Mäuse Forscher stellen insulinproduzierende Zellen her

Diabetiker können hoffen: Ein internationales Forscherteam hat in der Bauchspeicheldrüse von Mäusen adulte Stammzellen entdeckt. Es gelang ihnen, daraus insulinproduzierende Zellen zu bilden. Sie hoffen, das auch beim Menschen zu schaffen.


Spritze, Pille oder Pumpe - Typ1-Diabetiker sind bislang auf Medikamente oder künstliches Insulin angewiesen. Damit könnte irgendwann Schluss sein. Ein Team um Xiaobo Xu hat jetzt adulte Stammzellen in der Bauchspeicheldrüse von Mäusen gefunden. Es gelang ihnen bei Mäusen, daraus insulinproduzierende Zellen herzustellen, wie sie im Fachblatt "Cell"berichten. "Sollte die Aktivierung von adulten Stammzellen zu insulinproduzierenden Beta-Zellen auch beim Menschen gelingen, wäre das ein großer Schritt in der Behandlung von Typ1-Diabetes", sagt Harry Heimberg, Diabetesforscher an der Vrije Universität Brüssel und Koautor der Studie.

Diabetikerin: Mit Hilfe von Stammzellen könnte es in Zukunft möglich sein, auf die Nadel zu verzichten
DPA

Diabetikerin: Mit Hilfe von Stammzellen könnte es in Zukunft möglich sein, auf die Nadel zu verzichten

Embryonale Stammzellen besitzen die Fähigkeit, sich in alle möglichen Zelltypen weiter zu entwickeln. Adulte Stammzellen, der Bauchspeicheldrüse können sich immer noch in viele verschiede Zellarten verwandeln - so etwa in insulinproduzierende Beta-Zellen. Das Versagen dieser Zellen ist die Ursache für Typ1-Diabetes.

"Lange Jahre glaubten die Wissenschaftler zwar an die Existenz von Stammzellen in der Bauchspeicheldrüse, aber niemand hat es geschafft, sie aufzuspüren oder zu isolieren", sagt Harry Heimberg. "Die meisten haben irgendwann das Handtuch geschmissen."

Heidelberg gab nicht auf. Er versuchte aus adulten Stammzellen Beta-Zellen zu bilden. Um die Funktion der Stammzellen zu untersuchen, wurde ausgewachsenen Labormäusen ein Teil der Bauchspeicheldrüse abgeklemmt. Bereiche des Gewebes starben daraufhin ab. Die Wissenschaftler beobachteten, wie sich dann innerhalb von zwei Wochen die Anzahl der verbliebenen Beta-Zellen in diesem Bereich verdoppelte. Die neuen Zellen waren funktionstüchtig und produzierten Insulin.

Heimberg führt die Regeneration der Zellen darauf zurück, dass es zu einer Entzündungsreaktion kommt, wenn man diesen Gang abbindet. Die adulten Stammzellen in dem verletzten Gewebe bekommen daraufhin vermutlich den Befehl, sich zu Beta-Zellen zu entwickeln.

Die meisten Körperzellen benötigen Insulin, um Zucker aus der Blutbahn in die Zellen aufzunehmen. Dieser ist für die Zellen ein Energielieferant. Ist dem Zucker der Zutritt in die Zellen verwehrt, steigt seine Konzentration im Blut an und führt zu schweren Folgeschäden an Nieren, Augen und Blutgefäßen.

In Deutschland leben rund 200.000 Typ-1-Diabetiker. Bei ihnen werden die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse vom Immunsystem zerstört. Die Folge: Es wird zu wenig oder kein Insulin mehr gebildet.

Bislang gibt es keine effiziente Behandlungsmöglichkeit für Typ1-Diabetes. Hoffnungsvoll erschien die Transplantation von Pankreas-Zellen. Der Nachteil dieser Methode ist, dass die Transplantate sehr empfindlich sind und es viele Spender braucht. Mit dem Wissen der Forscher könnte man dieses Problem vielleicht irgendwann lösen.

Man müsse nun versuchen, diese Zellen auch beim Menschen zu finden und sie zu aktivieren. "Sollte es tatsächlich möglich sein, auf diese Weise große Mengen von Beta-Zellen herzustellen, könnte man sie auch als Transplantat nutzen", so die Autoren. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg.

nis/Reuters



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