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Mecklenburg-Vorpommern: Archäologen entdecken riesigen Münzschatz

Es sind Hunderte Münzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert: Archäologen haben in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern einen riesigen Münzschatz entdeckt - vermutlich hat ein reicher Einwohner im Dreißigjährigen Krieg die Geldstücke vergraben.

Münzschatz: Sensationeller Fund in Weltzin Fotos
dapd

Weltzin - Mit Spaten und Metalldetektor streifen am Samstagmorgen etwa 20 ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger über ein abgeerntetes Maisfeld am Südrand des mehr als 700 Jahre alten mecklenburgischen Dorfes Weltzin. Es dauert keine fünf Minuten, als die ersten Sonden vielversprechende Piepstöne aussenden. Auch das Suchgerät von Sebastian John schlägt an. Wenig später buddelt der 34-Jährige einen 400 Jahre alten Schilling aus dem lehmigen Boden. Bis zum Abend werden die Experten 140 Münzen geborgen haben, einen der größten Münzschätze, der jemals in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt wurde.

Monatelang hatte John das Geheimnis gewahrt. Denn schon im Frühjahr dieses Jahres hatte der im Dienste des Landes stehende Hobbyarchäologe auf diesem Acker zufällig etwa 140 Silbermünzen gefunden und sofort das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege informiert. "Um Schatzräuber und Plünderer fernzuhalten, blieb der Fund top secret", sagt John. Erst nach der Ernte rückten professionell ausgebildete Bodendenkmalpfleger mit Bagger und satellitengestützter Messtechnik an, um den Fund komplett zu bergen.

Es handle sich hier um einen ungewöhnlichen Massenfund auf dem platten Land, bestätigt Grabungsleiter Michael Schirren. Vergleichbare Entdeckungen habe es in der Vergangenheit, wenn überhaupt, nur in Städten und Kirchen gegeben. Die 280 Münzen stammten aus dem späten 16. bis frühen 17. Jahrhundert und seien vermutlich in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) vergraben worden. Über den Eigentümer, der sein Geld nicht wieder bergen konnte, könne man nur spekulieren.

Gut erhaltene Taler

Obwohl die Geldstücke jahrhundertelang in der Erde lagen und immer wieder untergepflügt wurden, seien die meisten von ihnen in relativ gutem Zustand, stellt Gerd Sobietzky, ausgewiesener Münzkenner, fest. Besonders die etwa 35 Millimeter großen Taler, geprägt in Stralsund, aber auch in Sachsen, Dänemark und den Niederlanden, seien sehenswerte Exemplare. "Wer auch immer die Münzen versteckte, er muss recht wohlhabend gewesen sein, bedenkt man, dass zum Beispiel ein Maurer um 1680 für einen Taler acht Tage lang hart arbeiten musste". Nach dem spektakulären Fund arabischer Münzen vor zwei Jahren bei Anklam sei dies ohne Zweifel ein weiterer Paukenschlag für die Archäologie.

In dem 230 Einwohner zählenden Dorf Weltzin rätselt man nun über die Herkunft des vergrabenen Schatzes. Egon Schwendtke, der hier seit 1945 lebt und die Geschichte des über 700 Jahre alten Gutsdorfes recherchierte, vermutet einen Zusammenhang mit der nahe gelegenen Burg Klempenow. Die alte Ritterfestung am Fluss Tollense sei über eine alte Heeresstraße von Weltzin aus erreichbar gewesen, sagt Schwendtke. Im Krieg sollen dort die Frauen aus dem Dorf Schutz gefunden haben. Der Schatz könnte einst einem Ritter, dem Gutsherren oder dem Pfarrer gehört haben.

Verborgen waren die Münzen vermutlich in einem Tongefäß. Dessen zerschlagenen Boden fanden die Experten am Samstag mehr als 40 Zentimeter tief im Erdboden. Man gehe davon aus, dass nun der gesamte Schatz geborgen sei, sagt Schirren. Möglich sei dies nur dank der Hilfe ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. "Wir könnten die zahlreichen, immer wieder spektakulären Funde in diesem Flächenland unmöglich ohne die Unterstützung der 300, für Ausgrabungen legitimierten Helfer bewältigen", betont Schirren.

Ralph Sommer, dapd

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.

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