Manhattan Project Mitentwickler der Atombombe Cowan gestorben

Er war ein brillanter Wissenschaftler - und er gehörte zu den Entwicklern der ersten Atombombe: Der US-Chemiker George Cowan war einer der führenden Köpfe des Manhattan Project. Jetzt ist er im Alter von 92 Jahren gestorben.

AP/ Los Alamos National Laboratory

Albuquerque - George Cowan zeigte schon in jungen Jahren enormes Talent. 1941, im Alter von nur 21 Jahren, hatte er einen Chemie-Abschluss des Worcester Polytechnic Institute in der Tasche. Danach arbeitete er an der Princeton University mit dem späteren Physiknobelpreisträger Eugene Wigner, dem Mitentwickler der Theorie der nuklearen Kettenreaktion.

Wäre der Zweite Weltkrieg nicht gewesen, hätte Cowans Arbeit womöglich zeit seines Lebens nur friedlichen Zwecken gedient. Doch seine vielfältigen Begabungen machten ihn schnell auch für das US-Militär interessant, das Cowan für das Manhattan Project engagierte, an dessen Ende die nukleare Einäscherung der japanischen Großstädte Hiroshima und Nagasaki stand.

Aus Sicherheitsgründen kannten nur wenige der zahlreichen Wissenschaftler und Ingenieure, die am Manhattan Project beteiligt waren, die einzelnen Bestandteile des Großvorhabens. Cowan gehörte zu dieser kleinen Gruppe von Eingeweihten - und zu jenen Forschern, denen es 1942 gelang, die erste kontrollierte Kettenreaktion zustande zu bringen.

Nach dem Krieg promovierte er zunächst, um 1949 nach Los Alamos - dem Ort der Herstellung der ersten Atombombe - zurückzukehren. Nur wenige Wochen später leitete er die Analyse von radioaktivem Niederschlag an der Grenze zur Sowjetunion. Dabei gelang der Nachweis, dass auch die Sowjetunion Atomwaffen besaß.

Förderung der interdisziplinären Forschung

In den Jahrzehnten danach machte sich Cowan einen Namen als Philanthrop, Geschäftsmann und Wissenschaftler, der versuchte, die Grenzen der einzelnen Forschungsdisziplinen zu überwinden. Unter US-Präsident Ronald Reagan wurde Cowan in den Wissenschaftsrat des Weißen Hauses berufen. Dabei kam er mit Problemen in Berührung, die auf den Feldern von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Umweltschutz spielten.

Wie es in einer Mitteilung des Santa Fe Institute zum Tode Cowans heißt, machte diese Erfahrung aus ihm einen Kritiker der zunehmenden Fragmentierung und Isolierung einzelner Forschungsdisziplinen. In den frühen achtziger Jahren scharte Cowan eine Gruppe namhafter Wissenschaftler um sich, aus der 1984 das interdisziplinäre Santa Fe Institute hervorging. Cowan wurde sein erster Präsident und amtierte bis 1991.

Am Freitag ist Cowan im Alter von 92 Jahren gestorben. Nach Angaben aus seinem Freundeskreis starb er nach einem Sturz in seinem Haus in Los Alamos im US-Staat New Mexico.

Er war einer der letzten noch lebenden führenden Mitarbeiter des Manhattan Project. Robert Oppenheimer, der Vater der Hiroshima-Bombe, starb bereits 1967. Edward Teller, der als Chefentwickler der Wasserstoffbombe in die Geschichte einging, verstarb 2003.

mbe/dapd/AP



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