Leichenverwertung in Brandenburg Proteste gegen Plastinationsfabrik

Der Anatom Gunther von Hagens will in der brandenburgischen Stadt Guben eine Fabrik zur Leichen-Plastination eröffnen. Jetzt organisiert die Kirche den Widerstand gegen die Pläne des Erfinders der Ausstellung "Körperwelten".


Guben - Im strukturschwachen Brandenburg sind Arbeitsplätze rar. Da fällt es Politikern schwer, einem ansiedlungswilligen Unternehmen Steine in den Weg zu legen, nur weil es nicht ganz ihr Trauminvestor ist.

Plastinator von Hagens: Will in Guben Leichen präparieren
DPA

Plastinator von Hagens: Will in Guben Leichen präparieren

Der Mann, der jetzt in der Stadt Guben nahe der polnischen Grenze neue Arbeitsplätze schaffen will, ist allerdings eine besonders umstrittene Person: Gunther von Hagens. Der Leichenplastinator tourt seit Jahren mit seiner umstrittenen Ausstellung "Körperwelten" um die Welt - und ist kommerziell erfolgreich damit.

Von Hagens will in einer leer stehenden Wollfabrik in Guben künftig menschliche Leichen präparieren und plastinieren lassen. Angeblich könnten 200 Arbeitsplätze entstehen. Laut Medienberichten soll in der Fabrik auch geforscht werden; auch eine kleine Ausstellung sei denkbar - als touristischer Anziehungspunkt.

Der Landrat des Spree-Neiße-Kreises, Dieter Friese (SPD), betrachtet die Pläne positiv. Eine Investition des Plastinators in Guben könne Arbeitsplätze schaffen und der Stadt überregionale Aufmerksamkeit sichern, sagte er.

Das Vorhaben von Hagens' ist allerdings höchst umstritten in Guben. Pfarrer Michael Domke von der Evangelischen Gemeinde organisiert den Widerstand. Der Tenor der 30 in seiner Kirche versammelten Einwohner ist ziemlich einhellig: Sie lehnen das Vorhaben von Hagens' aus ethischen Gründen ab. "Er spielt Gott", sagte der SPD-Stadtverordnete Ingo Ley. "Und es hat mit Wissenschaft nichts zu tun, dass er Körperorgane austauscht, wenn ihm die originalen Leichenteile nicht gefallen."

Von Hagens war mit einem ähnlichen Projekt Anfang des Jahres bereits in einem polnischen Dorf im Grenzgebiet der Neiße gescheitert. Nun versucht er es wenige Kilometer entfernt in Deutschland.

Die Gegner des Plastinators vermissen beim Landrat ethische Bedenken. "Die Wissenschaft braucht einen Herrn von Hagens nicht", sagte Pfarrer Wolfram Schulz. "Plastination heißt für ihn, Profit zu machen und hat mit seriöser Forschung nichts zu tun." SPD- Fraktionschef Axel Scherler forderte zudem mehr Informationen darüber, woher von Hagens' Leichen kommen.



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