Medizin-Nobelpreis: Ehrung geht an Zelltod-Forscher

Den Medizin-Nobelpreis erhalten in diesem Jahr zwei Briten und ein Amerikaner. Mit Hilfe eines Fadenwurms entschlüsselte das Trio den programmierten Selbstmord von Körperzellen.

Einer von drei Preisträgern: Der britische Genforscher Sulston
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Einer von drei Preisträgern: Der britische Genforscher Sulston

Das Preisgeld der höchsten Medizin-Auszeichnung - rund 1,1 Millionen Euro - teilen sich in diesem Jahr die Briten Sydney Brenner und John Sulston mit ihrem US-Kollegen Robert Horvitz. Die drei Forscher wurden für ihre Entdeckungen auf dem Gebiet der "genetischen Regulierung der Organentwicklung und des programmierten Zellsterbens" geehrt, wie das für die Verleihung des Medizin-Nobelpreises zuständige Karolinska Institut am Montag in Stockholm bekannt gab.

Der programmierte Zelltod, die so genannte Apoptose, ist ein genetisch angelegter Mechanismus zur Abtötung von Zellen und läuft bei Menschen, Tieren und Pflanzen gleichermaßen ab. Der lebenswichtige Zell-Selbstmord hilft unter anderem bei der Herausbildung von Fingern beim Embryo und bei der Entsorgung von kranken oder alten Zellen.

Fadenwurm C. elegans: Modelltier für die Erforschung des Zellsterbens
DPA

Fadenwurm C. elegans: Modelltier für die Erforschung des Zellsterbens

Den Grundstein für die jetzt ausgezeichneten Forschungen hatte der in Südafrika geborene Brite Brenner gelegt, indem er in den siebziger Jahren den nur einen Millimeter langen Fadenwurm Caenorhabditis elegans als Modellorganismus für die Untersuchung der Genfunktionen etablierte. Der 75-jährige Wissenschaftler arbeitet heute am kalifornischen Molecular Science Institute in den USA.

Sein Kollege Sulston, 60, hatte auf dieser Basis die Zellentwicklung beim Fadenwurm von der befruchteten Eizelle bis zum erwachsenen Organismus untersucht. Dabei entdeckte er unter anderem, dass bestimmte Zellen von vornherein zum frühen Selbstmord verurteilt sind. Sulston, der beim Wellcome Trust im britischen Cambridge forscht, konnte einen "Zellstammbaum" aufstellen, mit dem sich Teilungen und Reife der Fadenwurm-Zellen verfolgen lassen.

Der 55-jährige Amerikaner Horvitz schließlich identifizierte und charakterisierte die Gene, die das programmierte Zellsterben bei Caenorhabditis elegans steuern. Er wies nach, wie diese Erbmerkmale im Absterbeprozess zusammenarbeiten, und zeigte, dass es entsprechende Gene auch beim Menschen gibt. Horvitz forscht am Massachusetts Institute of Technology im US-amerikanischen Cambridge.

Im vergangenen Jahr hatten ebenfalls zwei Briten und ein US-Forscher den Medizin-Nobelpreis erhalten, und zwar für Erkenntnisse über die Zellteilung. Der Amerikaner Leland Hartwell sowie die Briten Timothy Hunt und Paul Nurse hatten mit ihren Erkenntnissen auch Grundlagen für die Erforschung von Tumoren gelegt, da bei Krebs die Zellteilung krankhaft verändert ist.

Die Bekanntgabe der Medizin-Preisträger ist der Auftakt der diesjährigen Nobelpreisverleihungen. Am Dienstag werden die Preisträger für Physik und am Mittwoch die für Chemie und Wirtschaft bekannt gegeben. Am Freitag wird der Name des Friedens-Nobelpreisträgers veröffentlicht, für die Ernennung des Literatur-Preisträgers steht traditionell kein Termin fest. Alle Nobelpreise mit Ausnahme desjenigen für Wirtschaft wurden erstmals am 10. Dezember 1901, dem fünften Todestag des Stifters Alfred Nobel, verliehen.

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