Unglücksflug MH370: Simulationen stellen Suchstrategie infrage
Welchen Weg nahmen die Trümmer des Unglücksflugs MH370 über den Indischen Ozean? Deutsche Forscher haben die Drift der Teile simuliert - und stellen erstaunliche Ergebnisse in Aussicht.
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Was ist mit der verschollenen Boeing 777 des Fluges MH370 passiert? Seit dem 8. März 2014 wird die Maschine mit 239 Menschen an Bord vermisst. Als Ende Juli ein Wrackteil am Strand der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion angespült wurde, schöpften Ermittler neue Hoffnung: Womöglich kann die Flügelklappe dabei helfen, das Rätsel doch noch zu lösen - unter anderem weil sich der Weg des Trümmerstücks über den Indischen Ozean nachvollziehen lassen müsste. Und das wiederum sollte zumindest großflächige Hinweise auf den Absturzort liefern.
Über mehrere Wochen hatten die Kieler Forscher Arne Biastoch und Jonathan Durgadoo am Computer den Weg des Trümmerteils über den Indischen Ozean zurückverfolgt. Ihr Modell nutzte tagesaktuelle Strömungsdaten aus den vergangenen Monaten, die von französischen Kollegen stammen. Die entscheidende Frage: Welchen Weg hat das Trümmerstück über den Indischen Ozean genommen, den Wissenschaftler wegen seiner chaotischen Wirbel und Turbulenzen auch mit dem Inneren eines Flipperautomaten vergleichen?
Eine Rückrechnung mit dem Computer kann keinen präzisen Absturzort liefern, bestenfalls ein sehr großräumiges Gebiet - das hatten die Forscher vor dem Start der Simulationen bereits klargestellt. Am kommenden Dienstag wollen sie auf einer Pressekonferenz in Kiel ihre Erkenntnisse im Detail präsentieren. Doch so viel scheint bereits jetzt klar: Die Ergebnisse der Forscher stehen im Widerspruch zur australischen Suchstrategie.
Die Fahndung konzentriert sich auf Meeresgebiete westlich der australischen Küste - und nicht auf die Äquatorregion, die sich nun offenbar in den Simulationen zeigt.
Insgesamt sollen 120.000 Quadratkilometer abgesucht werden, eine Fläche so groß wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zusammen. Zwei Schiffe des Geotechnik-Unternehmens Fugro haben die Aufgabe im Auftrag der Regierungen von Australien, Malaysia und China übernommen. Bisher haben sie rund 55.000 Quadratkilometer mit Sonar untersucht - ohne greifbares Ergebnis. Die Simulation scheint nahezulegen, dass große Teile des südlichen Gebiets umsonst durchkämmt wurden.
"Ich bin ziemlich frustriert"
Die angeschwemmte Flügelklappe wird währenddessen weiter in einem Labor bei Toulouse untersucht. Nach malaysischen Angaben gehört das Wrackteil definitiv zu MH370. Französische Ermittler sprachen von einer "sehr starken Vermutung". Australien gibt sich deswegen zuversichtlich, dass das Wrack gefunden wird.
Die beiden sind Experten für die mit den Seepocken verwandten Tierchen. Herbig und Schiffer haben für fünf Entenmuschelarten aus verschiedenen Teilen der Weltmeere erstmals genetische Fingerabdrücke erstellt. Dabei haben sie auch herausgefunden, dass die Arten jeweils nur in bestimmten, von der geografischen Breite abhängigen klimatischen Zonen vorkommen.
Doch weil die französischen Behörden ihnen bisher kein Probenmaterial der Organismen vom Wrackteil zur Verfügung gestellt haben, können sie ihre Erkenntnisse bisher nicht für die Suche nach dem Absturzort nutzen. "Ich bin ziemlich frustriert, weil sich trotz Anfragen auf verschiedenen Kanälen niemand gemeldet hat", sagt Hans-Georg Herbig im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Wir haben vieles versucht, es ist aber keine Reaktion gekommen."
Zusammengefasst: Offiziell stellen die Forscher vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel ihre Untersuchungen erst am kommenden Dienstag vor - doch sie haben bereits einen ersten Hinweis gegeben: Computeranalysen legen demnach nahe, dass ein auf La Réunion angeschwemmtes Trümmerteil des Fluges MH370 aus dem "östlichen äquatorialen Indischen Ozean" stammt. Das liegt weit von dem Gebiet entfernt, in dem derzeit mit zwei Schiffen nach dem Wrack der Malaysia-Airlines-Maschine gesucht wird.
Mit Material von dpa
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