Rasanter Anstieg: Menschen in reichen Ländern werden gesünder älter

Wer heute in einer Industrienation aufwächst, hat ein 200-mal geringeres Risiko eines frühen Todes zu sterben als Menschen in vorangegangenen Generationen, berichten Demografen. Ursache seien vor allem Umweltfaktoren.

Amira, sechs Monate, in der Babywanne: Ein langes Leben liegt vor ihr Zur Großansicht
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Amira, sechs Monate, in der Babywanne: Ein langes Leben liegt vor ihr

Washington/Rostock - Der Anstieg des Lebensalters ist rasant: Die Wahrscheinlichkeit eines frühen Todes ist in Ländern wie Schweden oder Japan heutzutage bis zu 200-mal geringer als in vorangegangenen Generationen. Das zeigt eine Studie des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung. Diese Entwicklung sei rasant und beispiellos in der Evolutionsgeschichte, schreiben die Wissenschaftler um Oskar Burger in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). Menschen mit besseren Lebensumständen leben in der Regel länger. Der Untersuchung zufolge hat ein 30-jähriger Angehöriger heute lebender Jäger-und-Sammler-Kulturen das gleiche Risiko zu sterben wie ein derzeit lebender 72-jähriger Japaner.

Die schlechtesten Lebensbedingungen und damit die höchste Sterblichkeit hatten jene Sklaven, die im 19. Jahrhundert nach Trinidad verschleppt wurden, heißt es in der Untersuchung. Bis zum Alter von 30 Jahren war das Sterberisiko eines solchen Sklaven etwa ebenso hoch wie für einen in der Wildnis lebenden Schimpansen. Angaben zu den aktuellen Lebensverhältnissen in Deutschland machen die Rostocker Forscher nicht.

Vermutlich keine genetischen Ursachen

Der nun beobachtete dramatische Anstieg des Lebensalters gehe vermutlich nicht auf genetische Ursachen, sondern vollständig auf Verbesserungen in der Umwelt zurück, schreiben Burger und seine Kollegen. Das seien vor allem bessere Lebensbedingungen wie eine bessere medizinische Versorgung, eine verbesserte Ernährung, Wasserversorgung und der Rückgang schwerwiegender und zum Teil tödlicher Erkrankungen im Kindesalter und während der Jugendzeit.

Das Team hatte für seine Arbeit Daten über die Altersentwicklung in Industrieländern mit der weltweit höchsten Lebenserwartung ausgewertet wie Schweden und Japan. Diese Informationen wurden dann mit Daten zur Lebenserwartung von historischen Populationen des 19. Jahrhunderts verglichen, die die Lebensbedingungen vorangegangener Generationen widerspiegeln.

Vergleich mit Jäger-und-Sammler-Kulturen

Ein weiterer Vergleich berücksichtigte noch heute lebende Jäger-und-Sammler-Kulturen, die unseren biologisch ursprünglichen Lebensbedingungen noch am ehesten nahekommen. Diesen Daten stellte das Team noch die Sterbemuster von Schimpansen gegenüber, sowohl von in Gefangenschaft gehalten Tieren als von auch jenen in freier Wildbahn. Dies alles sollte das Ausmaß der Entwicklung der menschlichen Lebenserwartung in einem größeren, evolutionären Zusammenhang erkennen lassen.

Es zeigte sich, dass zwischen Jäger-und-Sammler-Kulturen und historischen Populationen des 19. Jahrhunderts kaum ein Unterschied zu finden war. Die Erkenntnis: Im Vergleich zu den Schimpansen schnitten die Jäger-und-Sammler-Kulturen deutlich besser ab. Der Fortschritt in der Lebenserwartung von Jäger-und-Sammler-Kulturen hin zu den führenden Industrienationen war jedoch deutlich größer. Ursache sei die kulturelle Fortentwicklung.

nik/dpa

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