Letzte Fragen: Ist Ekel angeboren?

Ekel ist nicht gleich Ekel - sondern hat viele Gesichter. So kann uns unappetitliche Nahrung genauso abstoßen wie unangenehme Gerüche oder manche sexuelle Praktik. Doch sicher ist: Ab einem Alter von drei Jahren hat jeder Mensch die Fähigkeit, sich zu ekeln.

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Ekel: Bei jedem normalen Kind bildet sich die Fähigkeit heraus

Hanah A. Chapman erforscht Emotionen sowie moralisches Denken und Urteilen am Fachbereich Psychologie der Universität Toronto.

Frage: Dr. Chapman, welche Arten von Ekel gibt es?

Chapman: Nach Paul Rozin, dem Begründer der Ekel-Forschung, müssen wir zunächst eine Vorstufe betrachten, nämlich unsere Reaktion auf alles, was einen schlechten Geschmack hat. Was also bitter, sauer, salzig oder vielleicht verfault schmeckt. Dieser Abscheu ist simples adaptives Verhalten, denn viele Gifte und Toxine schmecken tatsächlich bitter. Schon einfache Tiere, zum Beispiel Seeanemonen, detektieren Bitteres und spucken es aus.

Frage: Was passiert denn genau, wenn wir Ekel empfinden?

Chapman: Ekel hat eine physiologische Komponente, und zwar in erster Linie Übelkeit. Sie wird zwar nicht nur durch Ekel ausgelöst, aber es besteht ein starker Zusammenhang. Hinzu kommt ein charakteristischer Gesichtsausdruck, nämlich ein Heben der Oberlippe und Naserümpfen. Dies wird als Schutz des sensorischen Systems interpretiert - wir verringern das eingeatmete Volumen sowie die Oberfläche der Augen.

Frage: Ekel hat aber nicht nur mit Nahrung zu tun?

Chapman: Nein. Im Laufe der Evolution kamen komplexere Stimuli hinzu, etwa unsere Reaktion auf den Schweiß oder Speichel anderer Menschen oder bestimmte sexuelle Praktiken. Am abstraktesten ist schließlich die moralische Entrüstung. Sie hat gar nichts mehr mit der materiellen Welt zu tun, sondern ist eine Reaktion auf das Verhalten anderer Menschen.

Frage: Zeigen sich ethnische Unterschiede?

Chapman: Eigentlich nicht, es handelt sich um einen der sieben universellen Gesichtsausdrücke. Die hat Charles Darwin bereits 1872 beschrieben, und der Anthropologe Paul Ekman kam hundert Jahre später zum gleichen Ergebnis. Es gibt allerdings Variationen, was als essbar gilt. Zum Beispiel Gorgonzola - ein Käse aus verdorbener Milch, der Schimmel enthält und oft schrecklich riecht. Wir haben gelernt, dass er ohne Weiteres essbar ist. Aber fragen Sie mal Ihre asiatischen oder indischen Freunde, was die davon halten.

Frage: Gibt es auch Unterschiede zwischen Frauen und Männern?

Chapman: Wir verwenden einen Standard-Fragebogen, um Ekel-Reaktionen zu erforschen. Frauen erweisen sich demnach durchgängig als empfindlicher.

Frage: All das scheint darauf hinzudeuten, dass Ekel angeboren ist. Warum müssen Kleinkinder dann erst lernen, nicht alles in den Mund zu stecken?

Chapman: Ekel ist auf jeden Fall angeboren. Bei jedem normalen Kind wird sich diese Fähigkeit herausbilden. Auch wenn sie erst im Alter von etwa drei Jahren auftritt, werden wir trotzdem damit geboren - auch die Pubertät tritt ja zum Beispiel erst später auf. Es gibt auch einen Versuch mit einer Glasplatte, unter der ein Abgrund gähnt. Sehr kleine Kinder krabbeln einfach darüber, aber mit etwa zehn Monaten entwickelt sich dann die Höhenangst, die sie davon abhält. Ähnlich ist es mit dem Ekel, der allerdings wie gesagt kulturell teilweise unterschiedlich geprägt ist.

