Massengrab in Mainz Bauarbeiter entdeckten über tausend Skelette

Ein Schützenverein aus Mainz plante einen neuen Schießstand. Bei den Bauarbeiten wurde ein Massengrab entdeckt. Nun untersuchen Archäologen den ungewöhnlichen Fund.

Archäologen bei der Arbeit (Symbolbild)
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Archäologen bei der Arbeit (Symbolbild)


Bei Bauarbeiten in Mainz sind Arbeiter auf ein Massengrab aus dem 19. Jahrhundert gestoßen. Es handele sich vermutlich um über tausend Skelette, sagte Jens Dolata, Archäologe bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, am Dienstag. Die Entdeckung, über die zuerst der SWR berichtet hatte, wurde im Stadtteil Hartenberg-Münchfeld gemacht.

Laut ersten Untersuchungen könnte es sich bei den Verstorbenen um französische und deutsche Soldaten handeln, die vor etwa 200 Jahren nach der Völkerschlacht von Leipzig der Typhusepidemie zum Opfer fielen. Die Toten sind laut Dolata in mehreren Reihen würdevoll bestattet worden. Einige Skelette seien stark beschädigt.

Bei der Völkerschlacht von Leipzig im Jahr 1813 standen sich Soldaten aus Russland, Preußen, Österreich und Schweden auf der einen Seite und die Truppen Napoleon Bonapartes gegenüber. Nach der Niederlage Napoleons flüchteten überlebende Soldaten auch nach Mainz und schleppten dort Typhus ein. Tausende Menschen starben, überwiegend Franzosen, aber auch Mainzer.

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Nach einer Belagerung der Stadt im Jahre 1814 durch deutsche und russische Soldaten gaben die Franzosen um den Gouverneur Charles Antoine Morand schließlich auf und kapitulierten. Die Truppen konnten aber einen freien Abzug aushandeln.

Am aktuellen Fundort hatte ein Schützenverein den Angaben zufolge einen Schießstand geplant. Nun soll nach einer Lösung für die Baustelle gesucht werden. Ob langfristig ein Baustopp erwirkt werden soll, damit die Archäologen an der Stelle graben können, ist noch nicht klar.

Um die Totenruhe nicht weiter zu stören, müssten möglichst alle Knochen im Boden bleiben, sagte Dolata. "Alle Skelette umzubetten, ist eigentlich nicht möglich."

joe/dpa

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