Mars Climate Orbiter Absturz wegen Leichtsinnsfehler beim Rechnen

Nicht wegen einer technischen Panne, sondern weil die beteiligten Wissenschaftler in verschiedenen Maßeinheiten rechneten, ist die 125 Millionen teure Marssonde Climate Orbiter abgestürzt. Ein klassischer Schülerfehler führte bei der Übersetzung vom amerikanischen ins metrische Maßsystem zur peinlichsten Pleite der Nasa. Eine weitere Sonde ist vielleicht mit denselben Fehlberechnungen zum Mars unterwegs.


Mars Climate Orbiter
NASA

Mars Climate Orbiter

Los Angeles - Ein schlichter Rechenfehler ist offenbar Schuld am Scheitern der jüngsten amerikanischen Mars-Mission. Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa gab es eine folgenschwere Verwechslung bei der Übertragung der Flugdaten vom amerikanischen ins international gebräuchlichere metrische System. Das habe dazu geführt, dass der 125 Millionen Dollar (230 Millionen Mark) teure Satellit Mars Climate Orbiter zu nahe an den Roten Planeten geflogen sei und am 23. September in der Marsatmosphäre, die er eigentlich untersuchen sollte, zerbrach oder verglühte, erklärte die Nasa am Donnerstag.

"Dieses Land hat das metrische System immer noch nicht zu hundert Prozent übernommen", erklärte Chris Jones vom Nasa-Labor JPL. Den bislang vorliegenden Untersuchungen zufolge legte der Erbauer des Satelliten, die Firma Lockheed Martin Astronautics, einige der für die Berechnung der Flugbahn notwendigen Daten in der amerikanischen Maßeinheit "Pounds of Force" anstatt in der metrischen Maßeinheit Newton vor. Die JPL-Wissenschaftler gingen jedoch davon aus, dass es sich bei den von Lockheed vorgelegten Zahlen für bestimmte Kräftewirkungen um metrische Werte handelte, und gaben sie so in den Computer ein. "Bei unseren früheren Marsmissionen haben wir immer das metrische System benutzt", erklärte JPL-Sprecher Tom Gavin.

Die Nasa versucht nun herauszufinden, ob bei dem Mars Polar Lander, der am 3. Dezember auf dem Mars landen soll, der gleiche Fehler gemacht worden ist. Sollte dies der Fall sein, wollen die Nasa-Wissenschaftler versuchen, den Fehler rechtzeitig zu beheben. Die Sonde, die die Klimageschichte und das Wetter auf dem Mars untersuchen soll, wurde ebenfalls von Lockheed gebaut.



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