Medizinprodukte EU-Parlament fordert schärfere Regeln

Riskante Medizinprodukte sollen künftig in Europa besser überwacht werden. Das Europaparlament hat angekündigt, die Kontrollen für Brust- und Hüftimplantate zu intensivieren. Damit sollen Affären wie der PIP-Skandal vermieden werden.

Silikonkissen: Patienten mit Implantaten sollen besser auffindbar sein
REUTERS

Silikonkissen: Patienten mit Implantaten sollen besser auffindbar sein


Brüssel - Als Folge aus dem Skandal um fehlerhafte Brustimplantate will das Europaparlament die Regeln für die Zulassung von Medizinprodukten verschärfen. Die Volksvertreter stimmten am Mittwoch in Brüssel für striktere Kontrollen und eine bessere Rückverfolgbarkeit. Mit diesen Forderungen wird das Parlament Verhandlungen mit den EU-Staaten über die neue Gesetzgebung aufnehmen. Beide Seiten müssen sich einigen.

Die Parlamentarier fordern unter anderem Extra-Kontrollen für Hochrisikoprodukte wie Brust- oder Hüftimplantate, die im menschlichen Körper verbleiben. Zu weniger riskanten Medizinprodukten gehören zum Beispiel Pflaster oder Blutdruckmessgeräte. Patienten mit Implantaten sollten zudem Papiere erhalten, mit denen sie leichter auffindbar sind, falls Produkte sich im Nachhinein als problematisch erweisen.

Dies hätte zum Beispiel Opfern in der Affäre um Produkte des französischen Herstellers PIP helfen können. Dieser hatte jahrelang Brustimplantate aus billigem Industriesilikon verkauft. Allein in Deutschland wurden schätzungsweise mehr als 5000 Frauen PIP-Implantate aus dem nicht für Medizinprodukte zugelassenem Silikon eingesetzt, weltweit waren Hunderttausende betroffen.

Fotostrecke

6  Bilder
PIP-Skandal: Prozess wegen billiger Brustimplantate

che/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sunsan 03.04.2014
1. Als ehemaliger Mitarbeiter
der Medizinprodukteindustrie kann ich diesen Erlass begrüssen. Andererseits wird das unaufhaltsame Streben nach Gewinn in der Medizin auch diesen Vorstoss einholen. Es werden zunehmend riskiobehaftete, qualitativ minderwertige und gebrauchsuntaugliche Produkte den Markt überschwemmen. Die Ursache ist, dass Banker und Betriebswirtschaftler an der Spitze von Krankenhäusern, pharmazeutischen Unternehmen und Medizingeräteherstellern sitzen und unsere Gesundheit für Geld verkaufen. Am besten ist es immer noch, Medizinern, Krankenhäusern und Praxen nie zu vertrauen und und diese Einrichtungen nur in äussersten Notfällen und zur essentiellen Vorsorge aufzusuchen.
wpstier 03.04.2014
2. Wenn die EU lauthals etwas ankündigt, ..
.. dann kommt eine Mogelpackung gegen!n den Verbraucher! Der Wähler lernt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.