Markenpiraterie im Mittelalter Wikinger fielen auf billige Schwert-Kopien herein

2. Teil: Der exotische Hauch der Marke Ulfberht


Ulfberht war also viel eher eine Marke als der Rufname eines begabten Schmiedes. Die Mehrzahl der Schwerter mit dieser Kennzeichnung fanden die Archäologen in Skandinavien und an der Ostseeküste. Der Name aber weist in eine andere Richtung: Ulfberht hießen im frühen Mittelalter keine Wikinger, sondern Franken. Wollte hier jemand seinen Produkten einen exotischen Hauch verleihen? "Vielleicht ist es auch einfach nur ein Kunstprodukt wie der Name 'Kodak', den der Firmengründer George Eastman wählte, weil er kurz und prägnant ist und sich in vielen gängigen Sprachen gut anhört", spekuliert Williams.

Original = +VLFBERH+T, Kopie = +VLFBEHRT+

Mit der richtigen Schreibweise des fremdländischen Markennamens taten sich denn auch die Fälscher schwer. +VLFBERH+T markierte die Werkstatt des echten Ulfberht ihre Klingen. "Alle Schwerter der Studie, die aus Stahl mit diesem phänomenal hohen Kohlenstoffanteil geschmiedet sind, tragen die Aufschrift mit der Endung H+T", erklärt Williams. Auf den Kopien aber ist die Schreibweise oft +VLFBEHRT+. "Das Kreuz hinter dem T ist die typische Schreibweise für Schwerter aus Eisen, bei denen nur die Klingenränder aus Stahl sind."

Wenn der Besitzer eines gefälschten Ulfberht-Schwertes Glück hatte, merkte er die Schummelei beim Schleifen der Klinge. Denn der Stahlmantel war dünn, nach wenigen Schleifgängen stieß er bereits auf den weichen Eisenkern. Die weniger Glücklichen allerdings bemerkten erst auf dem Schlachtfeld, dass sie kein echtes Ulfberht in den Händen führten. "Der hohe Anteil von Schlacke in den minderwertigen Klingen machte das Material spröde", erklärt Williams. "Da konnte es schon vorkommen, dass Stücke von der Klinge bei heftigen Schlägen einfach absprangen."

Das wahre Geheimnis des Tiegelstahls ist seine Schmiedetemperatur. Denn je höher der Kohlenstoffgehalt, desto weniger Hitze braucht der Schmied, um die Klinge zu formen. Wer über dieses Wissen nicht verfügte und versuchte, den Tiegelstahl bei herkömmlichen Schmiedetemperaturen zu bearbeiten, konnte schnell das kostbare Ausgangsmaterial ruinieren.

Belege dafür fanden die Archäologen in Hamwic, der Vorgängersiedlung des modernen Southampton. In der Abfallgrube einer Schmiede lagen dort verschmolzene Klumpen Tiegelstahl. "Die hat der Schmied so überhitzt, dass sie für die Weiterverarbeitung völlig unbrauchbar wurden", sagt Williams.

Allerdings glaubt der Metallurge auch, dass die Ulfberht-Schmiede nicht der einzige Kunde der Wolgahändler war. "Wir müssen damit rechnen, dass es noch viel mehr Schwerter aus Tiegelstahl gab", glaubt er.

Äußerlich ist nicht zu erkennen, ob eine Klinge aus Renn- oder aus Tiegelstahl geschmiedet wurde, erst unter dem Mikroskop offenbart sich die wahre Natur des Materials. "Und wir haben bisher einfach nicht nach Tiegelstahl in nordischen Klingen gesucht."

Als im 11. Jahrhundert das Reich der Samaniden unterging und russische Fürsten die Macht übernahmen, hörte der Handel entlang der Wolga auf. Zur gleichen Zeit stellt auch die Ulfberht-Schmiede die Produktion ihrer Schwerter ein. An Tiegelstahl war nicht mehr zu kommen: "Die späteren Schwerter weisen alle eine komplett andere Mikrostruktur auf."



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