Langzeitstudie Salzarme Kost kann der Gesundheit schaden

Salz gilt als Risiko, weil es den Blutdruck erhöht. Nun jedoch haben Forscher eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Menschen mit zu wenig Salz im Urin sterben anscheinend eher an Herz- und Kreislaufkrankheiten. Die Ernährung sollte darauf eingestellt werden.

Essensgenuss: Würzen nicht übertreiben
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Essensgenuss: Würzen nicht übertreiben


Leuven - Zu wenig Salz kann schädlich für Herz und Kreislauf sein. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen belgische Mediziner nach einer Langzeitstudie mit mehr als 3500 Teilnehmern. Anhand der über den Urin ausgeschiedenen Salzmengen hatten die Forscher den Salzkonsum der Probanden eingeschätzt und dabei festgestellt: Eine geringe Salzausscheidung stand in Verbindung mit einem erhöhten Todes-Risiko durch Herz-Kreislauferkrankungen. Bei überdurchschnittlicher Salzausscheidung war dies dagegen nicht der Fall.

Gängige Empfehlung ist es, die Aufnahme von Salz eher gering zu halten, weil dies den Blutdruck senkt und damit Problemen mit Herz und Gefäßen entgegenwirken könnte. Dass dies aber auch tatsächlich vor Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen schützt, kann die Studie nicht bestätigen, die die Mediziner im Fachblatt "JAMA" vorstellen.

Die Ergebnisse widerlegten nicht, dass wenig Salz in der Ernährung den Bluthochdruck senken könne, schreiben Erstautorin Katarzyna Stolarz-Skrzypek von der Universität Leuven und Kollegen. Doch die Mediziner beobachteten, dass die Zahl der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen mit steigendem Salzgehalt im Urin sank.

Wirkung auf den Blutdruck

Stolarz-Skrzypek und Kollegen hatten 3681 Probanden, die zu Beginn der Studie nicht an Herz-Kreislauferkrankungen litten, über einen Zeitraum von durchschnittlich knapp acht Jahren beobachtet. In der Gruppe mit den niedrigsten Salzwerten im Urin zählten sie 50 Todesfälle, in der Gruppe mit mittleren Werten 24 und unter denjenigen mit den höchsten Werten 10. Dies entspricht Sterberaten von 4,1 Prozent, 1,9 Prozent beziehungsweise 0,8 Prozent.

Bei einem Teil der Probanden hatten die Forscher zudem die Entwicklung der Blutdruckwerte untersucht. Salzkonsum hatte dabei offenbar keine übermäßige Auswirkung auf die Entwicklung von Bluthochdruck. Lediglich der systolische Blutdruck - der höhere der beiden Werte, der entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in die Gefäße presst - stieg mit höherer Salzausscheidung an.

"Der Zusammenhang zwischen systolischem Blutdruck und Salzausscheidung lässt sich nicht auf eine geringere Sterblichkeit oder verbesserte Überlebenschancen übertragen", fassen die Autoren zusammen. "Ganz im Gegenteil prognostizierte eine geringe Salzausscheidung eine höhere Sterblichkeit durch Herz-Kreislauferkrankungen."

boj/dapd



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SoJaco, 04.05.2011
1. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von sysopSalz gilt als Risiko, weil es den Blutdruck erhöht. Nun jedoch haben Forscher eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Menschen mit zu wenig Salz im Urin sterben anscheinend eher an Herz- und Kreislaufkrankheiten. Die Ernährung sollte darauf eingestellt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,760546,00.html
Und wieder mal zeigt sich, dass man den Aussagen der ganzen Ernährungswissenschaftler, die jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treiben, mit einer gewissen Skepsis begegnen sollte. Mal schauen, wann die erste Gegenstudie zu diesem Thema auftaucht. Ich halte mich inzwischen nur noch an meine eigene Ernährungsregel, und die lautet: Iss alles, was du willst, aber nichts davon im Übermaß. Wenn es halbwegs ausgewogen ist, heben sich vielleicht ja auch all die schädlichen Nebenwirkungen gegenseitig auf, die vielen Nahrungsmitteln so nachgesagt werden ... Ach ja, und trotz dieser neuen Forschungsergebnisse wird uns die EU natürlich trotzdem eines Tages das Salz im Brot verbieten - jede Wette!
rorrim, 04.05.2011
2. Wer sich an Studien orientiert,...
... stirbt auch. Gesund essen: Sich nach den Jahreszeiten richten, nicht zu viel Fleisch, etwas Fisch, ein paar Eier und Käse, Gemüse und Wurzel, Nüsse, Früchte essen und Wasser trinken. Etwas Brot schadet nicht. Auch Süßes ist erlaubt. Und von allem nicht zu viel. Nicht einseitig und so, dass man immer ein leichtes Hungergefühl hat. Einmal in der Woche satt essen und einen Tag fasten. Fast food meiden, vorgefertigte Nahrungsmittel meiden, Säfte und Softdrinks meiden, Süßes meiden. Frische Lebensmittel vor haltbaren bevorzugen. Keine XY-Diäten, keine Diät-Produkte. Klingt einfach und ist es auch.
metaller16 04.05.2011
3. Es reicht
mir so langsam mit den "Ernährungsexperten" die immer so schön im Tv erklären: 1. Fettarme Produkte essen . 2. Eier sind schlimm wg. Cholesterin. 3. Margarine statt Butter. 4. Salzarm essen wg. Blutdruck. 5. Zuckerersatzstoffe bevorzugen (z.B. Fruktose) All das wurde widerlegt und die erzählen immer noch ihren Mist. Bewußte Falschinformation. Würde mich nicht wundern wenn Cholesterin NICHT zu erhöhten Todesfällen führen würde. Vielleicht sollen damit auch nur die Hersteller sogenannter "Gesundnahrungsmittel" unterstützt werden. Über sowas kann ich mich richtig aufregen. Eine Riesensauerei !!!
unente, 04.05.2011
4. einfach falsch
Zitat von rorrim... stirbt auch. Gesund essen: Sich nach den Jahreszeiten richten, nicht zu viel Fleisch, etwas Fisch, ein paar Eier und Käse, Gemüse und Wurzel, Nüsse, Früchte essen und Wasser trinken. Etwas Brot schadet nicht. Auch Süßes ist erlaubt. Und von allem nicht zu viel. Nicht einseitig und so, dass man immer ein leichtes Hungergefühl hat. Einmal in der Woche satt essen und einen Tag fasten. Fast food meiden, vorgefertigte Nahrungsmittel meiden, Säfte und Softdrinks meiden, Süßes meiden. Frische Lebensmittel vor haltbaren bevorzugen. Keine XY-Diäten, keine Diät-Produkte. Klingt einfach und ist es auch.
Oh je - die nächste Studie mit fragwürdigen Ratschlägen...
Gani, 04.05.2011
5. Märchen
Zitat von sysopSalz gilt als Risiko, weil es den Blutdruck erhöht. Nun jedoch haben Forscher eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Menschen mit zu wenig Salz im Urin sterben anscheinend eher an Herz- und Kreislaufkrankheiten. Die Ernährung sollte darauf eingestellt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,760546,00.html
Das sich dieses unsinnige Pauschal-Märchen so hartnäxkig hält, ist auch ein Verdienst der Medien - hallo Spon, übrigens. Tatsächlich ist das von Person zu Person verschieden. Ich konsumiere viel Salz, schon mein Leben lang. Mein Blutdruck liegt im Schnitt morgens bei 115/65 und abends höchstens 120/75. Das dürfte es ja gar nicht geben...
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