Erbgut-Analyse Kinder später Väter leben länger

Späte Vaterschaft verlängert womöglich das Leben des Nachwuchses - zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler nach dem Vergleich von Erbgut-Strängen. Alte Väter vererben ihren Kindern demnach schützende Kappen in den Genen.

Vater und Kind: Lange Kappen im Erbgut
Corbis

Vater und Kind: Lange Kappen im Erbgut


Washington - Männer, die spät Vater werden, vererben ihren Kindern und Enkeln lange "Schutzkappen" an den Enden der Chromosomen. Eine Verkürzung dieser Telomere wird normalerweise mit Alterungsprozessen in Verbindung gebracht. Möglicherweise wirkten sich die langen Kappen bei den Nachkommen älterer Väter günstig auf deren Gesundheit oder gar ihr Überleben aus. Zu dieser Vermutung kommen Forscher im Wissenschaftsmagazin "PNAS" nach der Analyse von Erbgut-Sequenzen, sogenannten Telomeren.

Telomere sind sich wiederholende DNA-Sequenzen an den Enden der Chromosomen. In fast allen Zellen verkürzen sich die Telomere bei jeder Zellteilung ein wenig. Je älter ein Mensch, desto kürzer sind deshalb normalerweise die Telomere seiner Chromosomen. Verkürzen sich diese Schutzkappen zu stark, findet keine Zellteilung mehr statt. In einer früheren Studie zeigten Wissenschaftler, dass ältere Menschen mit überdurchschnittlich kurzen Telomeren auch eine kürzere Lebenserwartung haben.

Bei den Spermienzellen ist die Situation anders: In deren Chromosomen werden die Telomere mit zunehmendem Alter der Männer immer länger. Vermutlich liegt das an einer in den Hoden besonders hohen Aktivität des Enzyms Telomerase - dieses ist für den Aufbau der Telomere verantwortlich.

Beweis im Blut

Die Forscher um Dan Eisenberg von der Northwestern University (Evanston/US-Staat Illinois) untersuchten nun an einer großen, altersgemischten Gruppe auf den Philippinen, ob die Telomerlänge des Vaters die Telomerlänge bei Kindern und Enkelkindern beeinflusst.

Um die Länge der Telomere in ihren Körperzellen zu bestimmen, entnahmen die Forscher den Versuchspersonen Blutproben. Dabei zeigte sich, dass die Telomerlänge bei den Kindern tatsächlich mit dem Alter des Vaters zum Zeitpunkt ihrer Geburt zusammenhing. Darüber hinaus hatten solche Kinder noch einmal längere Telomere, deren Großväter väterlicherseits spät Vater geworden waren. Das heißt, das Alter der Großväter - und damit die größere Telomerlänge - wirkte sich nicht nur auf dessen Kinder, sondern auch auf dessen Enkelkinder aus. Über die beiden Generationen addierte sich der Effekt sogar.

Mit jedem Jahr, das Väter später ein Kind bekommen hatten, wuchsen die Telomere, berichten die Forscher.

Ob sich die längeren Schutzkappen tatsächlich günstig auf die Gesundheit und die Lebenserwartung der Kinder und Kindeskinder auswirken, müsse jedoch weiter untersucht werden. Die Wissenschaftler spekulieren aber, dass die Verlängerung der Telomere in Gesellschaften mit einer geringen Sterblichkeit und eher späten Fortpflanzung die Lebenserwartung des Nachwuchses erhöht.

boj/dpa



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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
Pless 12.06.2012
1. Gute Nachrichten !?!
Bei meiner Geburt war mein Vater knapp 40, bei dessen Geburt mein Großvater schon fast 49 Jahre alt. Demnach müsste ich ja alt wie Methusalem werden können ;o) Bleibt nur abzuwarten, ab wann die Rentenversicherer solche Daten abfragen und in Beitragserhöhungen umwandlen :o(
reuanmuc 12.06.2012
2.
Zitat von sysopCorbisSpäte Vaterschaft verlängert womöglich das Leben des Nachwuchses - zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler nach dem Vergleich von Erbgut-Strängen. Alte Väter vererben ihren Kindern demnach schützende Kappen in den Genen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,838198,00.html
So einfach kann es nicht sein, denn sonst müssten die Menschen von heute längst die 200 Jahre erreicht haben, da sich der Effekt als positive Rückkopplung verstärken würde. Alternativ müsste sich eines der Organe deutlich als altersbegrenzende Schwachstelle zeigen. Eine Korrelation ist selbstverständlich möglich, aber das ist bekanntlich noch keine Kausalität, schon gar nicht in der Komplexität eines Organismus.
kugelsicher99, 12.06.2012
3.
Super Sache das. Mein Papa war 43 als er mich gemacht hat. Und mein Opa väterlicherseitswar auch steinalt. Jetzt verstehe ich auch, warum immer alle aus allen Wolken fallen, wenn ich ihnen mein Alter sage. Immer der Spruch: ..... gut gehalten. Und das die Telomere ganz sicher einer der wichtigsten Schlüssel zum Thema Alter sind, dürfte unbestritten sein. Ich sage nur Progerie, die haben nämlich schon bei Geburt drastisch verkürzte Telomere.
Anhaltiner 12.06.2012
4.
Zitat von reuanmucSo einfach kann es nicht sein, denn sonst müssten die Menschen von heute längst die 200 Jahre erreicht haben, da sich der Effekt als positive Rückkopplung verstärken würde. Alternativ müsste sich eines der Organe deutlich als altersbegrenzende Schwachstelle zeigen. Eine Korrelation ist selbstverständlich möglich, aber das ist bekanntlich noch keine Kausalität, schon gar nicht in der Komplexität eines Organismus.
Wieso? Die Frage ist ja wie stark der Effekt ist. Wenn 10 Jahre später Vater werden bedeutet das das Kind 1 Monat älter wird als vergleichbare Kinder fällt das vielleicht erst in 100 Generationen auf. Selbst bei einem Jahr wird es schwierig werden das festzustellen, da es noch genügend andere Faktoren gibt. Möglich ist auch das sich zwei Faktoren teilweise aufheben - längeres Lebend durch Telomere, kürzeres duch Schäden am Erbgut.
cassandros 12.06.2012
5. Die Frauen sind schuld
Zitat von reuanmucSo einfach kann es nicht sein, denn sonst müssten die Menschen von heute längst die 200 Jahre erreicht haben, da sich der Effekt als positive Rückkopplung verstärken würde. Alternativ müsste sich eines der Organe deutlich als altersbegrenzende Schwachstelle zeigen. Eine Korrelation ist selbstverständlich möglich, aber das ist bekanntlich noch keine Kausalität, schon gar nicht in der Komplexität eines Organismus.
Das würde *voraussetzen*, daß dieser *Effekt* zumindest intuitiv *erkannt* und *vorsätzlich* und *konsequent* bei der Fortpflanzung der Population (Partnerwahl) zugrunde gelegt worden wäre. Da aber Frauen zur Fortpflanzung nicht konsequent ältere Männer heranziehen, haben wir bislang geringe Aussicht, 200 zu werden. Man kann aber im Tierexperiment nachschauen, ob es dort einen ähnlichen Effekt gibt und diesen dann in Kreuzungsexperimenten mit REinzuchtlinien im Sinne der benannten pos. Rückkoppelung zu verstärken versuchen.
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