Von Nora Schultz
Was dem Pfau seine Federpracht, ist dem Mann sein Porsche - so das Fazit einer Studie von US-Psychologen. Das Auto kann dabei durch alle möglichen Luxusgüter ersetzt werden - denn Männer gehen gern teuer einkaufen, um Frauen zu beeindrucken. Bisher lautet die landläufige Meinung, dass die Herren damit ihre Eignung als finanzstarker Ernährer unter Beweis stellen wollen. Doch die Studie von Jill Sundie von der University of Texas in San Antonio besagt etwas anderes: Die Prasserei soll Männern schnellen Sex sichern, und das funktioniere sogar - allerdings nur bei Frauen, die das Gleiche wollten.
Die prächtigen Schwanzfedern des Pfaus sind ein Paradebeispiel aus dem Tierreich dafür, wie ein verschwenderisches Signal eingesetzt werden kann, um das andere Geschlecht zu beeindrucken. Außer Attraktivität gegenüber den Hennen bringen die Federn dem Pfauenhahn keinerlei Vorteile. Im Gegenteil: Er muss viel Energie investieren, um sie wachsen zu lassen und mit sich herumzuschleppen.
Da die Männchen sich - wie bei vielen anderen Tierarten auch - nicht an der Brutpflege beteiligen, zählt für die Weibchen vor allem Gesundheit und Erfolg des Partners. Die Hähne mit den üppigsten Federn haben von beidem reichlich, da sie sich den teuren Schmuck sonst gar nicht leisten könnten, so die Erklärung.
Für Menschen aber gilt meist etwas anderes. Zumindest in traditionellen Familienmodellen spielt der Mann die Rolle des Allein- oder Hauptverdieners. Deshalb, so eine gängige Theorie, wollten Männer Frauen mit teuren Einkäufen eher von ihrer Qualität als Familienernährer überzeugen.
Luxuskäufe zeigen Interesse an schnellem Sex
Um das zu überprüfen, lud Jill Sundie von der University of Texas in San Antonio Studenten beiderlei Geschlechts zu einer Reihe von Tests ein. Sie sollten Geld für bestimmte Dinge ausgeben - allerdings abhängig von unterschiedlichen Szenarien, mit denen ihre Gedanken auf kurz- oder langfristige romantische Beziehungen mit attraktiven Partnern gelenkt wurden. Außerdem maßen die Forscher das grundsätzliche Interesse der Studenten an beiden Beziehungstypen mit einem Fragebogen. Den wahren Zweck der Experimente kannten die Teilnehmer nicht: Sie gingen von einer Teilnahme an Marktforschungsprojekten aus.
Die Ergebnisse waren deutlich: Designerkleidung, exklusives Parfum oder Luxusuhren waren besonders für die männlichen Studenten interessant, die nach flüchtigen erotischen Begegnungen suchten. Wurden ihre Gedanken zuvor auf eine solche Affäre gelenkt, war der Effekt besonders stark. Männer hingegen, die entweder grundsätzlich zu ernsteren Beziehungen neigten oder gerade über eine solche nachgedacht hatten, ließen sich seltener zum Luxus-Shopping hinreißen. Bei Frauen war das Kaufverhalten meist unabhängig von ihren Beziehungsvorlieben, schreiben Sundie und ihre Kollegen im "Journal of Personality and Social Psychology".
Die Studie über Produkte als sexuelle Signale "zeigt elegant, dass dieses Balzritual besonders effektiv für kurze Affären eingesetzt wird", sagt der Evolutionspsychologe und Marktforscher Gad Saad von der Concordia University im kanadischen Quebec. "Denn Männer lassen sich besonders dann zu auffälligem Konsum hinreißen."
Was Männer mit Laubenvögeln gemeinsam haben
In einem weiteren Experiment konnten Sundie und ihr Team zeigen, dass Frauen diese Signale akkurat interpretieren können. Die Probandinnen bewerteten attraktive angebliche Porschekäufer als interessant für einen heißen Flirt. Wurden ihnen ähnlich gutaussehende Männer als Käufer eines Hondas vorgestellt, kamen sie dagegen eher als Heiratskandidaten in Betracht.
Sundie geht davon aus, dass Frauen durchaus von einer korrekten Bewertungen männlicher Statussymbole profitieren: "Männer, die prassen können, demonstrieren damit Erfolg", sagt die Forscherin. "Das kann auf gute Gene hindeuten, über die Frauen sicherlich nicht bewusst nachdenken, aber es kann auch ganz profan heißen, dass für die Dauer einer kürzeren Affäre mit materiellen Vorteilen zu rechnen ist." Für Frauen, die nicht schon langfristig versorgt seien, könne das von Bedeutung sein.
Allerdings: Männer, die eine langfristigen Partnerin suchen, sollten sich laut Tony Little von der University of Stirling in Schottland gut überlegen, ob sie den Damen mit Luxus kommen wollten: "Frauen beeindruckt solche Angeberei nur auf der Suche nach flüchtigen Flirts."
Das Männer-Accessoire Sportwagen vergleicht Little lieber mit etwas anderem als Pfauenfedern: "Die Männchen der australischen Laubenvögel zeigen ein ähnlich auffälliges Konsumverhalten wie die Männer in diesen Studien: Sie bauen verschwenderisch dekorierte Lauben, in die sie Weibchen zur Paarung locken." Eine andere Funktion haben die Prachtbauten nicht - nach dem Sex muss das Weibchen sein Nest selber bauen und den Nachwuchs allein großziehen.
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