Lieblingszahlen Die Magie der 23

Fast jeder Mensch hat eine Vorliebe für eine bestimmte Zahl. Die Deutschen sind eher Pragmatiker und wählen Geburtstage, Trikotnummern ihres Fußballidols oder die Null. In China hingegen sind Zahlen so bedeutend, dass sogar wichtige Termine verschoben werden, damit das Datum Glück verheißt.

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Behörden haben keinen Sinn für schöne Zahlen. Seit 2007 besitzt jeder Deutsche eine elfstellige Steueridentifikationsnummer. Die ersten zehn Ziffern sind zufällig gebildet. Aussuchen kann man sich seine Nummer nicht. In der Warteschlange auf der Meldestelle oder auf dem Arbeitsamt – überall kriegt man irgendwelche Nummern zugeteilt, ohne gefragt zu werden, ob einem 145 oder 46 nun passt oder nicht.

Ich gebe zu: Wenn ich es beeinflussen kann, dann suche ich mir gern bestimmte Zahlenkombinationen aus. Übrigens auch bei diesem Text. Er hat in der SPIEGEL-ONLINE-Datenbank die ID 600.000 (siehe URL) – ein Treffer, um den mich der eine oder andere Kollege schon ein bisschen beneidet. Genau 600.000 Texte, Fotostrecken, Links und sonstige Elemente wie Flash oder Videos haben sich seit 1994, dem Start von SPIEGEL ONLINE, auf dem Server angesammelt. Ich musste etwas nachhelfen, um die Nummer zu kriegen. Aber ich finde, es hat sich gelohnt: Es war tatsächlich ein besonderer Moment, als die Neunen purzelten – und plötzlich fünf Nullen dastanden.

In China wäre die 600.000 ebenfalls begehrt gewesen, schließlich zählt die 6 wie auch die 9 dort zu den Glückszahlen. Absoluter Liebling der Chinesen ist aber die 8, die so ähnlich ausgesprochen wird wie die Bezeichnung für baldigen Reichtum. Olympia in Peking wurde selbstverständlich am 8.8.08 eröffnet. Für Autokennzeichen und Handynummern mit möglichst vielen Achten wird im Reich der Mitte viel Geld geboten.

Wissen um Nummern kann viel Geld wert sein

Günstig sind hingegen Mobilfunkkarten mit einer 4. Die Zahl hört sich so ähnlich an wie das Wort für Tod. Häufig fehlen in Häusern sogar Etagen, in denen eine 4 vorkommt. Sie wird entweder umbenannt, etwa in 23A, oder ganz weggelassen. Das Gleiche gilt für Zimmernummern in Krankenhäusern. Wer will schon im Todeszimmer auf seine OP warten?

Das Verhältnis der Deutschen zu Zahlen untersuchen gerade Forscher der Universität Hamburg. In einer nicht repräsentativen Umfrage im Internet und an Hamburger Grundschulen haben sie gefragt: Was ist Ihre Lieblingszahl? Und warum? Erste Ergebnisse haben Günther Krauthausen und seine Kollegen jetzt vorgestellt.

3700 Schüler beteiligten sich an der Umfrage. Hinzu kamen Tausende im Internet, deren Antworten erst noch durchgesehen werden müssen. Die zumindest in Teilen bereits ausgewerteten Schülerfragebögen verblüfften die Forscher immer wieder. "Es gibt unwahrscheinlich kreative, ja geradezu philosophische Begründungen", sagt Krauthausen, der das Projekt "Lieblingszahlen" leitet.

Besonders oft werden einstellige Zahlen genannt. Es gebe jedoch keinen eindeutigen Favoriten, wie der Erziehungswissenschaftler im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE berichtet. Verblüffend ist, mit welcher Begründung Hamburger Erstklässler beispielsweise die 23 auswählen. Während Erwachsene vielleicht an die Illuminati, Verschwörungstheorien oder den Hacker Karl Koch denken, haben die Schüler etwas ganz anderes vor Augen: die Trikotnummer ihres Fußballidols Rafael van der Vaart, der den HSV im August Richtung Madrid verlassen hat.

Man solle das Wissen um Rückennummern nicht unterschätzen, sagt Krauthausen, "an anderer Stelle kann das 16.000 Euro wert sein". Und dann zeigt er eine Frage aus der TV-Sendung "Wer wird Millionär". Darin wird nach Spielern gefragt, die bei Schalke und Bayern die Nummer 15 tragen. Fußball-Laien können hier wohl nur raten.

