Rechenkünste: Hirnscan sagt Erfolg von Mathe-Training voraus

Menschliches Gehirn (Archivbild): Scan erlaubt Prognose des Erfolgs von Rechentraining Zur Großansicht
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Menschliches Gehirn (Archivbild): Scan erlaubt Prognose des Erfolgs von Rechentraining

Übung macht den Meister - doch nicht jedes Kind hat das Zeug zum genialen Schnellrechner. Wie sehr sich ein Schüler durch gezieltes Mathetraining verbessern kann, zeigt ein frühzeitiger Blick ins Gehirn.

Washington - Zumindest ein Teil der Rechenleistungen von Kindern ist im Gehirn offenbar erkennbar. Per Hirnscan lasse sich vorab ablesen, wie stark Grundschüler von einem individuellen Mathe-Trainingsprogramm profitieren, berichten US-Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Vor allem die Größe und die Vernetzung des Hippocampus geben demnach Auskunft darüber, wie große Fortschritte die Schüler machen werden.

Die Forscher um Kaustubh Supekar von der kalifornischen Stanford University hatten 24 Grundschüler im Alter von acht oder neun Jahren untersucht. Sie bestimmten zunächst mit einem Kernspintomographen die Größe und Aktivität verschiedener Hirnbereiche. Zudem ermittelten sie eine Reihe von anderen Daten, etwa den Intelligenzquotienten, die Lesefähigkeit und die Gedächtnisleistung. Dann bekamen die Schüler einen achtwöchigen Einzelunterricht, in dem grundlegende Mathekenntnisse trainiert wurden.

Alle Kinder verbesserten sich durch den Einzelunterricht, berichten die Wissenschaftler. Sie rechneten schneller, effizienter und machten weniger Fehler. Allerdings verbesserten sich nicht alle Schüler gleich stark. Die Forscher suchten nun nach möglichen Zusammenhängen mit den Faktoren, die sie zuvor erhoben hatten. Das Ergebnis: Keiner der klassischen neuropsychologischen Faktoren sagte etwas darüber aus, wie stark sich ein Kind durch das Rechentraining verbessern würde. Anders ausgedrückt: Ein Kind, das einen hohen Intelligenzquotient hat oder gut lesen kann, profitiert nicht automatisch besonders stark von der Mathe-Nachhilfe.

Stattdessen fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Volumen des Hippocampus sowie seiner Vernetzung mit anderen Gehirnregionen und dem späteren Trainingserfolg. Die Rolle des Hippocampus bei der Gedächtnisbildung sei gut bekannt, schreiben die Wissenschaftler. Dass diese Region auch beim Lernen des Einmaleins wichtig ist, sei hingegen bisher kaum beachtet worden.

Es sei wichtig zu verstehen, warum einige Kinder Mathe besser lernten als andere. Dann könnten auch diejenigen ausfindig gemacht werden, die spezielle Unterstützung oder ein intensiveres Training brauchen.

