Mexiko-Stadt Archäologen öffnen 200 Jahre alte Zeitkapsel

1791 legten Bauarbeiter einen kleinen Behälter in der Glockenturmspitze der Kathedrale von Mexiko-Stadt ab - eine Zeitkapsel, die Archäologen nun geöffnet haben. Darin waren Medaillen, Münzen und ein Reliquienschrein. Die Box diente offenbar als eine Art religiöser Blitzableiter.


Der Bau des Gotteshauses war eine längere Angelegenheit: 218 Jahre brauchten Arbeiter, um die Kathedrale von Mexiko-Stadt zu errichten - sie ist die größte in ganz Lateinamerika. 1791 war der Bau schließlich vollendet. Am 14. Mai des Jahres brachten die Arbeiter eine Botschaft an spätere Generationen in der Spitze des Westturmes unter: Eine Zeitkapsel, die im kugelförmigen Fundament des Kreuzes abgelegt wurde.

Wissenschaftler wussten aus historischen Dokumenten von der Existenz der Kapsel. Doch erst im Oktober 2007 wurde das Bleigefäß von der Größe einer mittleren Zigarrenschachtel bei Reparaturarbeiten am Turm entdeckt. Nun haben Archäologen den Inhalt der Box in Mexiko-Stadt präsentiert. Die Schachtel enthielt ein gut erhaltenes Pergament mit Informationen über den Inhalt, zu dem Medaillen, Gedenktafeln, ein kleiner Reliquienschrein und Silbermünzen jener Zeit gehören.

Der in der Kulturbehörde Conaculta für Architekturdenkmäler zuständige Direktor Xavier Cortés Rocha bezeichnete den Fund als außerordentlich bedeutend für die Erforschung der mexikanischen Geschichte. Drei Monate hatten die Forscher gebraucht, um die luftdicht geschlossene Box zu öffnen und den Inhalt zu sichern.

Die Experten gehen davon aus, dass auch im Ostturm eine ähnliche Schachtel am Ende der 200-jährigen Bauzeit der Kirche abgelegt wurde. Die Fundstücke aus der geöffneten Schachtel werden derzeit eingehend untersucht.

In der Zeitkapsel befand sich auch ein Stich mit der Darstellung der Heiligen Barbara. Da diese Heilige mit dem Schutz vor Blitzen in Verbindung gebracht worden sei, habe die Box offenbar als eine Art "religiöser Blitzableiter" gedient, sagte Cortes. Nun soll an die Stelle des Behälters aus dem späten 18. Jahrhundert eine neue Zeitkapsel mit Gegenständen aus dem Jahr 2008 in das Gemäuer eingefügt werden.

hda/AP/dpa

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