Mexiko Dutzende Menschen an Schweinegrippe gestorben

Die Weltgesundheitsorganisation ist alarmiert: In Mexiko sind innerhalb weniger Wochen fast 60 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Der Erreger hat bereits die Grenze zu den USA übersprungen - dort sind die Behörden "äußerst besorgt".


Mexiko-Stadt - In Mexiko grassiert eine Schweinegrippe bisher ungeahnten Ausmaßes. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Freitag starben bisher an die 60 Menschen an der Seuche. Die mexikanische Regierung sprach dagegen von mindestens 20 Toten, deren Zahl sich jedoch weiter erhöhen könne. Die WHO berief ihren Krisenstab ein. Die in Genf ansässige Uno-Unterorganisation bestätigte, dass auch in USA eine neue Form der Schweinegrippe aufgetreten ist, an der bisher sieben Menschen erkrankten. Die WHO steht bereits in täglichem Kontakt mit den Behörden in den USA, Kanada und Mexiko.

Kind mit Mundschutz in Mexiko-Stadt: Angst vor der grassierenden Schweinegrippe
REUTERS

Kind mit Mundschutz in Mexiko-Stadt: Angst vor der grassierenden Schweinegrippe

Die Weltgesundheitsorganisation sprach von einem möglichen "neuen Subtyp" des bekannten Schweineinfluenza-Erregers H1N1, der als A/H1N1 bezeichnet wurde.

Um die weitere Ausbreitung der Grippe in Mexiko-Stadt zu stoppen, haben die Behörden am Freitag die Schließung aller Museen, Büchereien und der staatlichen Theater angeordnet. Für Millionen Kinder in Mexiko-Stadt und Umgebung gab es am Freitag schulfrei. Die Regierung rief die Menschen auf, bei der Begrüßung auf Händeschütteln und Küsse zu verzichten. Viele Fahrgäste der U-Bahn schützten ihre Gesichter mit Atemmasken.

In Washington erklärte das Präsidialamt, Präsident Barack Obama sei über den Ausbruch der Seuche informiert. Da die Erreger bereits die Grenze zur USA übersprangen, reagierten die US-Behörden "äußerst besorgt".

"Es handelt sich um ein Virus, das von Schweinen auf den Menschen übertragen wurde", sagte der mexikanische Gesundheitsminister José Angel Cordova in einem Fernsehinterview. Er zog eine Verbindung zu der in Kalifornien und Texas grassierenden Schweinegrippe. Den in beiden US-Bundesstaaten erkrankten sieben Menschen geht es inzwischen wieder besser. Der US-Seuchenbehörde zufolge handelt es sich um eine neuartige Mischung aus Viren, die typisch für Schweine, Vögel und Menschen sind.

Die Behörden in Mexiko leiteten eine große Impfkampagne ein. Die Stadtverwaltung von Mexiko-Stadt will damit ihre acht Millionen Bewohner vor der Schweinegrippe schützen. Die allermeisten Todesfälle wurden aus dem Hauptstadt-Ballungsraum gemeldet.

WHO-Experten befürchten, die Schweinegrippe könne eine weltweite Pandemie auslösen. Die Behörde erforscht Wechselwirkungen zwischen der Schweinegrippe, der jüngst stark beachteten Vogelgrippe und den Grippeerkrankungen beim Menschen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch neue Subtypen der Erreger auch eine erhöhte Gefahr für eine tödliche Grippe-Epidemie bei Menschen entsteht.

hen/hut/Reuters/AFP



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