie war damals sicher von Vorteil beim Verkauf des Bildes."

Die Ausstellung "Kunst unter der Lupe - Fälschungen, Fehler & Fundstücke" in der National Gallery in London läuft noch bis zum 12. September.

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insgesamt 5 Beiträge
AlbertGeorg 06.09.2010
Ich werde es im Leben nicht verstehen, warum - ein schlecht gemahltes Bild ein Meisterwerk ist, weil es von Dürer stammt - ein gut gemahltes Bild aber Schund ist, weil es von Kunze stammt Kunstwerke werden doch fürs Auge [...]
Ich werde es im Leben nicht verstehen, warum - ein schlecht gemahltes Bild ein Meisterwerk ist, weil es von Dürer stammt - ein gut gemahltes Bild aber Schund ist, weil es von Kunze stammt Kunstwerke werden doch fürs Auge gemahlt, nicht fürs Elektronenmikroskop! Kunstwerke müssen für sich selbst sprechen! Klar: Fälschungen sind nicht erstrebenswert Was aber, wenn der Fälscher besser ist als der Meister? Ich glaube das Hautproblem ist, dass "Kunstpäpste" sich plamiert fühlen, wenn bewiesen wird, dass sie nichts von Kunst verstehen!
loncaros 06.09.2010
Die Menschen, die Bilder anfertigen sind Maler. der Mahler sitzt bei der NPD!
Die Menschen, die Bilder anfertigen sind Maler. der Mahler sitzt bei der NPD!
artpate 06.09.2010
Der Artikel passt ja ganz gut zu den aktuellen Kunstfälscher Ereignissen in Deutschland. Sei es der groß angelegte Betrugsversuch mit Werken von Heinrich Campendonk oder mit Skulpturen von Giacometti. Besonders der Fall des Malers [...]
Der Artikel passt ja ganz gut zu den aktuellen Kunstfälscher Ereignissen in Deutschland. Sei es der groß angelegte Betrugsversuch mit Werken von Heinrich Campendonk oder mit Skulpturen von Giacometti. Besonders der Fall des Malers "Campendonk", zeigt wie schwierig es ist, zwischen echt und unecht bzw. wahr und unwahr zu unterscheiden. Im Netztwerk von Kunsthändlern, Auktionshäuser, Gutachter und Experten möchte jeder seinen Schnitt machen und dann wird schon mal nicht so genau geprüft. http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E3C7EEEB3DC654C6AB343B630E261562E~ATpl~Ecommon~Scontent.html Oder der dreiste Betrug mit tausenden von gefälschten Giacometti Skulpturen. Es lohnt sich ja Zeit und kriminelle Energie in sein betrügerisches Vorhaben zu stecken. Im Falle der Giacometti Skulpturen, brachte der Handel über die Jahre hinweg rund 9 Millionen Euro. http://www.artinfo24.com/shop/artikel.php?id=539 (im Artikel ganz unten)
n.holgerson 06.09.2010
Da können sie sich auch fragen, warum gehen Menschen ins Museum? Jedes Bild gibt es doch auch als Druck zu kaufen. Kein Mensch muss nach Paris fahren ums ich die Mona Lisa anzuschauen. Sie kaufen sich einen Nachdruck und hängen [...]
Zitat von AlbertGeorgIch werde es im Leben nicht verstehen, warum - ein schlecht gemahltes Bild ein Meisterwerk ist, weil es von Dürer stammt - ein gut gemahltes Bild aber Schund ist, weil es von Kunze stammt Kunstwerke werden doch fürs Auge gemahlt, nicht fürs Elektronenmikroskop! Kunstwerke müssen für sich selbst sprechen! Klar: Fälschungen sind nicht erstrebenswert Was aber, wenn der Fälscher besser ist als der Meister? Ich glaube das Hautproblem ist, dass "Kunstpäpste" sich plamiert fühlen, wenn bewiesen wird, dass sie nichts von Kunst verstehen!
Da können sie sich auch fragen, warum gehen Menschen ins Museum? Jedes Bild gibt es doch auch als Druck zu kaufen. Kein Mensch muss nach Paris fahren ums ich die Mona Lisa anzuschauen. Sie kaufen sich einen Nachdruck und hängen ihn auf ihrem Klo auf. Dann können sie die Mona Lisa jeden Tag sehen... Ebenso verhält es sich z.B. mit den Statuen von Michelangelo. Heutzutage ist die Herstellung von Kopien kein Problem. Für Leute wie sie, hat man ja in Las Vegas u.a. das Venetian Hotel gebaut. Den einen reicht eben der Schein eines Kunstwerkes, andere wollen auch die "Geschichte des Kunstwerkes atmen". Aber das ist doch das wunderbarer an der Kunst. Jeder so wie er will. Nur (wie sie ja auch angemerkt haben) eine Vermischung (Kopie als Original ausgeben) ist nicht hinnehmbar...
fxe1200 06.09.2010
...ist das jetzt die aktuelle Fälschung des SPON, oder ein Falsifikat des Autors???
...ist das jetzt die aktuelle Fälschung des SPON, oder ein Falsifikat des Autors???
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Wie falsch ist falsch?
Kopie (Meisterkopie): Eine Kopie eines bestehenden Werkes, ohne den (falschen) Hinweis, es sei das Original. Ein Bild darf erst (auch in Originalgröße, mit Originalunterschrift) 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers kopiert werden.

Fälschung (Identfälschung): Eine Kopie eines bestehenden Werkes, mit dem (falschen) Hinweis, es handele sich um das Original.

Falsifikat (Stilfälschung): Ein Werk, das im Stile eines Künstlers gemalt wurde, mit dem (falschen) Hinweis, es sei ein Original des Künstlers.

Plagiat: Ein fremdes Werk, von dem jemand (beispielsweise der Besitzer) behauptet, es sei sein eigenes Werk.

(Quelle: Fälschermuseum Wien)






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