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Marihuana-Konsum: Joints erhöhen Hodenkrebs-Risiko

Cannabis-Konsumenten haben ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken. Dies ergab eine Studie mit 370 Tumor-Patienten. Welche Rolle Cannabis bei der Tumorentstehung spielen könnte, ist allerdings unklar.

Die Diagnose Hodenkrebs trifft vor allem jüngere Männer. Die meisten Patienten sind zwischen 20 und 40 Jahren alt. In dieser Altersgruppe ist die Tumorart sogar die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Etwa 7 von 100.000 Männern sind nach Angaben der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Hodentumor pro Jahr betroffen. Wie Hodenkrebs entsteht, darüber wissen Mediziner allerdings nur wenig.

Joint-Raucher: Hodenkrebsfälle seit 1950 gestiegen
REUTERS

Joint-Raucher: Hodenkrebsfälle seit 1950 gestiegen

Eine statistische Analyse vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle (USA) hat nun ergeben, dass Cannabis-Konsum das Erkrankungsrisiko erhöht. Stephen M. Schwartz und seine Kollegen hatten 369 Hodenkrebspatienten befragt. Die Auswertung ergab, dass Marihuana-Raucher ein um 70 Prozent erhöhtes Tumorrisiko haben. Wer schon seit Jahren oder regelmäßig rauche, etwa wöchentlich, besitze im Vergleich zu Nichtkonsumenten der Droge sogar ein doppelt so hohes Risiko , schreiben die Forscher im Fachblatt "Cancer".

"Unsere Studie ist nicht die erste, die nahelegt, dass bestimmte Aspekte der Lebensführung oder der Umwelt von Männern ein Risikofaktor für Hodenkrebs sind", sagte Schwartz. Die Studie sei jedoch die erste, die sich auf Marihuana konzentriere. Bislang bekannte Risikofaktoren sind Hodentumore in der Familie, Hodenhochstand und abnormale Entwicklung der Hoden.

Seit den fünfziger Jahren sind die Hodenkrebsfälle in den USA, Europa, Australien und Neuseeland jährlich um drei bis sechs Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum habe in ähnlicher Größenordnung auch der Marihuana-Konsum zugenommen, schreiben die Mediziner. Deshalb sei man auf die Idee gekommen, nach einem möglichen Zusammenhang zu suchen.

Cannabis-Konsum beeinflusst das Hormonsystem und verschlechtert die Samenqualität. Im Extremfall droht Joint-Konsumenten sogar Impotenz. Weil Unfruchtbarkeit und schlechte Samenqualität zugleich Risikofaktoren für Hodenkrebs sind, befragten die Wissenschaftler Tumorpatienten gezielt nach ihrem Marihuana-Konsum.

Eine schlüssige Erklärung für den entdeckten Zusammenhang haben die Krebsforscher bislang nicht. Es könne aber sein, dass der Marihuana-Konsum einen natürlichen Tumorschutz im Körper schwäche, schreiben Schwartz und seine Kollegen. In den Hoden würden Cannabinoid-ähnliche Substanzen auf natürliche Weise produziert, denen man eine Schutzwirkung vor Krebs zuschreibt. Regelmäßiger Joint-Genuss könnte diesen Mechanismus stören, spekulieren die Forscher und weisen zugleich daraufhin, dass die Hypothese durch weitere Untersuchungen erhärtet werden muss.

Marihuana-Rauchen kann dem menschlichen Organismus großen Schaden zufügen. Langjähriger Cannabis-Konsum beeinträchtigt nicht nur das Gehirn, sondern kann auch zu schweren Lungenschäden führen. Gleichzeitig verlangsamt Cannabis aber auch das Wachstum von Blutgefäßen, die Hirntumore mit Nährstoffen versorgen. Auch bei der Behandlung von MS-Patienten kommt Hanf zum Einsatz.

hda

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