Mexiko-Stadt Hier begrub der Azteken-Adel heimlich seine Toten

Als die Spanier blutig ihre Macht in Mexiko festigten, leisteten einige Azteken passiven Widerstand. Sie hielten im Verborgenen an ihrer Kultur fest, wie neue archäologische Funde zeigen.

Menschliche Überreste aus der Aztekenzeit in Colhuacatonco
AFP / INAH

Menschliche Überreste aus der Aztekenzeit in Colhuacatonco


Das Viertel Colhuacatonco in Mexiko-Stadt war einer der wenigen noch verbliebenen Rückzugspunkte. Hier sammelten sich Azteken während der spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert - und pflegten im Geheimen weiterhin ihre eigene Kultur. Archäologen haben in diesem Gebiet nun Gebäude und Knochen adeliger Azteken aus dieser Zeit gefunden. Das teilte das Nationale Institut für Anthropologie in Mexiko mit.

Die neuen Funde stützten die Vermutung, dass die Bewohner des Viertels nach dem Fall der Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan passiven Widerstand gegen die Eroberer leisteten, sagte die zuständige Archäologin María de la Luz Escobedo: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die erste oder zweite Generation der Nachkommen von Tenochtitlan heimlich sieben Menschen nach der Tradition ihrer Vorfahren beerdigten."

Bei den ausgegrabenen Knochen handelte es sich den Archäologen zufolge um die Überreste von drei Erwachsenen und vier ein- bis achtjährigen Kindern. Die Skelette sind nahezu komplett erhalten und in der Embryonalstellung begraben.

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Die Gräber befanden sich in den Ecken des Wohngebiets sowie an den Eingängen. Die Archäologen fanden mehrere Grabbeigaben: eine kleine Kojotenfigur, ein Armband mit Muscheln, zwei kleine Messer aus Obsidian und Keramik.

Verzierungen im Fußboden

Die Beerdigungen fanden den Forschern zufolge zu der Zeit statt, als Spanier und Azteken in Kontakt miteinander kamen, denn einige gefundene Objekte deuten auf eine Vermischung der Kulturen hin: So wurden Menschenfiguren gefunden, die keine aztekischen Merkmale aufweisen oder Hüte tragen. "Was wir in den Materialen erkennen ist das, was als 'mexikanisch' gilt, die Mischung, die mit der Vollendung der spanischen Eroberung begann", sagte Escobedo.

Dass es sich bei den Bewohnern um Oberschicht-Azteken handelte, schlossen die Archäologen etwa aus der Beschaffenheit der Räume. Diese waren im Gegensatz zu den Häusern einfacher Azteken aus Stein gebaut. Ein drei mal vier Meter großes Areal, dessen gut erhaltene Fußböden Verzierungen aufweisen, wurde vermutlich für Zeremonien genutzt.

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chs/AFP



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