Medizin Gewebegesetz wird überarbeitet

In der Debatte um das umstrittene Gewebegesetz hat die Bundesregierung eingelenkt. Nach heftiger Kritik von Experten hat das Gesundheitsministerium den Gesetzentwurf zurückgezogen und will ihn nun überarbeiten.


Berlin - Zahlreiche Einwände und teils harsche Kritik von Medizinern haben offenbar Wirkung gezeigt: Das Gesundheitsministerium will das geplante Gewebegesetz nochmals überarbeiten. Eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen werde in den kommenden Wochen diskutiert und eingearbeitet, sagte ein Ministeriumssprecher am heutigen Mittwoch in Berlin.

Das Gesetz soll die Transplantation und Verwendung von menschlichem Gewebe sicherer und transparenter machen. Der Entwurf war jedoch bei Ärzten, Verbänden und Krankenkassen sowie bei einer öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss Anfang März auf massive Bedenken gestoßen. Ein Hauptkritikpunkt betrifft das Vorhaben der Regierung, sämtliche Gewebe im Arzneimittelgesetz zu regeln.

Damit, so die Befürchtung vieler Verbände, könnten Gewebe zu einem kommerziellen Gut werden. Betroffen davon wären auch Einzelteile von Organen wie etwa Herzklappen. Eine mögliche Folge wäre nach Meinung der Kritiker, dass Organe künftig öfter in Teilen verkauft und seltener komplett verpflanzt werden. Sie verlangen, der Organspende und -transplantation gesetzlich Vorrang vor der Entnahme einzelner Organteile und Gewebe einzuräumen.

Das Gesetz soll nach Angaben des Ministeriums nun im Mai in der verbesserten Version vorliegen. Es soll eine EU-Richtlinie von 2004 in nationales Recht umsetzen.

mbe/AP



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