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Kuriose Statistik: Nobelpreisregen durch Schokoladenhunger

Je mehr Schokolade in einem Land verspeist wird, desto mehr Nobelpreise gibt es dort pro Kopf: Es ist ein verblüffender Zusammenhang, den ein Mediziner nun nachgewiesen hat. Und wer hat's erforscht? Ein Schweizer natürlich!

Nobelpreisträger Gerhard Ertl (2007): Vorher Schokolade, nachher Sekt? Zur Großansicht
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Nobelpreisträger Gerhard Ertl (2007): Vorher Schokolade, nachher Sekt?

Berlin - Für die Naturwissenschaftler sind die magic calls, die magischen Anrufe des Nobelkomitees, in diesem Jahr durch. Der Japaner Shinya Yamanaka und der Brite John Gurdon bekommen den Medizin-Nobelpreis, der Franzose Serge Haroche und der Amerikaner David Wineland die Auszeichnung in Physik. Und ebenfalls zwei Amerikaner können sich über die Ehrung im Bereich Chemie freuen: Robert Lefkowitz und Brian Kobilka.

Die Laureaten des aktuellen Jahres hat der Mediziner Franz Messerli von der New Yorker Columbia University zwar noch nicht in seine Rechnung eingefügt - doch kann er mit den Daten der vergangenen Jahre einen interessanten statistischen Zusammenhang belegen: Länder mit hohem durchschnittlichen Schokoladenkonsum erhalten mehr Nobelpreise.

Auch wenn es beim ersten Hinhören unglaublich klingt: Im renommierten "New England Journal of Medicine" berichtet Messerli, der sich normalerweise mit dem Problem des Bluthochdrucks beschäftigt, von der Korrelation zwischen dem Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade und der Zahl der Nobelpreisträger pro zehn Millionen Einwohner. Insgesamt 23 Länder hat er in seine Untersuchung einbezogen.

Der Fachartikel ist durchaus mit einer Portion Humor geschrieben, doch der statistische Zusammenhang ist nicht wegzudiskutieren: Die Schweiz steht beim Schokoladenkonsum und beim Einheimsen von Nobelpreisen nach Bevölkerungsanteilen gleichermaßen an der Spitze. Die USA, Frankreich und Deutschland liegen im Mittelfeld, während China, Japan und Brasilien im unteren Teil der Liste landen.

Einen Ausreißer gibt es allerdings, die Rede ist von Schweden: Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 6,4 Kilogramm Schokolade pro Jahr hätte das Land der Rechnung zufolge eigentlich über die Jahre 14 Nobelpreisträger hervorbringen müssen. In Wahrheit sind es aber 32. Messerli bietet dafür - wieder mit einem Augenzwinkern - zwei Erklärungen an: Entweder sei das Nobelkomitee wegen der geografischen Nähe der Geehrten in diesem Fall etwas befangen - oder aber seien Schweden besonders sensibel für leistungssteigernde Effekte von Schokolade.

Er spielt dabei auf die sogenannten Flavonoide an. Das ist eine Gruppe von sekundären Pflanzenstoffen, von denen einigen unter anderem eine positive Wirkung für die menschliche Kognition nachgesagt wird. Messerli mutmaßt, dass der von ihm beobachtete Effekt so zu erklären sei. Eine steile These.

125 Millionen Kilogramm Schokolade für einen US-Nobelpreis

Der Forscher weist auch darauf hin, dass seine Berechnungen auf dem Durchschnittsverbrauch der jeweiligen Landesbevölkerung beruhen. Der Schokoladenverzehr der Nobelpreisträger sei natürlich unbekannt.

Aber wie viel Schokolade muss ein Mensch eigentlich verzehren, um seine Chance auf den Gewinn eines Nobelpreises spürbar zu steigern? Auch hier muss der Forscher eine Auskunft schuldig bleiben. Für ein ganzes Land hat er den Effekt aber sehr wohl berechnet. Das kuriose Gedankenexperiment: In den USA müssten pro Jahr 0,4 Kilogramm Schokolade mehr pro Kopf verzehrt werden, um statistisch gesehen einen zusätzlichen Nobelpreisträger pro Jahr hervorzubringen. Insgesamt kämen so unglaubliche 125 Millionen Kilogramm pro Jahr zusammen.

Um es noch einmal klar zu sagen: Die nachgewiesene Korrelation zwischen dem Schokoladenkonsum und den magic calls aus Stockholm ist natürlich keineswegs ein Hinweis auf eine Kausalität. Das stellt Messerli in seinem Artikel auch klar. Mit geeigneten statistischen Voraussetzungen lässt sich zum Beispiel zeigen, dass immer ein Papst stirbt, wenn Wales den Rugby Grand Slam gewinnt.

Vielleicht verhilft die aktuelle Arbeit Messerli aber trotzdem zu einer Ehrung: Der Aufsatz klingt nach einem heißen Kandidaten für den Ig-Nobelpreis, mit dem jedes Jahr besonders kuriose Forschungsprojekte ausgezeichnet werden. Aber erst 2013, die Geehrten für dieses Jahr sind auch hier schon längst bekanntgegeben.

chs/AFP

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Eierköpfe und Schoggi
Stelzi 11.10.2012
Das erinnert mich an Uter aus Springfield: "Jag' mich nicht, ich bin voll Schoggi!"
2. Na?
Gungosh 11.10.2012
Na, wer hat den Artikel nicht durchgelesen und möchte jetzt mit den guten alten Witzen wie "alle Verbrecher essen Brot" usw. kommen? :-)
3.
Terrax 11.10.2012
Zitat von GungoshNa, wer hat den Artikel nicht durchgelesen und möchte jetzt mit den guten alten Witzen wie "alle Verbrecher essen Brot" usw. kommen? :-)
Hier ich! Man nehme die Statistiken: Pro-Kopf-Verbrauch von Gurken Pro-Kopf-Verbrauch von Rettich Pro-Kopf-Verbrauch von Coca Cola Pro-Kopf-Verbrauch von Döner ... Pro Kopf-Verbrauch von Kartoffelchips Dann als nächstes nehme man die Statistiken: Zahl der Nobelpreisträger pro 10 Mio. Einwohner Zahl der Autisten pro 10 Mio. Einwohner ... Zahl der Friedensnobelpreisträger pro 10 Mio. Einwohner Dann vergleicht man jede miteinander. Findet ein passendes Beispiel, interpoliert dann noch ein wenig, und voilá, wir haben eine "Forschungsarbeit" die belegt, dass es in einem Land mehr Formel-1 Sieger gibt, wenn der Burrito-Konsum dort besonders hoch ist. Ist wie mit dem sagenumwobenen Bibel-Code, man muss nur lang genug suchen, und man findet seine Sensation. :)
4.
CMH 11.10.2012
Bei meinem Schokolade-Konsum werde ich dann ja nächstes Jahr den Nobelpreis bekommen. Fein!
5.
Aquifex 11.10.2012
...ganz ähnlich funktioniert übrigens der "Beweis" für CO2 als Ursache für den "menschengemachten Klimawandel"....
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Nobelpreisträger-Quiz

Ehrung mit Weltrang - die Nobelpreise
Der Stifter
Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". Nobel selbst hatte mehr als 350 Patente angemeldet.
Die Auszeichnungen
Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 Kronen auf zehn Millionen Kronen (eine Million Euro), wurde 2012 aber wegen der Wirtschaftskrise wieder auf acht Millionen Kronen gesenkt. Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen. Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.
Die Kategorien
Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt. Die Friedenspreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.
Die Alternativen
Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet. Seit 1980 vergibt die "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als alternative Nobelpreise bezeichnet werden.

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