Mechanismus von Antikythera Antiker Computer zeigte Olympiade an

Das komplizierte Räderwerk Antikythera hat weitere Geheimnisse preisgegeben: Es besaß eine Anzeige, die dem Zeitraum der Olympischen Spiele folgte. Zudem konnten Forscher die Herkunft des Gerätes eingrenzen. Sogar Archimedes könnte an dem Räderwerk mitgewirkt haben.


Über 2000 Jahre alt ist das mysteriöse Räderwerk, das Taucher im Jahr 1901 nahe der kleinen griechischen Insel Antikythera aus dem Wasser holten. Es war ein Klumpen korrodierten Metalls, dem Archäologen zunächst keine größere Beachtung schenkten. Als er im Athener Museumsarchiv aber zerbrach und Zahnräder deutlich sichtbar wurden, erkannten die Forscher, dass sie etwas ganz Besonderes entdeckt hatten.

Der Mechanismus besteht aus mehr als 30 Bronzerädern mit feinen Zähnen - die Verwendung des antiken Computers ist nur teilweise aufgeklärt. Man weiß mittlerweile, dass die bruchstückhaft entzifferten Inschriften eine Art Gebrauchsanleitung darstellen. 2006 berichteten Forscher über einen Zeigermechanismus, der nach der Eingabe des Datums die nächsten Sonnen- und Mondfinsternisse ankündigte.

Nun ist es Wissenschaftlern gelungen, die Funktionsweise des Geräts, das einst in einem 30 mal 20 mal 10 Zentimeter großen Holzkasten steckte, weiter zu entschlüsseln. Das Gerät habe tatsächlich zur Vorhersage von Sonnen- und Mondfinsternissen gedient, berichtet ein internationales Forscherteam im Magazin "Nature" ( Bd. 453, S. 614). Allerdings seien die Voraussagen der Maschine in dieser Hinsicht wohl nicht immer akkurat gewesen, erklärte Tony Freeth vom Antikythera Mechanism Research Project in Cardiff nach der Analyse der neu entzifferten Inschriften auf den Zahnrädern.

Erstmals Namen der Monate entziffert

Wesentlich genauer war dagegen die nun entdeckte Anzeige der Olympiaden - mit diesem Ausdruck wurden im antiken Griechenland die Zeitabschnitte zwischen den eigentlichen Sportwettkämpfen bezeichnet, die alle vier Jahre stattfanden. Freeth und sein Team fanden auf der Maschine Hinweise auf mindestens fünf unterschiedliche Wettkämpfe zwischen den Spielen, deren Abfolge das Gerät anzeigen konnte. Die Scheibe zur Darstellung des vierjährigen Olympia-Zyklus und der panhellenistischen Spiele wurde pro Jahr um eine Viertelumdrehung gedreht. Zuvor hatte man fälschlicherweise angenommen, dass die auf der Rückseite befindliche Scheibe einen 76 Jahre umfassenden sogenannten callipischen Zyklus anzeigt.

Die Wissenschaftler konnten zudem erstmals die Namen der Monate entziffern, die dem sogenannten metonischen Kalender auf der Maschine zugeordnet waren. Dieser komplizierte Kalender basiert auf einer Abfolge von 235 Mondmonaten, was etwa 19 Jahren entspricht. In diesem Kalender haben 110 Monate eine Länge von 29 Tagen, die restlichen dauern 30 Tage. Einige Jahre in dem 19-Jahres-Zyklus haben 13 Monate, wobei jedes Jahr mit dem ersten Neumond nach der Sonnenwende beginnt.

Hatte Archimedes seine Hände mit im Spiel?

Aus der linguistischen Analyse der Monatsnamen konnten die Forscher auch die Herkunft des Geräts ableiten: Höchstwahrscheinlich stammt es aus einer Kolonie, die von Korinthern gegründet wurde. Dazu gehört neben dem Nordwesten Griechenlands auch die Stadt Syrakus auf Sizilien, wo unter anderem der berühmte Mathematiker Archimedes lebte. Bislang hatte man den Ursprung des Geräts auf Rhodos vermutet.

Freeth glaubt nun, dass der Mechanismus von Antikythera in der mechanischen Tradition von Archimedes stehen könnte. Allerdings starb der berühmte Wissenschaftler bereits im Jahr 212 vor Christus, während das Gerät erst rund hundert Jahre später entstand. Selbst gebaut hat Archimedes das komplexe Räderwerk deshalb kaum, er könnte aber Ideen dafür geliefert haben, spekulieren die Wissenschaftler.

Um die bislang unbekannten Inschriften zu entziffern, nutzten die Forscher wie bereits 2006 einen Computertomografen. Schicht für Schicht wurden die Fragmente gescannt - so entdeckten die Wissenschaftler weitere, bislang nicht bekannte Eingravierungen.

hda/ddp/dpa

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