hda/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Einmaleins ist Mathematik?
Instin 30.04.2013
Eine neue Sau wird durchs Dorf getrieben.
2. Oh nein, wie politisch inkorrekt!
mps58 30.04.2013
Na sowas. Gilt doch bisher die Vermutung, dass je mehr man global in die Bildung steckt, man auch proportional gleich viel Wirkung erzielt. Nach diesen Ergebnissen wäre man ja gleich wieder bei der gezielten Begabtenförderung. Aber das ist ja politisch inkorrekt, weil ja nach Meinung der linksgrünen Politik alle gleicher als gleich sein sollen.
3. Der perfekte Mensch kommt
keulenspiegel 30.04.2013
Alles dafür ist zum Greifen nah. Naturgemäß haben wir Altgeräte Angst vor unserer selbst betriebenen Veraltung und Überholtheit. Deshalb wüten manche dagegen. Dabei tragen wir nur unsere Spezies in die Zukunft. Unsere Entscheidungsfreiheit ermöglicht uns, störend einzugreifen, aber das offenbart nur kleingeistige Selbstzentriertheit. Perfektionierung ist Zukunft.
4. ...
Mindbender 30.04.2013
Zitat von sysopÜbung macht den Meister - doch nicht jedes Kind hat das Zeug zum genialen Schnellrechner. Wie sehr sich ein Schüler durch gezieltes Mathetraining verbessern kann, zeigt ein frühzeitiger Blick ins Gehirn. Mathematik: Hirnscan verrät erreichbare Rechenkünste - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/mathematik-hirnscan-verraet-erreichbare-rechenkuenste-a-897240.html)
Kinderkonditionierung durch "Training". Und das auch noch durch US-Forscher "bewiesen". In einem Land, in dem es mit der Bildung extremst mau ist. Auf welchen Zug ist Spon den da aufgesprungen? Bei solchen Themen sollte man lieber skandinavische Länder als Referenz nehmen, und keine Forschungsstudien aus bildungstechnischen Entwicklungsländern wie den USA bemühen.
5. Herzhaft gelacht
joachim_m. 30.04.2013
Klar, wir legen alle Kinder unter Gehirnscanner und dann wird die Art des Nachhilfeunterrichts in Mathe festgelegt. Das nennt sich dann die Optimierung der Resource Kind, oder wie? Und es tauchen natürlich sofort weitere Fragen auf: Was ist mit Bio, Sprachen, Physik, Philosophie, Geschichte etc.? Und wäre es nicht einfacher, den Kindern gleich einen Speicherchip einzubauen, auf dem die notwendigen Formeln etc. schon gespeichert sind. Ein Chip mit englischer Grammatik und Vokabaln würde jahreslanges Lernen völlig überflüssig machen; da könnte man gleich den Gehirnscan auch noch einsparen, weil nach Chipimplamentation Nachhilfe überflüssig wird. Da hat wohl jemand die Adresse Elfenbeinturm, oberste Etage. Ich habe jedenfalls herzlich gelacht. Und ganz nebenbei: Ohne Gedächtnis kann man nicht dazulernen. Die Forschungsergebnisse bestätigen also nur das, was sowieso Stand der Wissenschaft ist und sich jeder an drei Fingern ausrechnen kann, der auf dem Stand der Wissenschaft ist. Ich habe zwar nichts dagegen, wenn wissenschaftliche Theorien immer wieder einmal überprüft werden, aber bitte nicht nach dem krampfhaft neoliberalen Motto: Eine Überprüfung ist nur dann gerechtfertigt, wenn sie ein sur plus ergibt, letztlich, wenn dabei ein wirtschaftlich verwertbares Produkt herauskommt, z. B. lernoptimierte Kinder. Dieser neoliberale Unsinn wird uns im Westen irgendwann in absehbarer Zeit sowieso die Spitzenposition in Forschung und Lehre kosten, denn wenn nur noch Forschung gefördert wird, wenn hinterher ein wirtschaftlich verwertbares Produkt herauskommt und die Tatsache, dass dies passiert schon vor Beginn der Forschung mit hoher Sicherheit feststehen muss, dann kommt nicht wirklich mehr etwas neues bei der Forschung heraus; es wird nur bereits vorhandenes Wissen abgerundet. Wenn die Menschheit nach der neoliberalen Idiotie Forschung getrieben hätte, dass man immer im Voraus wissen müsse, dass dabei etwas herauskommt, was man hinterher auch gut wirtschaftlich verwerten kann, dann säßen wir heute noch in Höhlen und spielten mit Knüppeln und Steinen. Und dieses Forschungsergebnis passt genau in diese neoliberale Schiene: Keine echte neue Erkenntnis, aber hübsch verpackt als Fortschritt im Bereich der Nachhilfeplanung für Schüler: Und das auch nur in einem Fach, als wenn in der Schule nur Mathe gelehrt würde. Aber wahrscheinlich gibt es genug karrierebewußte, in der Regel neoliberale Eltern, die meinen, dass sie ihre Kinder in Zukunft auch unter Zurhilfenahme von Gehirnscanns optimieren müssen. Das hat schon etwas stark religiöses, denn mit Vernunft und Augenmaß ist dieser Schwachsinn nicht mehr zu erklären. Arme Kinder.
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