Verschwörungstheoretiker "Mad Mike" schießt sich 570 Meter in die Luft

Mike Hughes ist mit einer selbst gebauten Rakete abgehoben und lebend auf den Boden zurückgekehrt. Die waghalsige Aktion soll ihm helfen, eine Verschwörungstheorie zu beweisen.

"Mad Mikes" selbst gebaute Rakete beim Start
AP

"Mad Mikes" selbst gebaute Rakete beim Start


Mike Hughes glaubt, dass die Erde eine Scheibe ist. Zumindest behauptet er das. Vielleicht ist es auch nur eine Masche, um Geld von ein paar Verrückten für sein eigentliches Ziel einzunehmen: Mit einer selbst gebauten Rakete an den Rand des Weltalls zu fliegen. Einen Teilerfolg auf dem Weg dorthin hat der Mann, der sich selbst "Mad Mike" nennt, nun nach langer Ankündigung erzielt.

Gut 570 Meter hat sich der 61-Jährige am Samstag mit einer dampfbetriebenen Rakete in die Luft geschossen. Um kurz nach 15 Uhr Ortszeit hob die Rakete in der Mojave-Wüste, in der Nähe von Amboy in Kalifornien, ohne Countdown ab. Waldo Stakes, der Hughes bei dem Projekt geholfen hat, schätzte die Geschwindigkeit auf gut 560 Kilometer pro Stunde.

Zur Landung nutzte Hughes einen Fallschirm. Weil er zunächst zu schnell Richtung Erdboden segelte, musste er einen zweiten öffnen. Dennoch landete er hart. Abgesehen von einem schmerzenden Rücken gehe es ihm aber gut, berichtete er anschließend.

Mike Hughes beim Gesundheitscheck nach dem Flug
AP

Mike Hughes beim Gesundheitscheck nach dem Flug

"Erleichtert" fühle er sich nach der Untersuchung durch Rettungskräfte. "Dieses Teil versucht dich auf zehn verschiedene Arten zu töten", sagt Hughes. "Bin ich froh, dass ich es gemacht habe? Ja. Denke ich. Ich werde die Folgen morgen früh spüren und nicht aus dem Bett aufstehen können. Aber wenigstens kann ich heute Abend nach Hause fahren, zu Abend essen und meine Katzen sehen."

SPIEGEL ONLINE

Eigentlich war der Start der Rakete für November 2017 geplant. Er wurde mehrfach wegen Einwänden des Landverwaltungsamtes verschoben. Zudem gab es technische Probleme. Er habe die Leute satt, die behaupteten, er habe gekniffen und keine Rakete gebaut, sagte "Mad Mike". Er habe seinen Mann gestanden und es getan.

Die Rakete kam knapp 460 Meter vom Startplatz entfernt runter. Dabei zerbrach die Nase.

Als Startrampe nutzte der Tüftler ein blau-weißes Wohnmobil, an das er ein Gestell mit der selbst gebauten Rakete befestigt hatte. Das Fluggerät schießt Wasserdampf aus einem 1,6 Meter hohen und 0,6 Meter breiten Stahlzylinder durch eine kleine Düse nach draußen. "Das ist wie eine heiße Champagnerflasche", sagte Hughes bei einem Besuch des SPIEGEL. Monatelang hatte er in seiner Garage an dem Gerät gewerkelt.

Auch am Samstag sah es zunächst so aus, als könnte der Raketenstart erneut scheitern. Der Wind war stark. Eigentlich wollte Hughes das Gerät mit umgerechnet 350 PS vorantreiben, erreicht aber nur 340. "Ich habe Mike gesagt, wir können den Antrieb stärker erhitzen. Er sagte 'Nein'", so Helfer Stakes.

Die Erlaubnis für den Flugversuch hatte Albert Okura erteilt, der den Ort Amboy 2005 für etwa 425.000 Dollar gekauft hat. "Mike hat uns zur Raketenstadt gemacht", so Okura. "Es war großartig." Amboy liegt gut 320 Kilometer östlich von Los Angeles.

Nächster Schritt: An den unteren Rand des Weltalls fliegen

Geht es nach Hughes, ist sein Projekt damit längst nicht abgeschlossen. Als Nächstes will er einen sogenannten Rockoon bauen. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus einem Ballon und einer Rakete. Mit dem Gerät will Hughes so hoch fliegen, dass er die - mögliche - Krümmung der Erde mit eigenen Augen sieht. "Glaube ich, dass die Erde eine Frisbee ist? Ja, das tue ich", sagt er. "Weiß ich es sicher? Nein. Deshalb möchte ich Richtung Weltraum fliegen."

Dass jeder die Kugelform der Erde auf Satellitenbildern sowie Fotos und Berichten von Astronauten sehen kann, interessiert ihn nicht. Auch nicht, dass man die Erdkrümmung genauso gut erkennen könnte, wenn man einen Heliumballon mit einer Kamera in die Höhe schickt. "Ich kann der Nasa nichts glauben. Ich glaube nicht, dass es die Internationale Raumstation gibt. Ich glaube nicht, dass da Leute oben sind. Ich glaube dieses Zeug nicht", sagt "Mad Mike". Außerdem gehe es darum, Geld zu sammeln.

"Mad Mike" mit seiner Rakete
James Quigg/ Daily Press/ AP

"Mad Mike" mit seiner Rakete

In etwa 100 Kilometer Höhe will er mit seiner nächsten Rakete fliegen. Der Ballon soll ihn dabei bis auf 32 bis 35 Kilometer tragen, die Rakete die restlichen gut 65 Kilometer übernehmen.

"Meine Geschichte ist wirklich großartig," sagt Hughes. "Es gibt viele Handlungsstränge - dass die Rakete in einer Garage gebaut wurde, ich ein älterer Typ bin, dass alles in der Mitte von Nirgendwo spielt und die flache Erde." Das Problem daran sei, dass die Geschichte so viele Irre anziehe. "Leute, die alles infrage stellen. Sie sind die Schattenseite des Ganzen."

Wenn es um seine eigenen Vorhaben geht, kann "Mad Mike" Skepsis nicht verstehen.

jme/AP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.