Mecklenburg-Vorpommern Greenpeace blockiert Genkartoffel-Lager

Sie wollen nicht, dass "Amflora" auf den Acker kommt: Greenpeace-Aktivisten haben ein Kartoffellager in Mecklenburg-Vorpommern besetzt, um den bundesweit einzigen Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel zu verhindern. Einige betonierten sich sogar am Boden ein.

Greenpeace-Aktivisten: "Wir wollen erreichen, dass die Kartoffel nicht auf den Acker kommt"
ddp

Greenpeace-Aktivisten: "Wir wollen erreichen, dass die Kartoffel nicht auf den Acker kommt"


Bütow - Etwa 25 Mitglieder der Umweltorganisation Greenpeace haben sich am Montagmorgen vor einem Lagerhaus angekettet und ein Banner mit der Botschaft "EU-Genkartoffel-Depot geschlossen" aufgehängt. In der Halle in Bütow in Mecklenburg-Vorpommern wird die genetisch veränderte Kartoffel "Amflora" gelagert.

"Wir wollen erreichen, dass die Kartoffel nicht auf den Acker kommt", sagte Simone Miller von Greenpeace. Die Aktivisten versperrten ein Tor des Lagers in Bütow, einige von ihnen betonierten sich am Boden fest. Die Polizei sei bislang nicht eingeschritten, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Neubrandenburg.

Bei Bütow, unweit der Autobahn 19 Berlin-Rostock, soll die inzwischen von der EU zugelassene Stärkekartoffel im Auftrag der BASF Plant Science GmbH auf einer Fläche von 20 Hektar angebaut werden. In der Region gibt es seit Jahren den "Amflora"-Versuchsanbau und Proteste dagegen. In der Halle ist nach Angaben von Kartoffelzüchter Karl Heinrich Niehoff die Ernte von 2009 eingelagert, die von BASF zu Stärke verarbeitet werden soll. Neue Pflanzkartoffeln für die Aussaat seien noch nicht da. In dem Depot des Kartoffelzüchters sollen sich 360 Tonnen "Amflora" befinden.

In Deutschland ist die von der BASF entwickelte Kartoffelsorte bereits im Rahmen eines Freilandversuchs in Mecklenburg-Vorpommern angepflanzt worden. Sie soll besonders viel Stärke für den industriellen Einsatz liefern, zum Beispiel für die Papier-, Garn- und Klebstofffertigung. Das Problem aus Sicht der Kritiker: Die genetischen Modifikationen der Pflanze könnten Gefahren für die Natur bergen.

Das Zulassungsverfahren für "Amflora" läuft seit 1996. Vor kurzem hat die EU-Kommission den Anbau der umstrittenen Genkartoffel generell genehmigt - seit Montag, drei Monate nach ihrer Anmeldung im staatlichen Standortregister, darf die Sorte ausgebracht werden.

cib/ddp/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
frank_lloyd_right 12.04.2010
1. Ich glaube persönlich nicht,
daß Genpflanzen ungesund sind - aber sie sind pratisch immer mit Patenten verbunden und irgedwann mässen die Bauern die Saat jededs Jahrvon Monsanto kaufen, weil das Zeug meist genetisch auf "nur einmal keimen" geschaltet und dann steril ist. Eine GeileGierGeschäftsidee aus dem Turbokapitalismus.Aber seit es keine Klimaerwärmung mehr gibt, ist der ja wieder angesagt... Ein Horrorszenario, das bald die ganze Pflanzenwel zum geistigen Eigentum irgendwelcher, meist Amikonzerne macht. Das ist es, was wir verhindern sollten.
soauchnicht, 12.04.2010
2. Hintertür
Man öffnet die Hintertür und will Fakten schaffen. Ganz nebenbei verseucht man genfreie Sorten und ganze Areale und nimmt erhebliche Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung in Kauf. Frau Aigner erweist sich als willfährige Handlangerin von Monsanto.
pulegon 12.04.2010
3. hm
Zitat von frank_lloyd_rightdaß Genpflanzen ungesund sind - aber sie sind pratisch immer mit Patenten verbunden und irgedwann mässen die Bauern die Saat jededs Jahrvon Monsanto kaufen, weil das Zeug meist genetisch auf "nur einmal keimen" geschaltet und dann steril ist. Eine GeileGierGeschäftsidee aus dem Turbokapitalismus.Aber seit es keine Klimaerwärmung mehr gibt, ist der ja wieder angesagt... Ein Horrorszenario, das bald die ganze Pflanzenwel zum geistigen Eigentum irgendwelcher, meist Amikonzerne macht. Das ist es, was wir verhindern sollten.
Auch durch 'normale' Züchtung gewonnene Pflanzen sind Patentgebunden, das nennt sich dann Sortenschutz(vlg Linda (http://de.wikipedia.org/wiki/Linda_%28Kartoffel%29)) Bauern kaufen auch konventionell jedes Jahr neues Saatgut. Amflora wurde von BASF entwickelt, nicht von Monsanto. Soweit mir bekannt, kann man in Europa keine Gene patentieren lassen. Davon ab ist Amflora eine Industriekartoffel und nicht für den Verzehr gedacht. Ja ja irgendwann fällt auch der Klimawandel aus. Dann gibts wieder die dicksten Kartoffeln.
CorvusCornix 12.04.2010
4. ...
Wäre diese Kartoffel durch "normales" Züchten und Kreuzen entstanden, hätte ich wohl wesentlich weniger Bedenken, als bei solchen Pflanzen, wo irgendwelche Gene künstlich an- oder ausgeknipst, ein-, aus- oder umgebaut werden. Von evtl. fälligen Patentgebühren und den möglichen Gefahren wenn's in den Lebensmittelbereich geht etc mal ganz abgesehen, sieht man zB an gentechnisch verändertem Mais in Mittelamerika, daß sich auf wundersame Weise die angeblich "impotenten" Kunstsorten sehr wohl mit den Normalsorten kreuzen können und das häufig zu Lasten der Normalsorten. Was passiert also mit der Ottonormalkartoffel wenn es zu einem Erbgutinformationsaustausch kommt und was hätte das für Folgen? Ich persönlich stehe jedem Freilandanbau sehr skeptisch gegenüber. Wer das unbedingt (anbauen) will, soll sich riesige Gewächshäuser mit entsprechenden Luftreinigungsvorrichtungen hinstellen, aber den Kram nicht freizügig auf die Natur loslassen.
johannes9126 12.04.2010
5. Äh, was?
Zitat von soauchnichtMan öffnet die Hintertür und will Fakten schaffen. Ganz nebenbei verseucht man genfreie Sorten und ganze Areale und nimmt erhebliche Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung in Kauf. Frau Aigner erweist sich als willfährige Handlangerin von Monsanto.
Genfreie Sorten? Die Pflanzen, die ohne Gene auskommen, möchte ich dann doch gerne mal sehen...
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