Das Interview führte Udo Flohr

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insgesamt 50 Beiträge
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1. Ekel angeboren!?
Emmi 13.03.2010
Um zu klären, ob Ekel angeboren ist, könnte man ja mal - wenn es einem nicht so grausam vorkäme - die Gegenprobe machen und Babys von Geburt an anstatt mit süßen Sachen und Dingen, die uns als wohlschmeckend erscheinen, mit bitteren Dingen und solchen, die uns eher unappetitlich erscheinen (also z.B. Gorgonzola statt Gummibärchen), füttern. Wenn die dann trotzdem mit 3 Jahren einen Ekel dagegen entwickelten, wäre es bewiesen. Ich vermute aber, dass es viel mehr eine Frage der Erziehung/Gewöhnung ist, was wir als angenehm/gut und was als unangenehm/schlecht empfinden...
2. Krabbelviecher als Süßigkeit
FNagel 13.03.2010
Zitat von sysopDoch sicher ist: Ab einem Alter von drei Jahren hat jeder Mensch die Fähigkeit sich zu ekeln. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,681560,00.html
Im Grundschulalter wird der Spaß am Ekel zu einer unerschöpflichen Quelle von Spielideen. Zu meiner Kinderzeit gab es selbstklebende Gruselbilder und kleine Mülltonnen voll grünem "Slime". Eine Firma in Japan bietet "GUMMIX", ein Spielzeug, mit Kinder Insekten und anderes Krabbelzeug aus Weingummi selbermachen und mit genüßlichem Grusel verspeisen können. http://www.megahouse.co.jp/gummix/ Gefunden hier: http://www.nerdcore.de/wp/2010/02/26/diy-insekten-gummibarchen/ Unter dem gleichen Namen werden hier vom dominierenden Gummibärchen-Giganten Knabbertüten angeboten, deren Inhalt ahnen läßt, daß ein ähnlicher Gedanke zugrundelag. Wer da wohl wem Wort und Idee geklaut hat?
3. titel
Gertrud Stamm-Holz 13.03.2010
Zitat von EmmiUm zu klären, ob Ekel angeboren ist, könnte man ja mal - wenn es einem nicht so grausam vorkäme - die Gegenprobe machen und Babys von Geburt an anstatt mit süßen Sachen und Dingen, die uns als wohlschmeckend erscheinen, mit bitteren Dingen und solchen, die uns eher unappetitlich erscheinen (also z.B. Gorgonzola statt Gummibärchen), füttern. Wenn die dann trotzdem mit 3 Jahren einen Ekel dagegen entwickelten, wäre es bewiesen. Ich vermute aber, dass es viel mehr eine Frage der Erziehung/Gewöhnung ist, was wir als angenehm/gut und was als unangenehm/schlecht empfinden...
Das können Sie genausogut andersrum veranstalten. Ernähren Sie ein Kind die ersten drei Jahre mit ungesüsstem Tee und Wasser. Dann gegen Sie im Fanta. Es wird sich angewidert schütteln. Es gibt mit Sicherheit sinnvollen Ekel. Der moderne Mensch ekelt sich vor Kleinigkeiten aus reiner Dummheit. Da hat Mama eine Angst vor Mäusen und impft die bei der Sicht einer selbigen Fräulein Tochter. Ab diesem Zeitpunkt kreischen beide. Fertig ist der Ekel. Spinnenangst ist ebenso anerzogen, respektive durch keine Erklärungen zur Materie nicht aberzogen. Solche Ekelgefühle sind Entwicklungen von Dingen, die man nicht kennt und sich nichts erklären kann.
4. Geschmackssache
germanexpat 13.03.2010
Mal von der Ernaehrung abgesehen, habe ich mich immer als Kleinkind geekelt wenn ich von aelteren so genannten Tanten und aehnliches auf den Arm genommen wurde, aber das aller - schlimmste war wenn das Komando kam gib Ihr mal ein Kuess - chen
5. ...
m-pesch 13.03.2010
Zitat von Gertrud Stamm-HolzSpinnenangst ist ebenso anerzogen, respektive durch keine Erklärungen zur Materie nicht aberzogen.
Ich weiß nicht wie es bei Spinnen ist, aber Schlangenphobie bei vielen Menschen angeboren. Betrifft zwar nicht viele Menschen aber bei Affen fast 100%.
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