Londoner Stadtbusse Atheisten planen Werbekampagne

"Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Hört auf, euch Sorgen zu machen und genießt euer Leben": Britische Atheisten haben genug von religiöser Werbung auf Londoner Stadtbussen und wollen im Januar eine Gegenkampagne starten. Spendengelder haben sie mittlerweile genug.


Britische Atheisten planen, im Januar vier Wochen lang Londoner Stadtbusse mit atheistischen Werbeplakaten auszustatten. Auf den Plakaten wollen sie folgenden Spruch plazieren: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Hört auf euch Sorgen zu machen und genießt euer Leben."

Die Kampagne begann mit einer Idee der britischen Komödiantin Ariane Sherine. In einem Artikel für die Zeitung "The Guardian" schrieb sie im Juni 2008, wie sie sich über eine christliche Buswerbung geärgert hatte. Anlass ihres Verdrusses war weniger der Bibelspruch auf dem Busplakat selbst als die Web-Seite JesusAid.org, die ebenfalls mit angegeben war.

"Als ich die Seite besuchte […], sah ich folgende Warnung an alle, die 'die Worte Jesu am Kreuze nicht akzeptieren'", schreibt Sherine in dem "Guardian"-Artikel. "'Du bist verdammt zu ewiger Trennung von Gott und Du wirst für alle Ewigkeit in der Hölle Qualen erleiden", berichtet Sherine weiter, was auf der christlichen Seite zu lesen war.

In dem Artikel beschrieb Sherine erstmals die Idee zu einer atheistischen Gegenkampagne: Die zwei Wochen dauernde Jesus-Aid-Buskampagne habe 23.400 Pfund (rund 26.300 Euro) gekostet. Demzufolge würde es ausreichen, so Sherine, wenn nur 4680 Atheisten lediglich 5 Pfund spendeten, um eine Gegenkampagne starten zu können. Den Spruch, der nun tatsächlich im Januar auf den Londoner Bussen zu lesen sein wird, schlug sie in dem Artikel ebenfalls vor.

Die Resonanz auf den Aufruf war zunächst gering. Doch Sherine blieb dran und schrieb einen weiteren Artikel im "Guardian". Schließlich erklärten sich die British Humanist Association und der berühmte Wissenschaftler Richard Dawkins bereit, die Kampagne zu unterstützen. Dawkins hatte sich in seinem Buch "Der Gotteswahn" mit dem Thema Religion auseinandergesetzt und darin unter anderem beklagt, dass Atheisten anders als religiöse Vereinigungen nicht oder nur kaum organisiert seien und keine Lobby hätten.

Kurz danach stiegen die Spenden sprungartig an, das ursprüngliche Ziel von 23.400 Pfund wurde am 21. Oktober 2008 erreicht, am 24. Oktober waren 100.000 Pfund (112.000 Euro) eingegangen. Bis zum heutigen Tag wurden mehr als 120.000 Pfund (134.000 Euro) gespendet.

Mit den unerwartet hohen Spendeneinnahmen hoffen die Verantwortlichen nun, ihre Kampagne auch landesweit starten zu können. Wie sie auf ihrer auf ihrer Web-Seite www.atheistcampaign.org schreiben, wolle man damit aber nicht nur der religiösen Werbung auf Londoner Bussen entgegen treten. Ziel sei es, "den Leuten auf dem Weg zur Arbeit den Tag zu erleichtern, Bewusstsein für Atheismus in Großbritannien zu schaffen und hoffentlich mehr Menschen zu ermutigen, sich als Atheisten zu bekennen".

lub

Korrektur: Die Übersetzung von "There's probably no god" lautet "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott" und nicht "Es gibt möglicherweise keinen Gott", wie es ursprünglich in diesem Artikel hieß.



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