Langzeit-Experiment Kaloriensparen verlängert das Leben

Wer wenig isst, bleibt nicht nur schlank, sondern auch länger am leben, wie ein Experiment mit Affen nahelegt. Forscher haben die Tiere 20 Jahre lang im Labor untersucht. Das Ergebnis: Schmale Kost hält Geist und Körper gesund.


Kaloriensparen verlängert nicht nur das Leben, sondern hält auch den Geist im Alter auf Trab. Das hat eine 20-jährige Studie an Rhesusaffen im Primatenforschungszentrum der University of Wisconsin in Madison ergeben. Demnach kann eine schmale Kost nicht nur den Alterungsprozess bremsen, sondern auch Krankheiten wie Krebs, Altersdiabetes und Herz- Kreislauf-Leiden hinauszögern.

Rhesusaffen: Nach 20 Jahren freiem Futtern sieht der 29-jährige Owen (rechts) ziemlich alt aus im Vergleich zu Canto, 27, der in der gleichen Zeit Diät halten musste
AP

Rhesusaffen: Nach 20 Jahren freiem Futtern sieht der 29-jährige Owen (rechts) ziemlich alt aus im Vergleich zu Canto, 27, der in der gleichen Zeit Diät halten musste

Neu ist vor allem aber die Entdeckung, dass die für Bewegung, das Erinnerungsvermögen und die Lösung kniffliger Aufgaben zuständigen Hirnregionen bis ins hohe Alter leistungsfähiger bleiben. Die gute Nachricht dabei: Die Affen haben zwar weniger gegessen, waren aber von Unterernährung weit entfernt, wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Science" schreiben. "Kaloriensparen reduziert das Risiko für altersbedingte Krankheiten um das Dreifache und sorgt für ein längeres Leben", erklärte Studienleiter Richard Weinbruch.

Rhesusaffen, die eine Schmalhans-Kost von etwa 30 Prozent weniger Kalorien bekamen, hatten im Vergleich zu ihren All-you-can-eat-Kollegen nicht einmal die Hälfte an Tumor- und Kreislauf-Erkrankungen. Der bei dieser Primatenart häufig vorkommende Diabetes blieb bei den Tieren unter Kalorienkontrolle völlig aus. "Bisher sehen wir eine komplette Diabetes-Prävention", freute sich Weinbruch.

Auch auf das Hirn wirkt sich die sparsame Ernährung offenbar positiv aus. Der an der Studie beteiligte US-Neurowissenschaftler Sterling Johnson sagte, dass die kalorienarme Ernährung einige, aber nicht alle Hirnregionen von dem altersüblichen Verlust von Nervenzellen verschont.

An der Untersuchung waren über die Jahre hinweg insgesamt 76 Affen beteiligt. Alle bekamen den Autoren zufolge die gleiche Kost. Der Unterschied lag lediglich darin, dass eine Gruppe ihre Portionen zugeteilt bekam, während die andere sich nach Belieben den Magen füllen konnte. Am Ende der Studie lebten noch 80 Prozent der Affen mit begrenzter Kost. Von den schlemmenden Kumpanen war nur noch jeder Zweite übrig.

Die Erkenntnis, dass leicht reduzierte Kost das Leben verlängern kann, hatten schon frühere Studien unter anderem an Nagern gezeigt. Unbekannt sei bisher aber die Auswirkung aufs Hirn gewesen, schreiben die Forscher.

mbe/dpa

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