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Zwillingsstudie: Schwäche für Lesen und Rechnen wird oft vererbt

Rechnender Schüler: "Vererbbarkeit heißt nicht, dass es in Stein gemeißelt ist" Zur Großansicht
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Rechnender Schüler: "Vererbbarkeit heißt nicht, dass es in Stein gemeißelt ist"

Wie gut ein Kind lesen und rechnen kann, hängt auch von seinem Erbgut ab. Eine Gen-Analyse von fast 3000 zwölfjährigen Zwillingen hat gezeigt, dass beide Fähigkeiten teils auf die gleichen Erbgut-Varianten zurückgehen.

London - Die Fähigkeiten des Lesens und Rechnens beruhen offenbar teilweise auf gemeinsamen genetischen Grundlagen. In einer umfangreichen Studie kommt ein internationales Team zu dem Schluss, dass vermutlich etwa die Hälfte jener Gene, die das Lesevermögen beeinflussen, auch zur Mathematik-Leistung beitragen. Einzelne Genvarianten, die sich stark auf die Fähigkeiten auswirken, fanden die Forscher um Oliver Davis vom University College London aber nicht, wie sie im Fachblatt "Nature Communications" berichten.

Bekannt war, dass sowohl Dyslexie als auch Dyskalkulie - also Probleme beim Lesen und Schwierigkeiten beim Rechnen - genetische Komponenten haben. "Diese Schwierigkeiten betreffen in englischsprachigen Ländern mehr als zehn Prozent der Bevölkerung, wobei undiagnostizierte Probleme die Volkswirtschaften jährlich Milliarden Dollar kosten, zusätzlich zu den weniger bekannten Kosten für die verpassten Chancen von Menschen", schreiben die Forscher.

Um die genetischen Zusammenhänge zu prüfen, testeten die Wissenschaftler zunächst separat das Lese- und das Rechenvermögen bei fast 3000 ein- oder zweieiigen Zwillingen im Alter von zwölf Jahren. Die Resultate glichen sie mit rund 1,6 Millionen Genmarkern ab. Die stärksten Hinweise auf einen Zusammenhang prüften sie dann erneut an mehr als 2100 weiteren zwölfjährigen Kindern.

Lernprobleme vererbbar

Starke Zusammenhänge mit einzelnen Genvarianten fanden sie nicht. Dies erklären sie damit, dass Lesen und Rechnen vielmehr auf dem Zusammenspiel vieler verschiedener Erbfaktoren beruhen. Allerdings bestätigten sie Resultate früherer Studien, denen zufolge das Gen DCDC2 eine Rolle spielt, das vermutlich zur Entwicklung von Nervenzellen beiträgt.

Allerdings ergaben Tests eine hohe Korrelation zwischen Lese- und Rechenvermögen: Wer das eine drauf hatte, schnitt auch beim anderen gut ab. Dies sei kaum überraschend angesichts der vielen Umwelteinflüsse, etwa durch Eltern oder Schule, denen ein Kind ausgesetzt ist. Anhand der Unterschiede von ein- und zweieiigen Zwillingen kalkulierten die Forscher dann den Beitrag genetischer Komponenten. Demnach liegt die Vererbbarkeit bei einer Leseschwäche bei etwa 66 Prozent, bei Rechenschwäche bei etwa 51 Prozent.

Ein substanzieller Anteil des beobachteten Zusammenhangs der Lese- und Rechenfähigkeiten beruhe auf Genetik, schreiben die Forscher. "Wir schätzen, dass mindestens zehn Prozent, wahrscheinlich etwa die Hälfte der genetischen Varianten, die mindestens eines der Merkmale beeinflussen, auch zu dem anderen beitragen." Mit einem größeren Verständnis dieser Muster sei es leichter, wirksame Lernumgebungen zu schaffen.

