Lernprozesse Jonglieren verändert Gehirn-Verdrahtung

Auch im Erwachsenenalter ist das Gehirn noch formbar. Oxford-Wissenschaftler haben mit Kernspin-Untersuchungen gezeigt, wie sich die Nervenverbindungen in unserem Kopf während des Lernens innerhalb kurzer Zeit verändern.

Gehirn (Zeichnung): "Jede Art, das Gehirn zum Arbeiten zu bringen, ist eine gute Sache"
Corbis

Gehirn (Zeichnung): "Jede Art, das Gehirn zum Arbeiten zu bringen, ist eine gute Sache"


Jonglieren lernen bewirkt Veränderungen in der Verdrahtung von Nervenzellen. Dies zeigten Forscher um Heidi Johansen-Berg und Jan Scholz von der University of Oxford mit einem Experiment, das sie im Fachblatt " Nature Neuroscience" veröffentlichten.

Mit Hilfe eines Kernspintomografen untersuchten sie sowohl die Veränderungen der weißen und grauen Substanz im Gehirn von 48 jungen Erwachsenen, die nicht in der Lage waren zu jonglieren. Die Hälfte der Versuchsteilnehmer unterzog sich darauf einem sechswöchigen Jongliertraining und übte 30 Minuten täglich. Bei einer erneuten Untersuchung stellten die Forscher danach bei den Jonglierern eindeutige Veränderungen in der weißen Gehirnsubstanz fest. Die weiße Substanz umfasst die Leitungsbahnen im Gehirn und Zentralnervensystem, die graue die Nervenzellkörper.

Aus früheren Experimenten war bekannt, dass sich beim Lernen die graue Substanz verändert. Auch von positiven Auswirkungen des Jonglierens, etwa in Bezug auf räumliches Denken, wussten Wissenschaftler schon länger. Nach Angaben der Oxforder Forscher zeigt die neue Studie erstmals, dass sich bei derartigen Lernprozessen auch die Nervenverbindungen verändern. Das Gehirn sei auch bei Erwachsenen formbar und anpassungsfähig, erklärte Johansen-Berg. "Wir neigen zu der Annahme, dass das Gehirn unverändert bleibt oder sich sogar zurückbildet, wenn wir das Erwachsenenalter erreicht haben." Mit dem Experiment sei klar, dass es "sein eigenes Verdrahtungssystem so verändern kann, dass es effizienter arbeitet".

"Das heißt nicht, dass jeder hinausgehen muss und beginnen zu jonglieren, um das Gehirn zu fördern", erklärte Johansen-Berg. "Jede Art, das Gehirn zum Arbeiten zu bringen, ist eine gute Sache." Dazu gehörten etwa Beschäftigungen wie Kreuzworträtsel lösen, aber auch Spazieren gehen. Laut den Forschern kann diese Erkenntnis genutzt werden, um neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose zu behandeln.

lub/AFP/ddp

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.