Kunststoff Weichmacher treibt Sexualhormone an

Ein in vielen Kunststoffen enthaltener Weichmacher erhöht den Sexualhormonspiegel. Amerikanische Mediziner machen den Stoff DEHP, der unter anderem in Getränke- und Shampooflaschen zu finden ist, für den Anstieg der Hormonwerte verantwortlich.


Bier aus der Plastikflasche: Weichmacher stört den Hormonhaushalt
DPA

Bier aus der Plastikflasche: Weichmacher stört den Hormonhaushalt

Das Phtalat DEHP wird vielen Kunststoffen wie PVC beigemischt, um sie elastischer zu machen. Menschen kommen täglich mit dem Weichmacher in Berührung. Er findet sich in Bodenbelägen, Kabeln, Plastikflaschen, Schuhsohlen, Lacken und Lebensmittelverpackungen.

Wissenschaftler um Matthew Hardy vom New Yorker Center for Biomedical Research haben in Experimenten mit Ratten nachgewiesen, dass DEHP den Hormonhaushalt verändern kann - auch in geringen und über lange Zeiträume verteilten Mengen. Frühere Studien hatten bereits die schädigende Wirkung des Weichmachers in kurzzeitigen hohen Dosierungen belegt.

Wie die Mediziner in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (10.1073/pnas.0305977101) berichten, zeigten die Tiere nach vier Wochen deutlich erhöhte Werte sowohl des weiblichen Hormons Estradiol als auch des männlichen Sexualstoffs Testosteron. Auch wenn sich die Physiologie von Ratten und Menschen deutlich unterscheidet, empfehlen die Forscher, das Risiko für die Aufnahme von DEHP beim Menschen neu zu bewerten und die Grenzwerte zu senken.

Erhöhte Werte von Geschlechtshormonen können beispielsweise zu einem verfrühten Einsetzen der Pubertät führen. DEHP gehört zwar zu den am besten erforschten Umweltchemikalien, doch flammt die Diskussion um die Wirkung dieses Stoffes und die zulässigen Grenzwerte immer wieder auf.



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