Medizin-Nobelpreis Jäger der ewigen Jugend

Sie fanden ein Enzym, das die Alterung reguliert - und beim Entstehen von Krebs eine Schlüsselrolle spielt. Zwei US-Forscherinnen und ein Kollege wurden jetzt für ihre Entdeckung mit dem Nobelpreis geehrt. Pharma- und Anti-Aging-Industrie setzen große Hoffnung auf die Erforschung der Telomerase.

dpa / EPA / BLACKBURN LAB / HO

Von Cinthia Briseño


Als das "Time Magazine" vor zwei Jahren Elizabeth Blackburn in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt aufnahm, vermied es die Wissenschaftlerin, einen Fehler der Redakteure korrigieren zu lassen. In dem Artikel wurde ihr Alter mit 44 angegeben. In Wahrheit war die Wissenschaftlerin schon 58.

Seither wurde der Fehler nicht korrigiert. Auch eine Art des Jungbrunnens.

Dabei ist Blackburn, die am Montag zusammen mit den US-Forschern Carol Greider und Jack Szostak mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet worden ist, dem Geheimnis der ewigen Jugend dicht auf der Spur. Seit mehr als 30 Jahren untersucht die australisch-amerikanische Wissenschaftlerin das Altern und dessen biochemische Prozesse in der Zelle. Den Nobelpreis teilt sie sich mit ihren Kollegen für die Entdeckung eines lebensnotwendigen Enzyms, dem beim Altern eine wichtige Funktion zugeschrieben wird: Telomerase.

Schon zu Beginn der siebziger Jahre standen die Genetiker vor einem grundlegenden Problem: Eine Zelle muss vor jeder Teilung ihr Erbgut akkurat kopieren. Nur so erhält jede Tochterzelle das vollständige genetische Material, andernfalls drohen Fehlfunktionen oder gar der Untergang der Zelle. Doch schon James D. Watson, ebenfalls Nobelpreisträger und Mitentdecker der Doppelhelix-Struktur der DNA, wusste, dass es beim Kopieren der Erbsubstanz Stolpersteine gibt. Die Enzyme, die DNA herstellen können und die man bis dahin kannte, sind nicht in der Lage, die Enden der Chromosomen exakt und vollständig zu vervielfältigen. Somit müsste bei jeder Zellteilung ein Teil der Chromosomenenden, der sogenannten Telomere, unweigerlich schwinden und schließlich auch kritische Erbsubstanz verlorengehen. Dieses Problem nannten die Wissenschaftler das "Endreplikationsproblem".

Die Suche nach der Telomerase

Blackburn, die seinerzeit in Berkley an der University of California war, hatte gemeinsam mit dem Kollegen Jack Szostak von der Harvard University eine eigene Theorie für dieses Problem. Ihre Annahme war, es müsse einen Mechanismus geben, der diesem Verschwinden der Chromosomenenden entgegenarbeitet. Schon bald darauf fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Telomere im Zuge von Zellteilungen tatsächlich schrumpfen. Doch durch Anhängen einzelner DNA-Bausteine werden sie auch wieder verlängert.

Für diesen Prozess musste es ein Enzym geben, dessen waren sich die Forscher einig. Und tatsächlich gelang es Blackburn, ihrer Doktorandin Carol Greider sowie Jack Szostak Anfang der achtziger Jahre dessen Existenz in einem Reagenzglastest zu belegen. "Das waren ganz entscheidende Experimente, die Szostak und Blackburn 1982 zusammen durchgeführt haben. Sie waren sehr originell, geradezu frech", begründet der schwedische Medizinprofessor Nils-Göran Larsson vom Karolinska-Institut in Stockholm, einer der Juroren zur Verleihung des Medizin-Nobelpreises, die Entscheidung für die Verleihung des Preises. In den darauffolgenden Jahren wiesen sie und andere Arbeitsgruppen die Telomerase erst in einzelligen Organismen, später auch in Hefepilzen, Fröschen und Mäusen nach. Bald sollte der Wissenschaft klar werden, dass praktisch alle Organismen, darunter auch der Mensch, die Zellen mit Kernen haben, Telomerase produzieren. Zwar unterscheidet sich das Enzym in Details von Art zu Art, im Grunde funktioniert es aber immer nach dem gleichen Prinzip.

