Archäologie Warum Nordeuropäer heute gern Brot essen 

Ob Cornflakes oder Brötchen - Getreide gehört bei vielen Deutschen auf den Frühstückstisch. Das war nicht immer so, früher lebten Nordeuropäer als Jäger und Sammler. Forscher berichten jetzt, dass Bauern aus dem Mittelmeerraum den Ackerbau in der Steinzeit nach Norden brachten.

Göran Burenhult

Uppsala - Warum haben Europäer in der Steinzeit angefangen, Landwirtschaft zu betreiben? Klar, es war praktischer und vor allem auch ertragreicher als täglich Wild zu jagen und Beeren zu pflücken. Aber wie sind sie eigentlich auf die Idee gekommen? Die Fachwelt versucht dieses Rätsel seit Jahrzehnten zu lösen - bisher ohne Erfolg. Dänische und schwedische Forscher berichten nun, dass Zuwanderer eine zentrale Rolle spielten.

"Südeuropäer sind in der Steinzeit in den Norden gezogen und haben die Landwirtschaft so in Nordeuropa verbreitet", schreiben Wissenschaftler um Anders Götherström und Mattias Jakobsson von der Universität Uppsala im Wissenschaftsmagazin "Science".

Die Wiege der Landwirtschaft liegt im Nahen Osten. Dort begannen die Menschen schon vor etwa 11.000 Jahren Vieh zu halten und Felder zu bestellen. Um herauszufinden, wie dieser Brauch in unsere Gefilde kam, analysierten die Forscher etwa 250 Millionen Basenpaare in den DNA-Sequenzen von vier Skeletten. Diese Steinzeitmenschen hatten vor rund 5000 Jahren in Schweden gelebt. Zu dieser Zeit war die Landwirtschaft in weiten Teilen Europas verbreitet.

Steinzeitbauer hatte die gleiche DNA wie moderne Griechen

Drei von ihnen waren Jäger und Sammler, die auf der Insel Gotland gefunden wurden. Bei der letzten Person handelte es sich um "Gök4". Dieser Steinzeitmensch wurde etwa 400 Kilometer entfernt von Gotland in der Gemeinde Gökhem entdeckt. So bekam er auch seinen Namen. Gök4 gehörte der Studie zufolge zur sogenannten Trichterbecher Kultur, die im nördlichen Mitteleuropa von 4200 bis 2800 vor Christus Landwirtschaft betrieb. Die Art und Weise, wie die Toten begraben waren, hatte den Forschern verraten, ob es sich um Bauern oder Jäger und Sammler handelte.

Die Wissenschaftler verglichen die DNA-Sequenzen der Steinzeitmenschen miteinander und dann mit dem genetischen Aufbau moderner Menschen. Das Ergebnis: "Der Steinzeitbauer hatte das gleiche genetische Profil wie Menschen, die heute im Mittelmeerraum leben, zum Beispiel auf Zypern", schreiben die Autoren.

Das genetische Profil der Jäger und Sammler hat im Vergleich zu dem der Bauern nicht bis heute überlebt. Ihre Erbgutinformationen waren laut Studie zwar mit denen von Finnen vergleichbar. Die Forscher konnten die DNA aber keiner nordeuropäischen Gruppe genau zuordnen. "Das spricht dafür, dass es das genetische Profil der Jäger und Sammler unter modernen Menschen gar nicht mehr gibt", erklären die Autoren.

ajo/dpa

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