Fast 40 Prozent der Hamburger Schüler wählten übrigens eine Zahl aus, die für ihr Alter oder ihren Geburtstag steht - dies war das am häufigsten genannte Kriterium. Mathematiklehrer dürfte freuen, dass immerhin 15 Prozent sich für eine Zahl wegen ihrer besonderen Eigenschaften entschieden haben. Etwa für die Zwei, weil es immer besser ist, Dinge doppelt zu haben. Oder die Kreiszahl Pi, "weil sie nie aufhört, wie die Mathematik", wie eine Schülerin schrieb.

"Dann kann ich machen, was ich will"

Bei fast zehn Prozent spielte Ästhetik die wichtigste Rolle. Die einen schwärmten über den schönen Schwung in der geschriebenen 2, andere faszinierte die bauchige 8 ("sieht aus wie mein dicker Vater") oder die 3, die als Muster an verschiedenen Stellen im Gesicht auftaucht (siehe Fotostrecke).

Das Kriterium Glücks- oder Pechzahl zählte für 7,8 Prozent der Befragten. Hamburger Schüler im Alter von sechs bis zehn sind in Zahlendingen offenbar viel pragmatischer als etwa chinesische Geschäftsleute, die mitunter wichtige Abschlüsse solange verschieben, bis das Datum Glück verheißt.

Auswahlkriterien für Lieblingszahlen*

Geburtstag/Alter 38,6
Diverse Assoziationen 15,4
Zahleigenschaft 15,3
Familienmitglieder 10,5
Ästethik - optisch/akustisch 9,6
Glückszahl/Pechzahl 7,8
Gut zum Rechnen 7,6
Schönes Ereignis 6,9
Meine Trikotnummer 6,6
Ausgefallene Zahl 5,5
Ohne Begründung 4,8
Leicht/schön zu schreiben 4,0
Vorlieben 3,6
Einfach schön 3,4
Zukunft 2,8
Freunde 2,4
Philosophisch 1,8
Hausnummer 1,8
Magischer Kontext 1,0
Schulnoten 0,3

* Angaben in Prozent, Mehrfachnennung möglich, Umfrage unter 3700 Hamburger Grundschülern

Fast schon beunruhigend war die Begründung für die Wahl der Zahl 18: "Das ist meine Lieblingszahl, weil man mit 18 machen kann was man will", erklärte die Hamburger Schülerin Dana – und sie war damit nicht die einzige unter den 3700 Sechs- bis Zehnjährigen.

Eine erste Analyse der Internet-Umfrage, an der auch Erwachsene teilnehmen konnten, ergab nach Angaben der Forscher einen bizarren Trend: "Je mehr jemand mit Mathematik oder Informatik zu tun hat, umso schräger werden die Begründungen der Lieblingszahlen", sagt Krauthausen.

Sein vorläufiges Fazit: "Zahlen sind viel mehr emotional angebunden, als man glaubt." Zugleich weist er daraufhin, dass ein besonderes Verhältnis zu einer bestimmten Zahl nicht automatisch bedeutet, dass man ein Faible für Mathematik besitzt. Die verschiedenartigen Begründungen der Kinder könnten aber durchaus in den Mathematikunterricht einfließen, hofft Krauthausen. "Wenn ich weiß, wie Zahlen wirken, kann ich das für die Motivation nutzen."

Meine Motivation, neue Texte zu schreiben, ist auf jeden Fall erst einmal etwas gesunken, seit der SPIEGEL-Server dafür wieder nur noch krumme IDs vergibt. Bis zur Nummer 700.000 dürfte mehr als ein Jahr vergehen. Etwas Hoffnung macht mir die 666.666 – mit der immerhin noch in diesem Jahr zu rechnen ist.

