Lungenpest in China Behörden stellen 10.000 Menschen unter Quarantäne

Ein toter Hirte, elf Erkrankte: Nachdem ein 32-Jähriger an der Lungenpest gestorben ist, haben die Behörden die gesamte Stadt Ziketan abgeriegelt. Das soll die gefährlichen Bakterien an der Ausbreitung hindern. Erkrankte können nur mit Antibiotika gerettet werden.


Peking - Nach dem Ausbruch der Lungenpest ist eine Stadt in China komplett abgeriegelt worden. Ein 32-jähriger Hirte sei in der Stadt Ziketan in der tibetisch geprägten Provinz Qinghai im Nordwesten Chinas an der Lungenpest gestorben, teilte die Gesundheitsbehörde der Provinz am Sonntag mit. Zudem wurde die Krankheit offenbar bei elf weiteren Menschen festgestellt.

Yersinia pestis: Die Aufnahme mit dem Elektronenmikroskop zeigt die gefährlichen Erreger der Pest
RML/ NIAID/ NIH

Yersinia pestis: Die Aufnahme mit dem Elektronenmikroskop zeigt die gefährlichen Erreger der Pest

Um eine Verbreitung der hochansteckenden Krankheit zu verhindern, sei Ziketan vollständig unter Quarantäne gestellt worden. Die Stadt habe vorerst genügend Vorräte, um ohne Lieferungen aus dem Umland auszukommen. Wie lange die Quarantäne dauern sollte, teilte die Behörde nicht mit.

Bei der Lungenpest handelt es sich um die gefährlichste Form der Infektionskrankheit, ausgelöst von dem Bakterium Yersinia pestis. Meist befallen die Erreger Nagetiere wie Ratten, Eichhörnchen oder Murmeltiere und springen häufig mit Flöhen von einem zum anderen Tier über.

Allerdings können sich auch Menschen infizieren und einander gegenseitig durch Tröpfcheninfektionen anstecken. Die Bakterien gelangen in die Atemwege, lösen Husten, Atemnot und Fieber aus. Die Betroffenen spucken Blut und schon nach kurzer Zeit kann ihr Kreislauf zusammenbrechen. Ohne Behandlung führt die Erkrankung innerhalb weniger Tage zum Tod.

Doch es gibt Gegenmittel: Die Antibiotika Streptomycin und Chloramphenicol können die Erreger unschädlich machen. Allerdings ist dafür eine frühe Diagnose und Therapie entscheidend. Zu den wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Krankheit zählen laut Weltgesundheitsorganisation WHO demnach eine adäquate Therapie und die Bereitstellung von ausreichend Antibiotika. Zudem sei es entscheidend, erkrankte Patienten sofort zu isolieren.

Bei den elf Erkrankten in Ziketan soll es sich nach Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörde vornehmlich um Verwandte des verstorbenen Hirten handeln. Sie würden im Krankenhaus behandelt, ihr Zustand sei stabil. Die Gesundheitsbehörde rief alle Menschen, die seit dem 16. Juli in Ziketan waren, auf, sofort zum Arzt zu gehen, wenn sie Husten oder Fieber bekämen.

Vor allem aufgrund der verheerenden Pest-Pandemie im Mittelalter ist der "schwarze Tod" gefürchtet, weitere Berühmtheit erlangte die Krankheit durch Albert Camus' Klassiker "Die Pest", in dem er über Solidarität zwischen Menschen im Angesicht des Todes reflektiert.

Besiegt ist die Infektionskrankheit noch immer nicht, denn eine Impfung kann die Ausbreitung nicht verhindern. Im Jahr 2003 gab es nach Angaben der WHO 2218 Fälle in neun Ländern und 182 Tote. Im vergangenen Jahr hatten britische Forscher vor neuerlichen Ausbrüchen der Pest gewarnt, nicht zuletzt bedingt durch die zunehmende Sorge um Resistenzen.

hei/AP/AFP



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