Menschheitsgeschichte: Erste Köche lebten vor zwei Millionen Jahren

Wann kamen die Vorfahren des Menschen erstmals auf die Idee, Speisen zu kochen? Forscher vermuten jetzt, dass schon zur Zeit des Homo erectus Essen über dem Feuer brutzelte - darauf deuten die Backenzähne der Frühmenschen hin.

Homo-erectus-Skelett: Kleine Backenzähne deuten auf Nahrungserhitzung hin Zur Großansicht
dpa/dpaweb

Homo-erectus-Skelett: Kleine Backenzähne deuten auf Nahrungserhitzung hin

Hamburg - Die ersten Köche der Menschheitsgeschichte bereiteten wohl schon vor 1,9 Millionen Jahren warme Speisen zu. Das schließen Forscher aus der Form der Backenzähne des Homo erectus - sie waren deutlich kleiner als bei anderen Primaten. Demnach müsste der Frühmensch bereits zum Teil weiche und zubereitete Speisen gegessen haben, anstatt nur rohe Nahrung zu sich zu nehmen.

Die Backenzahn-Größe von Homo erectus, dem Neandertaler und Homo sapiens lasse sich nicht mit der evolutionären Entwicklung des Kiefers und der Körpergröße insgesamt erklären, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die ersten menschlichen Köche gehörten demnach wohl zu den noch früher lebenden Homininen-Arten Homo rudolfensis oder Homo habilis.

Neben kleineren Backenzähnen weise auch ein geringes Darmvolumen darauf hin, dass Homo erectus Speisen zubereitet habe, schreiben Chris Organ von der Harvard University in Boston und seine Kollegen. Die Backenzähne, auch Molaren genannt, funktionieren wie Mühlsteine und zermahlen die Nahrung zu verdaulichen Stücken. Durch das Zubereiten der Nahrung mit Werkzeugen und Hitze werden die Lebensmittel weicher und damit leichter essbar. Kleinere Backenzähne seien die Folge, so die Wissenschaftler.

Wäre der Mensch ein gewöhnlicher Primat, müsste er nach Ansicht der Forscher fast die Hälfte des Tages (48 Prozent) mit Essen verbringen. Schimpansen etwa verbringen rund 37 Prozent ihrer Tage mit der Nahrungsaufnahme; beim vegetarisch lebenden Frühmenschen Paranthropus waren es neuen Untersuchungen zufolge rund 43 Prozent. Homo erectus und der Neandertaler brauchten nach Meinung der Forscher nur 6,1 beziehungsweise sieben Prozent des Tages zum Essen, der moderne Mensch bringe im Schnitt lediglich 4,7 Prozent seiner wachen Zeit mit der Nahrungsaufnahme zu.

Um herauszufinden, wann die Entwicklung zu einem kürzeren Essen im Laufe der Menschheitsgeschichte eingesetzt hat, verglichen die Wissenschaftler Zahndaten, Körpergewicht und Erbgut von nicht-menschlichen Primaten, 14 ausgestorbenen Hominiden und dem modernen Menschen miteinander. Die Entwicklung des Kochens gilt als entscheidender evolutionärer Vorteil.

wbr/dpa/AFP

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