LHC-Beschleuniger Starttermin für weltgrößtes Experiment steht fest

Auf diesen Moment warten Tausende Wissenschaftler: Am 10. September wird der Teilchenbeschleuniger LHC am Kernforschungszentrum Cern in Betrieb genommen. Mit dem weltgrößten Experiment wollen Forscher den Urknall simulieren.


Genf - 27 Kilometer lang ist die Röhre, durch die schon bald Elementarteilchen rasen sollen. Large Hadron Collider (LHC) heißt der mächtige Beschleuniger, das komplexeste je von Menschen gebaute Experiment. Am 10. September sollen erstmals Teilchen auf die Reise geschickt werden, wie das europäische Kernforschungszentrum Cern mitteilte. Die Fertigstellung des LHC hat sich gegenüber den ursprünglichen Planungen um etwa ein Jahr verzögert.

Im LHC wollen Wissenschaftler Atomkerne mit bisher unerreichter Kraft aufeinanderprallen lassen, um Bedingungen zu erzeugen, die denen des Urknalls ähneln. Die Forscher des Cern erhoffen sich davon neue Erkenntnisse über die Anfänge des Universums. In einem Monat werden die ersten Atomkerne im Uhrzeigersinn durch den Ringbeschleuniger rasen. Die erste Teilchenkollision ist geplant, sobald die Atomkerne stabil unterwegs sind.

In den Experimenten wird es jedoch nicht allein um den Urknall gehen. Physiker hoffen auch, die Existenz bislang nicht nachgewiesener Elementarteilchen zu beweisen, etwa des Higgs-Bosons. Nach dem sogenannten Gottesteilchen fahnden Forscher schon länger. Vor 40 Jahren hatte Peter Higgs die Existenz eines speziellen Felds postuliert, welches das ganze Universum durchdringen soll und Elementarteilchen ihre Masse verleiht. Träger dieses Feldes sind laut Higgs ganz besondere Teilchen. Später wurden sie auf den Namen Higgs-Boson getauft, aber bisher noch nie nachgewiesen. Womöglich gelingt das in den nächsten Jahren mit dem LHC.

In den vergangenen Monaten war der riesige Beschleuniger wiederholt in die Schlagzeilen geraten, weil einzelne Forscher die Befürchtung geäußert hatten, dass bei den Experimenten Schwarze Löcher entstehen könnten, die eine Gefahr für die Erde darstellen. Die Wissenschaftlergemeinde ist sich aber einig, dass derartige Szenarien vollkommen unrealistisch sind.

Mit dem Bau des LHC war 2003 nach jahrelangen Planungen begonnen worden. Das Projekt hat bisher rund 2,5 Milliarden Euro gekostet. Der LHC befindet sich in einem Tunnel unter der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz. Mehr als 9000 Wissenschaftler wollen künftig mit dem Beschleuniger arbeiten.

hda/AP



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