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Methylamphetamin: Partydroge kann ungeborene Kinder schädigen

Die Partydroge Meth macht nicht nur psychisch abhängig: Konsumiert eine Schwangere die Substanz, können dauerhafte Schäden des Kindes die Folge sein. Wie US-Forscher berichten, stört die Droge die Nervenzellreifung, was noch vier Jahre nach der Geburt messbar ist.

Die Droge putscht auf, lindert Schmerzen, hemmt das Hungergefühl - N-Methylamphetamin, kurz Meth, ist als Partydroge weit verbreitet. Weil die Substanz Lust auf Sex macht und das Schlafbedürfnis hemmt, macht sie vor allem unter jungen Menschen die Runde - geschnupft, geraucht oder gespritzt. Doch Crystal, Yaba, Ice oder Crystal Meth, wie das Rauschmittel auch genannt wird, hinterlässt seine Spuren im Körper und kann offenbar auch ungeborene Kinder schädigen, wie eine Untersuchung von US-Forscher jetzt zeigt.

6,4 Gramm Methamphetamin: Gefahr für das ungeborene Kind
AP

6,4 Gramm Methamphetamin: Gefahr für das ungeborene Kind

Für ihre Studie hat das Team um Linda Chang von der medizinischen Fakultät der University of Hawaii 66 Kinder im Alter von drei bis vier Jahren untersucht. Die Mütter von 29 Kindern hatten während der Schwangerschaft Methamphetamin konsumiert. Die 37 übrigen Kinder dienten als Kontrollgruppe. Für ihre Analysen untersuchten sie die Gehirne der Kinder im Kernspintomographen. Dabei verwendeten sie die sogenannte Diffusions-Tensor-Bildgebung, die darstellt, wie sich die in Nervenzellen und ihrer Umgebung reichlich vorhandenen Wassermoleküle im Magnetfeld verhalten.

Wie die Forscher im Fachblatt "Neurology" berichten, unterschied sich der sogenannte ADC-Wert der Kinder, der die Reifung der weißen Hirnsubstanz anzeigt - den Leitungsbahnen des Gehirns. Bei den in der Schwangerschaft mit Methylamphetamin exponierten Kindern war der ADC um bis zu vier Prozent reduziert im Vergleich zu den Kindern der Kontrollgruppe. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Reifung der Nervenzellen in der weißen Hirnsubstanz bei den Kindern mit vorgeburtlicher Methamphetamin-Exposition gestört ist", schreiben die Wissenschaftler in "Neurology".

Wie groß das Problem des Methylamphetamin-Konsums unter Jugendlichen auch in Deutschland ist, zeigt der Drogen- und Suchtbericht 2008 der Bundesregierung. Darin heißt es: "Amphetamine, Methylamphetamine und Ecstasy (englisch: Amphetamine Type Stimulants, ATS) ersetzen weltweit betrachtet in zunehmendem Maße klassische Drogen wie Kokain und Heroin, vor allem unter Jugendlichen."

Im vergangenen Jahr hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe angekündigt, Meth-Dealer härter bestrafen zu wollen. Der Grund: Die Justiz hatte die Gefährlichkeit der Droge lange Zeit unterschätzt. Sie führt zu psychischer Abhängigkeit, kann aber auch körperliche Schäden und Psychosen hervorrufen. Eine Studie zeigte zudem, dass sich auch das äußere Erscheinungsbild eines Meth-Konsumenten mit den Jahren stark verändert (s. Video).

hei

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