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Lebensmittel: Testverfahren überführt Biomilch-Betrüger

Die Milch macht's - aber welche? Ein Kieler Forscher hat ein neues Testverfahren entwickelt, mit dem sich Biomilch von herkömmlich produzierter unterscheiden lässt. So könnte fieser Etikettenschwindel vermieden werden - wenn die Zuständigen das Verfahren auch einsetzen.

Wer wachen Auges durch einen Supermarkt geht, kann es schnell erkennen: Biomilch wird immer populärer. Allein im Jahr 2007 sei ihr Marktanteil in Deutschland um ein Drittel auf 11 Prozent gewachsen, berichtet Joachim Molkentin. Der Wissenschaftler arbeitet am Max-Rubner-Institut in Kiel daran, dass Kunden auch möglichst in jedem Fall tatsächlich Biomilch bekommen, wenn sie dafür bezahlen. Er hat einen Test entwickelt, der Bio-Betrügern das Handwerk legen soll.

Milch trinkendes Kind: "Wir entwickeln solche Verfahren, wenden sie aber nicht an"
DPA

Milch trinkendes Kind: "Wir entwickeln solche Verfahren, wenden sie aber nicht an"

In der aktuellen Ausgabe des "Journal of Agricultural and Food Chemistry" berichtet Molkentin, dass sich die chemischen Eigenschaften von Milch aus biologischen und aus konventioneller Herstellung klar unterscheiden lassen. Ein Kritierium ist dabei die Menge des stabilen Kohlenstoffisotops C-13. Sein Vorhandensein in der Milch der Kühe wird durch das Futter mitbestimmt.

Ökologisch gehaltene Kühe sollten - zumindest im Idealfall - vorwiegend frisches Gras oder Heu zu fressen bekommen. Im Gegensatz dazu bekommen konventionell gehaltene Kühe Silofutter aus Mais. Der Forscher ging nun von folgendem Gedanken aus: Mais nimmt Kohlendioxid aus der Luft so auf, dass sich im Vergleich zu anderen Futterpflanzen besonders viele schwere C-13-Isotopen in der Pflanze ansammeln. Wenn Kühe nun viel Mais fressen, weist ihre Milch also auch einen höheren C-13-Gehalt auf - und der lässt sich mit einem Massenspektrometer nachweisen.

Molkentin fand bei seinen Untersuchungen, für die er 18 Monate lang regelmäßig Milch in Kieler Einkaufsmärkten und Geschäften kaufte, außerdem noch einen weiteren Unterschied: Biomilch besitzt einen höheren Anteil einer bestimmten Variante der Alpha-Linolensäure. Schuld an den charakteristischen Werten dieser Fettsäure sind vermutlich Auswirkungen der Futterzusammensetzung auf die Verdauung der Kühe.

Allerdings gibt es im Verlauf der Jahreszeiten größere Schwankungen sowohl bei den C-13-Isotopenwerten als auch bei den Werten der betreffenden Fettsäure. Doch dem Kieler Forscher gelang es, Schwellenwerte zu finden, mit denen sich fast alle Proben korrekt als Bio- oder konventionelle Milch einordnen lassen.

Bleibt noch die Frage, ob und wann der neue Test auch in der Praxis angewendet wird. "Wir entwickeln solche Verfahren, wenden sie aber nicht an", schränkt Forscher Molkentin im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ein. "Das wäre Sache der Lebensmittelüberwachungsämter." Immerhin, einige Behördenmitarbeiter hätten sich bereits bei ihm nach dem neuen Test erkundigt. Und die nötige Technik sei bereits in vielen Untersuchungsämtern verfügbar.

chs

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