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Seite 1
Michael Giertz, 09.01.2009
1. Glaub' nicht dran.
Zitat von sysopFast jeder Mensch hat eine Vorliebe für eine bestimmte Zahl. Die Deutschen sind eher Pragmatiker und wählen Geburtstage, Trikotnummern ihres Fußballidols oder die Null. Haben Sie auch Glückzahlen? Wie sah das Glück mit den Zahlen aus?
Ich glaub' nicht dran. Die einzigen Glückszahlen sind mE die sechs im Lotto plus die Superzahl, wenn man die hat, sind die meisten weltlichen Probleme passé, dafür hat man andere dann, z.B. falsche Freunde ... Die Zahlen sind aber rein zufällig und die Chance steht bei 1:144 Millionen - keine gute Möglichkeit, eine sinnvolle Glückszahl oder die Quersumme jener herauszufinden. Aber mal weiter im Text. Meine "Lieblingszahl" ist "1701" - und die wiederum hat was mit der Registrationsnummer der USS Enterprise aus dem Star-Trek-Universum zu tun und wenn möglich, soll das nächste Nummernschild diese Zahl tragen. Ansonsten ... würde ich die Zahlen meines Geburtstages (aus verständlichen Gründen werde ich nur die Erklärungen, nicht aber die Zahlen angeben) mit der chinesischen Mythologie der Zahlen zusammenbringen, ergäbe sich folgendes Bild: Die erste Zahl stünde für Yin und Yang Die zweite Zahl steht für die Triade "Himmel/Erde/Mensch" Die Zahlen 1 und 9 stehen für den Anfang der Welt und das Symbol des Drachen. Die nächste Zahl steht für Glück und Reichtum und die letzte Zahl wieder für Yin und Yang. Würde ich also mein Geburtsdatum entsprechend interpetieren, so kann ich erst dann Glück und Reichtum erfahren, wenn ich mit mir selbst und der Welt im Gleichgewicht stehe. Dass "Yin und Yang" zweimal vorkommt, deutet darauf hin, dass das innere und äußere Gleichgewicht besonders zu gewichten ist. Allerdings muss ich noch hinzufügen, dass diese Interpretation fehlerbehaftet ist, da sie eigentlich mit dem chinesischen Kalender durchgeführt werden müsste, d.h. die Jahreszahl wäre definitiv eine andere und die Elemente bzw das Tier des Jahres, in dem ich geboren wurde, müsste noch mit betrachtet werden. Solche Dinge sind zwar zweifelsohne spannend, aber am Ende nur bedingt für die Lebensplanung einsetzbar ... zumal ich mich eben zwar damit beschäftige, daran jedoch nicht glaube.
wahlfrei 09.01.2009
2. Graf Zahl
Pi gefällt mir natürlich auch oder e, auch i und j. Aber gefragt war natürlich nach natürlichen Zahlen. Also ich hab eine Schwäche für Primzahlen. Meine kleinste bekannte Lieblingsprimzahl ist 17.
Muffin Man, 10.01.2009
3.
Zitat von sysopFast jeder Mensch hat eine Vorliebe für eine bestimmte Zahl. Die Deutschen sind eher Pragmatiker und wählen Geburtstage, Trikotnummern ihres Fußballidols oder die Null. Haben Sie auch Glückzahlen? Wie sah das Glück mit den Zahlen aus?
Wie das Glück aussähe?: Wie ein Kontostand in der Größenordnung, die ein auch in der deutschen Wirtschaftspresse bis Mitte Dezember letzten Jahres stets als leuchtendes Vorbild dargestellten Madoff (http://www.focus.de/finanzen/boerse/milliardenbetrueger-madoff-wenn-aufseher-16-jahre-blind-sind_aid_359711.html) hat verschwinden lassen wie ein David Copperfield (http://www.dcopperfield.com/) einen läppischen ausgedienten Schlafwagen... Mit anderen Worten: USD 50.983.447.382,57 zzgl. Anwaltskosten *;-)*
Born to Boogie, 10.01.2009
4. Aberglaube !
Man sollte nicht Abergläubig sein - denn das bringt Unglück !
Dr. Baums Zimmer 10.01.2009
5. Moment mal!
Die Verfechter der Numerologie hätten eigentlich aus relativ aktuellem Anlass Grund sich zu freuen: Wahl des US-Präsidenten: 04/11/2008 = 4 = die Tat; 11 = Tod &Neuanfang/Spirituelle Macht; 10 = Vollendung (Bush-Dynastie hat fertig, altes Wirtschaften auch); Quersumme 16 = "Wer hoch steigt, fällt tief!" = der Mann, der von Turmesspitze stürzt (G.W.Bush!) - - Na aber Hoppla!!! (von wegen Aberglaube.)
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