Medikamentenskandal Verunreinigte Heparin-Präparate in elf Ländern

Kontaminierte Chargen des Gerinnungshemmers Heparin, die in den USA 81 Menschen getötet haben sollen, sind inzwischen in elf Ländern aufgetaucht. Die USA beschuldigen China, doch Peking weist jede Schuld von sich.


Washington - Die Weltkarte auf der Website der US-Arzneimittelbehörde FDA strahlt in genau elf Ländern in signalrot. In diesen Staaten, darunter auch Deutschland, ist nach Erkenntnissen der US-Behörde das verunreinigte Blutverdünnungsmittel Heparin aus China aufgetaucht.

Heparin-Dosis: Rohstoffe von einem "inakzeptablen Verkäufer"
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Heparin-Dosis: Rohstoffe von einem "inakzeptablen Verkäufer"

Nach einem Bericht der "New York Times" haben FDA-Beamte der chinesischen Firma Changzhou SPL, die die US-Firma Baxter mit Heparin beliefert hat, ein Warnschreiben zugeschickt. Darin wird die Firma beschuldigt, verunreinigte Behälter für die Herstellung des Medikaments benutzt zu haben. Außerdem habe das Unternehmen Rohstoffe von einem "inakzeptablen Verkäufer" bezogen und keine Möglichkeit gehabt, diese zu reinigen.

Das Blutverdünnungsmittel aus China steht möglicherweise im Zusammenhang mit 81 Todesfällen allein in den USA. Ein eindeutiger Zusammenhang ist bisher allerdings noch nicht nachgewiesen. FDA-Wissenschaftler hatten in dem Medikament synthetisches Chondroitinsulfat (OCS) nachgewiesen, eine Substanz, die in der Natur nicht vorkommt, sondern künstlich hergestellt wird.

Wie die Verunreinigung in das Heparin gelangen konnte, ist noch unklar. Die chinesischen Behörden wiesen den Vorwurf zurück, das Medikament habe zum Tod von Patienten geführt, räumten jedoch ein, dass das Blutverdünnungsmittel verunreinigt war. Da allergische Reaktionen nur in den USA aufgetaucht seien, müsse das Problem aber in Amerika liegen, sagte ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington.

Das aus Schweinedärmen gewonnene Heparin setzt die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herab. Es wird bei akuter Thrombosegefahr, bei der Dialyse und bei Herzoperationen gegeben. Ende Februar nahm die US-Firma Baxter ihre Heparin-Produkte vom Markt, nachdem der Tod von 19 Patienten mit Heparin-Injektionen in Zusammenhang gebracht worden war. Auch in Deutschland wurden Heparin-Produkte wegen des dringenden Verdachts von Verunreinigungen zurückgerufen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stammten die Wirkstoffe ebenfalls aus China. Auch Japan nahm entsprechende Medikamente vom Markt. Außer diesen Ländern sollen auch Australien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Italien, die Niederlande, Neuseeland und China selbst mit verunreinigtem Heparin beliefert worden sein.

chs/AFP/dpa



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