Macho-Verhalten: Urmensch-Art war dominant wie heutige Gorillas

Männliche Vertreter der Art Paranthropus robustus, die zu unseren Vorfahren gehören, waren Spätzünder: Sie wurden langsamer erwachsen als die Weibchen und wuchsen auch nicht so schnell wie sie. Dann aber entwickelten sie sich zu echten Machos.

Ein Mann und viele Frauen - diesem in der Natur nicht seltenen Muster folgten wohl auch manche unserer Vorfahren. Das schließen Forscher um Charles Lockwood vom University College in London aus der Untersuchung von Fossilien der Art Paranthropus robustus. Die ausgewachsenen Männchen dieser Vorfahren des modernen Menschen scharten wahrscheinlich Weibchen in einem Harem um sich - ganz ähnlich wie heutige Gorillas, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science".

Paranthropus robustus: Schädel eines Weibchens, eines jungen Männchens sowie zweier erwachsener Männchen (von links nach rechts)
Science

Paranthropus robustus: Schädel eines Weibchens, eines jungen Männchens sowie zweier erwachsener Männchen (von links nach rechts)

Lockwoods Team hatte Funde des menschlichen Vorfahren aus drei nahe bei Johannesburg gelegenen Orten untersucht. Bei 35 Exemplaren suchten sie Vergleichsmerkmale wie etwa vorhandene Zahnreihen, Gesichts- und Kieferpartien. 19 Exemplare konnten sie anhand dieser Merkmale nach ihrem Alter, ihrer Größe und ihrem Geschlecht einordnen. So deutet etwa ein komplett entwickelter Weisheitszahn darauf hin, dass der Vormensch ins Erwachsenenalter eingetreten ist. Der Abnutzungsgrad der Zähne war ein relatives Maß für das Alter. Aus den Wachstumsmustern der Fossilien konnten die Forscher schließen, dass 4 der 19 Vormenschen Weibchen waren.

Unterkiefer eines Weibchens (links), jungen Männchens (Mitte), und eines erwachsenen Männchens (rechts): Das junge Männchen hat schon Weisheitszähne, aber die Männchen wuchsen danach noch weiter, wie man an dem größeren Kiefer und der starken Zahnabnutzung erkennen kann
Charles Lockwood

Unterkiefer eines Weibchens (links), jungen Männchens (Mitte), und eines erwachsenen Männchens (rechts): Das junge Männchen hat schon Weisheitszähne, aber die Männchen wuchsen danach noch weiter, wie man an dem größeren Kiefer und der starken Zahnabnutzung erkennen kann

Beide Geschlechter entwickelten sich sehr unterschiedlich, schließen die Wissenschaftler aus den Daten. Während die Männchen lange bis zur erwachsenen Reife und ausgewachsenen Größe brauchten, erreichten die Weibchen diese schneller. Sie schlossen sich dann einem Harem eines Männchens an, vermuten die Forscher. Die Männchen wuchsen aber länger und stetiger, bis sie die Weibchen deutlich an Größe überragten. Dann sonderten sie sich von der Gruppe ab und versuchten in Konkurrenz mit anderen Männchen, sich einen Harem aufzubauen.

Die Isolation von der Gruppe bedeutete für die Männchen allerdings ein höheres Risiko, von Raubtieren wie Leoparden und Hyänen gerissen zu werden. In dieses Bild der Forscher passt, dass die fossilen Knochen der Vormenschen viele Kratzspuren zeigen. Weitere Untersuchungen sollen diese Theorie über das Sozialverhalten von Paranthropus robustus und anderer Vormenschen erhärten. Die Forscher vermuten, dass sich die verschiedenen Vormenschenarten genauso unterschiedlich verhalten haben wie heutzutage Gorillas, Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans.

lub/ddp

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