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Mehr als 1500 Jahre alt: Römische Glasperlen in Japan entdeckt

Drei kleine Glasperlen begeistern Archäologen in Japan. Die gelblichen Schmucksteine wurden in einem Grab aus dem fünften Jahrhundert gefunden - und sollen aus dem Römischen Reich stammen. Das könnte ein Beleg für bisher unbekannte Kontakte zwischen Europa und Asien sein.

Gläsernes Fundstück: Beleg für japanische Kontakte ins Römische Reich? Zur Großansicht
AFP/ NARA National Research Institute for Cultural Properties

Gläsernes Fundstück: Beleg für japanische Kontakte ins Römische Reich?

Berlin - Von mittelalterlichen Asienreisen der venezianischen Händlerfamilie Polo hat der eine oder andere wohl schon gehört - auch wenn der endgültige Beweis für den Pioniergeist des Marco Polo noch ausstehen mag. Besonders gebildete Menschen kennen vielleicht sogar religiöse Fernreisende wie Johannes de Plano Carpini oder Wilhelm von Rubruk, die sich im 13. Jahrhundert von Europa auf den Weg in den Fernen Osten machten. Doch die Funde, die japanische Archäologen in einer Grabstätte in Nagaoka bei Kyoto gemacht haben, scheinen von weit früheren Verbindungen zwischen beiden Kontinenten zu zeugen.

Dabei sind die gelblichen Glasobjekte, die Archäologen auf solche spektakulären Handelsbeziehungen schließen lassen, gerade ein paar Millimeter groß. Nach einem Bericht des staatlichen Nara National Research Institute for Cultural Properties geht es um drei Glasperlen, die angeblich von Handwerkern im Römischen Reich geschaffen wurden. Sie seien in einem japanischen Grab aus dem fünften Jahrhundert entdeckt worden - ein Anzeichen, dass sich der Einfluss des Römischen Reiches zu dieser Zeit bis weit nach Asien erstreckt haben könnte.

Gerade abgeschlossene Tests hätten ergeben, dass die drei Glasperlen aus dem Utsukushi-Grabhügel vermutlich zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert nach Christus hergestellt wurden, so das Forschungsinstitut. Die Wissenschaftler hätten in den fünf Millimeter kleinen gelblichen Perlen Spuren von Natron gefunden, wie er im Römischen Reich zur Glasherstellung genutzt wurde. Angefertigt wurden die Perlen in einer ausgefeilten Schicht-Technik.

Die gläsernen Fundstücke gehörten zu den ältesten mit dieser Technik fabrizierten Glasgegenständen in Japan, erklärte Forscherin Tomomi Tamura vom Nara National Research Institute. Jetzt will sie zusammen mit ihren Kollegen herausfinden, auf welchem Weg die Perlen die 10.000 Kilometer von Zentrum des Römischen Imperiums nach Japan gekommen sein könnten. Denn zu dieser Frage tappen die Forscher bisher noch vollkommen im Dunklen.

chs/AFP

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