Dank der grundlegenden Forschungen von Blackburn, Greider und Szostak weiß man heute, dass die Länge der Telomere und das Altern einer Zelle zusammenhängen. Wenn sich die Telomere verkürzen, altert die Zelle. Dieser Vorgang passiert in den meisten normalen ausgewachsenen menschlichen Zellen. Dort ist die Telomerase meistens nicht mehr oder nur kaum aktiv und die Zahl der Vermehrungszyklen dadurch beschränkt. Für viele Forscher begann mit dieser Erkenntnis die Jagd nach dem ewigen Jungbrunnen. Die Idee: Man müsste in den Zellen die Aktivität der Telomerase nur wieder einschalten und schon könnten sie sich wieder unbegrenzt teilen. Die Anti-Aging-Medizin sieht hier einen Ansatzpunkt zur Steigerung der Lebenserwartung.

Telomerase spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Krebs

Doch dass Zellen ohne aktive Telomerase an Teilungsfähigkeit einbüßen, ist nicht zwangsläufig ein Makel. Vielmehr verhindert die Deaktivierung von Telomerase mitunter den Ausbruch vor Krebs. In den vergangenen Jahren wurden in einer Reihe von Untersuchungen gezeigt, dass Telomerase in vielen Krebszellen besonders aktiv ist. Krebszellen teilen sich unkontrolliert, weshalb es zu Wucherungen im Gewebe kommen kann. Deshalb ist eine Krebszelle besonders daran interessiert, sich unbegrenzt teilen zu können. Das geht nur mit stabilen Telomeren, die mit Hilfe von Telomerase ständig wieder aufgefüllt werden.

Diese Erkenntnis hat zu einer Reihe von Ansätzen für die Therapie von Krebs geführt. Forscher und Pharmaindustrie hoffen, mit neuen Wirkstoffen die Telomerase-Aktivität in Tumorzellen zu vermindern. Dann wäre der schützende Mechanismus außer Kraft gesetzt, die Krebszelle würde genau wie eine normale Körperzelle altern und nach einer bestimmten Anzahl an Zellteilungen sterben. Dieses Ziel verfolgt beispielsweise die kalifornische Firma Geron. Sie hat einen Telomerase-Inhibitor entwickelt, der derzeit in einer Reihe von klinischen Studien untersucht wird. Doch Ergebnisse, die eine Wirksamkeit solcher Substanzen bei Krebserkrankungen belegen würden, gibt es noch nicht.

Doch bis aus den Forschungsarbeiten der drei Nobelpreisträger nützliche Medikamente für Krebskranke entstanden sind, wird es noch eine Weile dauern. "Die Entdeckung wird sehr, sehr viele Konsequenzen für die Medizin haben. Aber wann, das kann man nicht sagen. Bei ähnlichen Nobelpreisen in der Vergangenheit dauerte es 30 Jahre", sagt der Juror Nils-Göran Larsson.

