Kuriose Studien Dr. Dylan, Zombiealarm und Putins Knarre

Was passiert bei der Zombie-Apokalypse? Wie oft zitieren Mediziner eigentlich Bob Dylan, und warum geht Wladimir Putin wie Westernheld John Wayne? Alles Fragen, denen sich das renommierte "British Medical Journal" in seiner berühmten Weihnachtsausgabe widmet.

Zombie-Apokalypse: Bisher unzureichende Studienlage (Archivbild)
REUTERS

Zombie-Apokalypse: Bisher unzureichende Studienlage (Archivbild)


Der Einfluss von Bob Dylan auf die Popkultur ist gigantisch. Bekannte Songs wie "Knockin' On Heaven's Door" oder "Blowin in The Wind" dürften zu den am häufigsten gecoverten Liedern überhaupt zählen. Der Musiker mit der knarzigen Stimme hat vor allem mit seinen Texten für Aufmerksamkeit gesorgt. Deshalb zählt der 74-Jährige seit Jahren zum engen Favoritenkreis für den Literaturnobelpreis.

Dass er auch auf die Welt der Wissenschaft einen gehörigen Einfluss ausgeübt hat, zeigt nun eine Studie, die in der Weihnachtsausgabe des "British Medical Journals" veröffentlicht wurde. In dem renommierten Magazin, das sich in seiner bekannten Spezialausgabe auf durchaus humorvolle Weise abseitigen Themen widmet, hat eine Forschergruppe vom Karolinska Institut im schwedischen Stockholm sich dem Einfluss des Meisters auf biomedizinische Studien angenommen.

Das Ergebnis: Seit den Neunzigerjahren hat die Zahl der Zitate von Songzeilen und Titeln stark zugenommen. 2013 fanden die Forscher 727 Verweise in wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die sich eindeutig auf Dylan bezogen, schrieben die Forscher. Zudem suchten die Dylan-Fans auch nach dem frühesten Verweis auf die Zeilen des berühmten Sängers. Und wurden fündig: Bereits 1970, nur acht Jahre nach der Veröffentlichung seines gleichnamigen Debütalbums, wurde der Musiker im "Journal of Practical Nursing" zitiert.

Wette um Dylan-Zitate

Allerdings stellten die Forscher fest, dass er ausgerechnet während seiner Glanzphase in den Sechziger- und Siebzigerjahren recht wenig in der medizinischen Forschung erwähnt wurde. Die Songs, die am häufigsten gefunden wurden: "The Times They Are A-Changin'" (135 Artikel) und "Blowin' In The Wind" (36 Artikel). Auf die Idee zu der Untersuchung kamen die Schweden übrigens, weil Kollegen 2014 bekannt gegeben hatten, dass sie im Rahmen einer Wette versucht hatten, Dylan-Zitate in ihre Publikationen zu schmuggeln.

In einer weiteren Untersuchung haben Forscher die Folgen des Ruhms im Radsport statistisch analysiert. Für seine Studie nahm sich Thomas Perneger aus Genf, ganz offensichtlich ein Radsportfan, die Siegerlisten von Straßenrad-Weltmeisterschaften vor. Er wollte wissen, ob Profis in der Saison nach dem Gewinn des berühmten Regenbogentrikots schlechter abschnitten und weniger Rennen gewannen als in anderen Jahren ihrer Karriere. Lag gar ein Fluch auf dem begehrten Weltmeister-Trikot? Schließlich hatte sich der britische Profi Tom Simpson, der 1967 während der Tour de France an den Folgen seines Dopingkonsums starb, nach dem Gewinn der WM 1965 im Skiurlaub das Bein gebrochen. Auch anderen Champions sei es schlecht ergangen, schreibt Perneger.

Einzelzeitfahr-Weltmeister Cancellara: Fluch des Regenbogentrikot?
DPA

Einzelzeitfahr-Weltmeister Cancellara: Fluch des Regenbogentrikot?

Deshalb untersuchte er die Ergebnisse der Weltmeister von 1965 bis 2013 und verglich die Resultate des WM-Jahres mit den folgenden beiden Saisons. Zum Vergleich tat er dasselbe mit den Siegern der Lombardei-Rundfahrt, einem Klassiker unter den Eintagesrennen. Tatsächlich gewannen die Weltmeister in dem Jahr nach dem WM-Titel, in dem sie traditionell das Regenbogentrikot tragen dürfen, weniger Rennen, als die Sieger in der Lombardei. Ebenso standen die Weltmeister weniger häufig ganz oben auf dem Treppchen als in der Zeit vor ihrem Titel. Perneger erklärt den Effekt weniger mit geringerem Leistungsvermögen oder gar einem Fluch sondern mit statistischen Gesetzen. "Auf eine erfolgreiche Saison folgt eine weniger erfolgreiche - eine statistische Regel", schreibt er.

Doch damit nicht genug an kuriosen Studien: Eine Forschergruppe um Bastiaan Bloem, Neurologe an der Universität von Nijmegen, hat sich den Gang von russischen Spitzenpolitikern vorgenommen. Ihre Beobachtung: Kreml-Chef Wladimir Putin, Ministerpräsident Dmitri Medwedew sowie weitere ranghohe russische Politiker bewegen sich auf besondere Art. Bloem taufte diese Art "gunslinger's gait" - Revolverhelden-Gang. Typisch dafür sei ein reduzierter Schwung des rechten Arms - möglicherweise eine Folge der Waffenausbildung beim ehemaligen russischen Geheimdienst KGB, folgert der Experte. Er sei auch bei Cowboys in Westernfilmen zu beobachten. Dieser reduzierte Armschwung sei aber auch ein typisches Zeichen für eine frühe Phase der Parkinson-Krankheit.

Mit einem weiteren - nun ja - leicht abseitigen Problem hat sich Tara Smith von der Kent State University in Ohio beschäftigt. Was passiert bei einer Zombie-Apokalypse und wie breitet sich die Infektion aus? Das Ergebnis ihre Übersichtsarbeit: Die Inkubationszeit bei einem Biss betrage zwischen wenigen Sekunden bis zu einigen Tagen. Typische Symptome seien ein torkelnder Gang sowie der Drang zum Stöhnen und eine stark eingeschränkte Feinmotorik. Zudem könnten es eventuell zu Verwesungserscheinungen der Haut und des Gewebes kommen. In seltenen Fällen könnten Zombies sehr intelligent und selbstbewusst auftreten. Smith bemängelt allerdings die bisher unzureichende Studienlage zur Zombiezifierung. Die Chancen, als Mensch bei einer infektiösen Ausbreitung zu überleben, stünden sehr schlecht - deshalb empfiehlt die Forscherin weitere Untersuchungen der internationalen Forschergemeinschaft zu dem Thema.

Bei allem Spaß der Weihnachtsausgabe: Die Autoren betonen, dass die Artikel dennoch den üblichen Peer-Review-Prozess durchlaufen hätten - also von Fachkollegen beurteilt worden seien. Es handele sich somit um echte wissenschaftliche Arbeiten. Ob diese ernst genommen werden sollten? Das ist eine andere Frage.

joe



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