Melania Trump Physiker berechnet Wahrscheinlichkeit, dass Rede kein Plagiat war

Hat Melania Trump in ihrer Rede bei Michelle Obama unabsichtlich abgekupfert? Ein Physiker hat nun die Wahrscheinlichkeit dafür kalkuliert. So viel ist sicher: Die Chance auf einen Lottogewinn wäre höher.

Melania Trump bei Rede auf Republikaner-Parteitag
AP

Melania Trump bei Rede auf Republikaner-Parteitag


Jeder Mensch ist ein Dichter - theoretisch. Wir können Wörter, die uns zufällig in den Sinn kommen, einfach aneinander reihen. Und das Ergebnis könnte ein Shakespeare-Gedicht sein. Oder zumindest eine bekannte Zeile daraus wie "Sein oder Nichtsein - das ist hier die Frage".

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass wir zufällig genau einen Satz bilden, den Shakespeare einst niederschrieb. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es passiert. Und mit etwas Mathematik lässt sich sogar berechnen, wie groß die Chancen dafür sind.

Robert Rutledge, ein Physiker von der McGill University in Montreal, hat nun kalkuliert, mit welcher Wahrscheinlichkeit Melania Trumps Rede auf dem Republikaner-Parteitag in Cleveland kein Plagiat war. Also wie hoch die Chancen sind, dass die Frau des Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zufällig nahezu wortgleich das sagte, was Michelle Obama bereits 2008 in einer Ansprache formuliert hatte.

Im Video: Melanias Obama-Rede

AFP/ AP

"do what you say"

Für viele Beobachter handelt es sich um ein glasklares Plagiat. Aber könnte es nicht auch ein dummer Zufall gewesen sein? So wie beim Shakespeare-Bonmot, dass uns zufällig in den Sinn kommt, ohne es gekannt zu haben? Schließlich ging es in beiden Reden ja um ähnliche Themen, da können ja auch ähnliche Sätze entstehen.

Rutledge, der sich sonst für Neutronensterne und Schwarze Löcher interessiert, hat sich die Reden von Trump und Obama genauer angeschaut und dabei insgesamt 14 Wörter und Wortgruppen identifiziert, die beide Frauen wortgleich und in derselben Reihenfolge benutzt haben.

Dies sind:

"values", "work hard", "for what you want in life", "word is your bond", "do what you say", "treat people with ... respect", "pass ... on to many generations", "Because we want our children", "in this nation", "to know", "the only limit", "your achievements", "your dreams", "willingness to work for them"

Diese 14 Wörter beziehungsweise Wortgruppen könnten so in vergleichbaren Reden zu ähnlichen Anlässen immer wieder auftauchen, schreibt Rutledge auf seiner Facebookseite. Ihre bloße Verwendung müsste dann nicht zwingend auf ein Plagiat hindeuten.

Kombinatorisches Problem

Doch der Physiker fragt sich: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Melania Trump die Formulierungen in exakt derselben Reihenfolge verwendet wie Michelle Obama?

An dieser Stelle kommt die Kombinatorik ins Spiel. Wie viele Varianten existieren, 14 verschiedene Wörter oder Wortgruppen hintereinander zu reihen, wobei dazwischen noch weitere Wörter erlaubt sind?

Ganz vorn existieren 14 Möglichkeiten, an Position zwei sind es 13, dann 12, 11, 10 und so weiter. Will man die Möglichkeiten berechnen, muss man diese Zahlen miteinander multiplizieren und erhält:

14*13*12*11* ... *2*1

Mathematiker schreiben dieses Produkt auch als 14!, wobei das Ausrufezeichen "Fakultät" bedeutet. Mit der Formel n! berechnet man die Anzahl der verschiedenen möglichen Anordnungen oder Permutationen von n verschiedenen Objekten.

Eins zu 87 Milliarden

Die Rede von Melania Trump ist eine von 14! = 87.178.291.200 Möglichkeiten, die 14 Formulierungen anzuordnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Trump-Ehefrau zufällig genau dieselbe Reihenfolge gewählt hat wie Michelle Obama ist deshalb rund 1/87 Milliarden - eine sehr kleine Zahl.

Die Chance, beim Lotto mit einer Ziehung von 6 aus 49 zu gewinnen, sei Tausende Mal größer, schreibt Rutledge. Seine Argumentation ist natürlich nicht ganz wasserdicht. Schließlich lässt sich nicht jeder der 14 Formulierungen hinter jede andere ähnlich gut setzen. Aber die Kalkulation verdeutlicht zumindest, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Plagiat handelt.

hda

insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Overseasreader 20.07.2016
1. Robert Rutledge
sollte sich weiterhin besser fuer das Weltall interessieren als solch eine nichtssagende Hypothese aufzustellen. Wenn man Michelle Obama's Redeausschnitt mit dem von Trump's Ehefrau vergleicht, die Wort fuer Wort das selbe sind, passt Herrn Rutlege's These nur in den Muelleimer.
Quersteiger 20.07.2016
2. Gene
Kombinatorik. Ganz genau. Nun übertragen wir das mal auf die Wahrscheinlichkeit der Entstehung des ersten, sich selbst reproduzierenden Moleküls aus einer beliebigen Ansammlung von Aminosäuren..... Unmöglich - egal in welchem Zeitraum.
Hyacinth 20.07.2016
3. So ein Humbug!
Der Mann wäre glatt geeignet, etliche deutsche Politiker von Plagiatsvorwürfen freizusprechen ;)
wizzbyte 20.07.2016
4. Empörungsgetue
Solange Frau Obama sich nicht dazu äußert, - was sie wahrscheinlich nicht tun wird - ist das eher eine Verneigung und ein sicheres Zeichen, dass zumindest die Berater der Trumps wissen, was die USA an Frau Obama hatten.
hoppla_h 20.07.2016
5. Statistik, Kombinatorik, ...
Der Artikel ist für mathematisch interessierte Leser interessant. 'Echte' Mathematiker können sich sicher nur die Hände vor die Stirn klatschen und stöhnen: *"Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!"* Mit gesundem Menschenverstand ist klar erkennbar, dass sich Ms. Trump sich von Ms. Obama 'inspirieren' liess. Hier in D ist diese COPY&PASTE-Kultur auch bekannt!!!
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