Fields-Medaillen-Gewinnerin Mathematikerin Maryam Mirzakhani ist tot

Sie war die erste Frau, die mit der Fields-Medaille ausgezeichnet wurde. Nun hat die Mathematikerin Maryam Mirzakhani den Kampf gegen den Krebs verloren. Sie starb in einem Krankenhaus in den USA.

Maryam Mirzakhani im Jahr 2014
AFP PHOTO / THE SEOUL ICM 2014

Maryam Mirzakhani im Jahr 2014

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Ihr Werdegang klang fast wie ein Märchen. Maryam Mirzakhani wurde 1977 in Teheran geboren und besuchte dort eine Spezialschule, die vom iranischen Staat für besonders talentierte Schülerinnen eingerichtet worden war.

Bei der Internationalen Mathematikolympiade gewann sie 1994 und 1995 die Goldmedaille für ihr Heimatland. Und 2014, inzwischen Professorin in den USA, bekam sie die renommierte Fields-Medaille - als erste Frau überhaupt.

Doch nun endet Mirzakhanis Geschichte abrupt. Im Alter von 40 Jahren ist sie in einem Krankenhaus in den USA gestorben, melden die iranische Nachrichtenagentur Mehr und die britische BBC. Sie starb an einer Krebserkrankung, gegen die sie seit Jahren kämpfte. Sie war mit einem Informatiker aus Tschechien verheiratet, ihre gemeinsame Tochter ist sechs Jahre alt.

Die Verleihung der Fields-Medaille an Mirzakhani im August 2014 hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Von 1936 bis 2010 hatten ausschließlich männliche Mathematiker den Preis bekommen - die höchste Auszeichnung des Fachgebiets. Die Fields-Medaille wird immer wieder auch als Nobelpreis der Mathematik bezeichnet.

Bei der Preisverleihung in Seoul bekam Mirzakhani unter den vier Prämierten den meisten Applaus. Die etwa 5000 auf dem Mathematikerkongress versammelten Wissenschaftler feierten die erste weibliche Preisträgerin ganz besonders.

Aus der ganzen Welt erreichten Mirzakhani Glückwünsche, auch aus ihrem Heimatland Iran. Sogar der bis heute amtierende Präsident des Landes, Hassan Rohani, meldete sich persönlich und löste eine Kopftuchdebatte aus. Die kurzhaarige Mathematikern trug in der Öffentlichkeit nämlich kein Tuch.

"Immer mehr Frauen werden bis an die Spitze kommen"

Rohani veröffentlichte mit seinem Glückwunsch-Tweet zwei Bilder der Gewinnerin - eines mit Kurzhaarfrisur, eines mit Kopftuch. Kritiker der strengen Kleidungsvorschriften in Iran warfen Rohani daraufhin Heuchelei vor. "Ich gratuliere Maryam Mirzakhani mit und ohne Kopftuch, aber wenn du wieder mal in Iran bist, verhaften wir dich", lautete ein sarkastischer Kommentar.

Mirzakhani erlag im Alter von 40 Jahren ihrem Krebsleiden
IMU

Mirzakhani erlag im Alter von 40 Jahren ihrem Krebsleiden

Mirzakhani beschäftigte sich mit Topologie und algebraischer Geometrie. In dieser speziellen Geometrievariante gelten andere Regeln, als wir sie aus dem Schulunterricht kennen. Gekrümmte Linien zwischen zwei Punkten können beispielsweise kürzer sein als Geraden. Mirzakhani hat unter anderem geschlossene Kurven auf hyperbolischen Flächen untersucht, deren Länge sich kurioserweise nicht ändert, wenn man sie verformt.

Die Mathematikerin beeindruckte Freunde und Kollegen mit ihrem Optimismus und ihrer Beharrlichkeit. "Sie besitzt einen unerschrockenen Ehrgeiz", sagte ihr Doktorvater Curtis McMullen, Professor an der Harvard University.

Auf der Pressekonferenz nach der Verleihung der Fields-Medaille fragte jemand, wann endlich mehr Frauen in die Riege der Top-Mathematiker aufrücken. "Das braucht Zeit", sagt Mirzakhani. Es gebe immer mehr Studentinnen und immer weniger Vorurteile, mit denen Mädchen und Frauen zu kämpfen hätten. Letztlich brauche man vor allem Geduld. "Ich bin mir sicher, dass immer mehr Frauen bis an die Spitze kommen."

Mirzakhani selbst arbeitete als Professorin an der renommierten Stanford University. Vor schwierigen mathematischen Problemen hat sie nicht gekniffen. "Ich lasse mich nicht so schnell entmutigen", sagte sie in einem Interview. "Ich bin eben zuversichtlich, dass es klappt."

Den Kampf gegen den Krebs hat sie nun verloren.



insgesamt 32 Beiträge
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barbierossa 15.07.2017
1. Mein herzliches Beileid...
... ihrem Mann, ihrer Tochter, ihrer sonstigen Familie und ihren Freunden. Was für ein Rollenvorbild ist da viel zu jung verstorben!
alternativlos 15.07.2017
2. Mein Beileid und Bewunderung...
...für eine tapfere und tolle Frau. Erst wenn wir verstehen, wie schwer es ist, sich in einer dominierenden Gruppe zu behaupten, dann lösen sich die Knoten in unseren Köpfen in Vernunft auf. Danke für Deine Vernunft über die Mathematik hinaus.
31dm0g 15.07.2017
3. Mein Beileid!
Anstatt über ihre mathematischen Erfolge zu berichten, wird in ihrem Nachruf auf eine Kopftuchdebatte eingegangen! Bisschen mehr Respekt!!
zibakiafard 15.07.2017
4. Mein Beileid
Diese Nachricht ist sehr traurig und ein großer Verlust für unser Land Iran.
nofreemen 15.07.2017
5. Weltbürger
Ein grosser Verlust für die Welt und nicht nur für ein einziges Land. Von Nationalismus hat sie nichts gehalten. Sie war zudem die Empathie in Person.
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