Die Entdeckung einer starken genetischen Komponente bedeute jedoch nicht, dass man nichts tun könne, falls ein Kind Probleme beim Lernen habe, betont Robert Plomin vom King's College London. "Vererbbarkeit heißt nicht, dass es in Stein gemeißelt ist." Vielmehr müssten Eltern und Lehrer mehr Anstrengungen unternehmen, um ein Kind voranzubringen.

hda/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Seufz
huggythebear 10.07.2014
Ich würde mal behaupten, dass Ängste und mangelnde Förderung eine grössere Rolle als Gene bei Lese und Rechenschwäche spielen. Aber darüber lässt sich leider nicht so leicht eine pseudowissenschaftliche Studie schreiben.
2. die armen Gene sind schuld
albert schulz 12.07.2014
Es ist schon abartig, wie SPON mit sturer Regelmäßigkeit auf den Genen herumhackt. Lesen und Rechnen hat nicht nur just bei Kindern etwas mit Interesse und Motivation zu tun. Das kann man auch wecken. Die Möglichkeiten sind bei jedem Kind und generell mehr oder we-niger beschränkt, womöglich genetisch bedingt, aber das ist angesichts der vielen Einflußfak-toren recht belanglos. Es wäre zum Beweis einzuräumen, daß sich die Sache bei den Geschlechtern unterschiedlich verhält. Meine Bemühungen, Mädchen in Mathematik Nachhilfe zu erteilen, waren trotz aller Mühen ziemlich erfolglos, es bestand absolut kein Interesse. Im späteren Leben erwies es sich jedoch, daß die Mädels sehr gut rechnen konnten, sie hatten alles im Griff. Beim Lesen sind sie den Jungens ohnehin weit voraus, weil es da unheimlich interessante Dinge zu erfahren gibt. Meiner Letzten hatte ich beispielsweise eine ganze Reihe aberhübscher Novellen von Stefan Zweig geschenkt, zumeist Liebesgeschichten. Nach vielen Jahren bekam ich sie bei der Trennung zurück, ungelesen und noch verkaufsfertig in Zellophan verpackt. Just die gleiche Frau konnte 600 Seiten dicke Schwarten mit LiebeHerzSchmerz in kürzester Zeit herunterle-sen. Der Bockmist hat sie eben tiefinnerlich interessiert und bewegt. Es ist schon belustigend, wie arg den Angloamerikanern an der Genetik gelegen ist, Chamber-lain at his best. Weshalb ausgerechnet SPON in die gleiche Kerbe schlägt bleibt vorläufig unbekannt. Man könnte vermuten, daß die Mitarbeiter des Organs genetisch bevorzugte Indi-viduen sind. Das wäre recht einfach herauszubekommen, indem man einfach ihre Artikel liest.
3. Ich hätte da
zafoilyx 15.07.2014
mal eine Verständnisfrage: Den vorletzten Abschnitt verstehe ich so das man aus den Genvarianten direkt die geeignete Lernumgebung ableiten kann. Wie ist denn das möglich? Kann mir das jemand leicht verständlich erläutern? Mir erscheint eine solche Aussage nämlich etwas exotisch...
4. Pränatale Leseschwächen
hermannheester 15.07.2014
Zitat von sysopDPAWie gut ein Kind lesen und rechnen kann, hängt auch von seinem Erbgut ab. Eine Gen-Analyse von fast 3000 zwölfjährigen Zwillingen hat gezeigt, dass beide Fähigkeiten teils auf die gleichen Erbgut-Varianten zurückgehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/lesen-und-rechnen-talente-a-979932.html
Solche Leiden sind ausgesprochen schwer zu ermitteln. Noch schwerer zu therapieren. M.E. ist es eher so, dass Eltern, deren Rechentalente nie wirklich geweckt werden konnten, diese ihre eher ablehnende Haltung dem Zahlenwerk gegenüber auf eher sensitivem Wege an ihren Nachwuchs weitergeben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich zwei Mathelehrer verheizt habe, sogar die Schule geschmissen habe und dann auf der Abendschule zum Mathezweier mutieren durfte. Es kommt eben nicht nur auf die Gene an sondern auch auf die Talente der Eltern und Pädagogen
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