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Jan B. 05.10.2009
1.
Sorry liebe Spiegel-Redaktion, aber die Frage nach dem ewigen Leben hätte ich jetzt eher der BILD-Zeitung zugesprochen. Nur weil diese drei Wissenschaftler die Enzyme erforscht haben, heißt das noch lange nicht, dass eine ewige Jugend möglich ist. Und man stelle sich die Folgen für den Arbeitsmarkt vor. Schönheitskliniken müssten schließen, weil es keine Frauen und Männer mehr gäbe, die sich künstlich jung halten müssen. Tausende Forscher im bereich von Anti-Aging-Crems und Haarfärbemitteln wären mit einmal ohne Beschäftigung. Nein....das darf nicht zugelassen werden. daher forder ich eindringlich für alle das Recht zu altern.
realredfox, 05.10.2009
2. Ewige Jugend?
Solange die nicht rausfinden, wie man die Renten finanziert und die Ernährungsprobleme, die aus einer Überbevölkerung der Erde resultieren, können die sich ihre Forschung nach der "ewigen Jugend" in die Haare schmieren. Lieber mal erforschen wie man gesund normal alt wird und dann irgendwann mal im Schlaf sterben kann, anstatt die Lebenszeit noch weiter künstlich zu strecken.
marypastor 05.10.2009
3. Jugend
Zitat von realredfoxSolange die nicht rausfinden, wie man die Renten finanziert und die Ernährungsprobleme, die aus einer Überbevölkerung der Erde resultieren, können die sich ihre Forschung nach der "ewigen Jugend" in die Haare schmieren. Lieber mal erforschen wie man gesund normal alt wird und dann irgendwann mal im Schlaf sterben kann, anstatt die Lebenszeit noch weiter künstlich zu strecken.
So ist es. Wer will den ewig jung sein ohne Wasser, mit leer gefischten Meeren, ohne Waelder, mit ausgetrockneten Fluessen, chaotischen Innenstaedten, Jugendgewalt, Terroristen. Aber die "Forscher", damit sie forschen, kriegen viel Geld vom Staat. Also egal. Irgendwas muessen sie machen, sonst gibt's naechstes Jahr kein Geld mehr und der Job ist weg.
GM64 05.10.2009
4. Ja, ja di Medizin sucht nach Dingen die die Logik verneinen
Die Zeit ist ein Maß der Veränderung. D.h. wenn der Vorher Zustand sich von dem Nachher Zustand unterscheidet, dann ist Zeit verstrichen. Schon der alte Augustin hat das verstanden. D. h. der Mensch muss sich verändern langsamer oder schneller. Aber welchen Sinn, soll es haben ewig alt zu werden. Dann müssen alle ewig Alt werden, weil wenn man nur alleine das Vergnügen hat, dann muss man den Tod vieler lieber Menschen verkraften. Das ist auch nicht schön. Aber es haben nur Wenige Platz auf diese schönen Erde, also muss man weichen. Die Materie die einen ausmacht, bleibt ja ewig, die bildet dann einen Teil eines Baumes, oder einen Wurmes. Da es nur endlich viele Gene gibt, wird es eines Tages einen Klon von einem wieder geben, wenn wir die Welt nicht zerstören. Und der Geist kommt zu Gott und lebt da ewig. Aber auch die Ideen die man hatte leben in anderen Menschen weiter, wenn man sozial war und sich den Anderen mitgeteilt hat. Wenn es nun ein Mittel des ewigen Materiellen Lebens gäbe, dann wäre der Teufel los, weil sich die Leute erschlagen würden, weil das Boot Erde zu voll werden würde. Wenn man bedenkt, dass manche schon freiwillig aus dem Leben scheiden, dann könnte das ewige Leben auch zum Fluch werden. Z.B. ewig in einer Tretmühle arbeiten oder so. Also ich finde die Forschung als eher faustisch.
Montanabear 16.10.2009
5. Auf der Suche nach der ewigen Jugend
Zitat von marypastorSo ist es. Wer will den ewig jung sein ohne Wasser, mit leer gefischten Meeren, ohne Waelder, mit ausgetrockneten Fluessen, chaotischen Innenstaedten, Jugendgewalt, Terroristen. Aber die "Forscher", damit sie forschen, kriegen viel Geld vom Staat. Also egal. Irgendwas muessen sie machen, sonst gibt's naechstes Jahr kein Geld mehr und der Job ist weg.
Bitte,nichts gegen die Forscher. Diese Enzyme werden sicherlich einmal vielen Menschen helfen, Krankheiten besser zu überstehen und später mit Würde aus dieser Welt zu gehen. Ohne Forschung stürben Frauen noch an Kindbettfieber, gäbe es kein Mittel gegen Malaria, die Pocken, keine pasteurisierte Milch, die Pest, etc.etc. Und wenn Ihre Welt soschrecklich aussieht, wie Sie schildern, dann sollten Sie mal eine Weile in die nordamerikanischen/kanadischen Wälder ziehen. Trotz aller Unkenrufe ist die Naturdort noch sehr ursprünglich und - labend !
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