Mensch und Affe Forscher könnten "Missing Link" gefunden haben

Das fehlende Teil der Kette ist möglicherweise gefunden. Spanische Forscher haben bei Barcelona das Skelett eines Wesens entdeckt, bei dem es sich um das lange gesuchte evolutionäre Verbindungsglied zwischen Affe und Mensch handeln könnte.


Rekonstruktion des Gesichts von Pierolapithecus catalaunicus: Bindeglied zwischen Affe und Mensch?
Meike Köhler

Rekonstruktion des Gesichts von Pierolapithecus catalaunicus: Bindeglied zwischen Affe und Mensch?

Spanische Forscher haben den letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffen entdeckt - oder zumindest einen nahen Verwandten dieses Urahns. In der Nähe von Barcelona haben sie das Fossil eines Lebewesens ausgegraben, das dem Menschen im Knochenbau ähnlicher zu sein scheint als den heutigen Affen.

Das Team um Salvador Moyà-Solà und Meike Köhler von der Escola Industrial in Barcelona hat bislang 83 Knochenteile des etwa 13 Millionen Jahre alten Skeletts zusammengefügt. Das Ergebnis deutet auf einen erwachsenen männlichen Affen von rund 35 Kilogramm hin, schreiben die Forscher im US-Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 306, S. 1339). Der Struktur des Brustkorbs und der Schulterblätter zufolge handelte es sich um einen flinken und geschickten Kletterer, dessen Gang weitaus aufrechter war als der eines Schimpansen.

Fossil aus der Zeit der Trennung

Vor etwa 16 bis 11 Millionen Jahren kam es zur Trennung zweier Entwicklungslinien: auf der einen Seite die Menschen und Menschenaffen, zu denen heute Orang-Utans, Schimpansen und Gorillas gehören, auf der anderen Seite die "niederen" Affen wie Gibbons. Der nach seinem Fundort benannte Pierolapithecus catalaunicus könnte der erste Vertreter der Menschenaffen gewesen sein.

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Menschenaffen: Der katalanische Urahn

Paläontologin Köhler vermied es allerdings bewusst, vom lange gesuchten Verbindungsglied zwischen Affen und Menschen, dem viel zitierten "Missing Link", zu sprechen. Dieser Begriff sei schon viel zu oft überstrapaziert worden. Es handele sich bei dem Fund jedoch mit größter Wahrscheinlichkeit um einen sehr engen Verwandten des Urahns - was wiederum nicht bedeuten müsse, dass er der einzige gemeinsame Vorfahr gewesen sei.

Gefahr für die Out-of-Africa-These?

Pierolapithecus catalaunicus ist auch noch unter anderen Aspekten hochinteressant: Sollte es sich tatsächlich um einen Vorfahren des Menschen handeln, so würde dies die alte Theorie in Frage stellen, der zufolge die Menschheit ausschließlich in Afrika ihren Ursprung hat. Moyà-Solà versuchte, dieser Kontroverse auszuweichen: Das Lebewesen sei vermutlich von Afrika nach Europa eingewandert, spekulierte er. Für eine endgültige These seien noch viel zu wenige Fossilien gefunden worden.

Pierolapithecus catalaunicus (Zeichnung): So groß wie ein Schimpanse, aber aufrechter im Gang
AAAS / Science / Illustration by Todd Marshall

Pierolapithecus catalaunicus (Zeichnung): So groß wie ein Schimpanse, aber aufrechter im Gang

"Die Bedeutung des neuen Fossils liegt darin, dass es als erstes die wichtigen Merkmale moderner Primaten gut erhalten aufzeigt", sagte Moyà-Solà. Der Brustkorb von Pierolapithecus catalaunicus ist weiter und flacher als der aller anderen Affen vor ihm. Er hat relativ kurze und steife Lendenwirbel, gerade Schulterblätter und ein flexibleres Handgelenk. Zusammen genommen schenkten ihm diese Merkmale den aufrechten Gang und die Fähigkeit, auf Bäume zu klettern.

Der Schädel rückt das spanische Fossil näher an den Menschen und andere Primaten. Sein Gesicht war vergleichsweise kurz und hatte die Nasenwurzel auf gleicher Ebene mit den Augen. Andere Merkmale wie die abgeschrägte Gesichtsform sowie kurze Finger und Zehen dagegen waren eher primitiv und sind heute nur noch für Gibbons und andere, dem Menschen weniger ähnliche Affen typisch.

David Strait, Paläontologe an der University of Albany im US-Staat New York, äußerte sich skeptisch zu dem Fund. Es sei sehr schwer, von den Knochen eines Fossils Verwandtschaften abzuleiten, gab er zu bedenken. Clarke Howell von der renommierten Berkeley University in Kalifornien ist indessen begeistert von der Entdeckung. Sie zeige, dass es vor 13 Millionen Jahren offenbar eine große Vielfalt menschenähnlicher Lebewesen gegeben habe - auch im heutigen Europa.



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