Milliardenprojekt: Fusionsreaktor Iter wird in Frankreich gebaut

Der Streit um den Standort des internationalen Kernfusionsreaktors Iter ist beendet. Die Partner haben sich für das südfranzösische Cadarache entschieden. Das zehn Milliarden Euro teure Projekt soll die Energiegewinnung revolutionieren.

Iter-Fusionsreaktor (Zeichnung): Cadarache erhält den Zuschlag
ITER

Iter-Fusionsreaktor (Zeichnung): Cadarache erhält den Zuschlag

Moskau - Neben dem südfranzösischen Cadarache hatte sich auch Japan um das ehrgeizige Forschungsprojekt zur Energieerzeugung beworben. Nun ist die Entscheidung für Cadarache gefallen. Das gaben die beteiligten Partner heute nach einem Treffen in Moskau bekannt. An dem auf 30 Jahre angelegten Projekt sind die Europäische Union, China, Russland, Südkorea, die USA und Japan beteiligt. Die Partner hatten drei Jahre lang um den Standort für den Reaktor gerungen.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat die Entscheidung begrüßt. Die Wahl des südfranzösischen Standortes Cadarache sei "ein großer Erfolg für Frankreich, für Europa und für alle Iter-Partner", erklärte Chirac heute in Paris.

Die Kernfusion gilt als mögliche Energiequelle der Zukunft. Bei ihr sollen Wasserstoffkerne verschmolzen werden, wobei sehr große Energien frei werden. Anfang Mai hatten sich die EU und Japan in einem sogenannten technischen Abkommen geeinigt, dass das "Gastgeberland" die Hälfte der auf 4,6 Milliarden Euro geschätzten Baukosten tragen soll. Das "Nicht-Gastgeberland" wird dagegen zehn Prozent der Kosten zu zahlen haben und das Iter-Management leiten. Insgesamt soll das Projekt rund zehn Milliarden Euro kosten.

Der französische Präsident Chirac hatte bereits Anfang Mai erklärt, Iter werde in Cadarache errichtet. Damit hatte er in Japan Verärgerung ausgelöst. Die Regierung in Tokio setzt derzeit aber unter anderem auf Frankreichs Unterstützung bei einem wichtigen außenpolitischen Ziel: einem ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat. Die USA hatten sich zwischenzeitlich für den Bau des Reaktors in Japan stark gemacht, offenbar um Frankreich für seine ablehnende Haltung zum Irak-Krieg abzustrafen.

Sollte es gelingen, die Kernfusion kontrolliert durchzuführen, stünde der Menschheit eine gigantische neue Energiequelle zur Verfügung. Der Theorie nach sollten drei Flaschen Wasser und drei Feldsteine reichen, um eine vierköpfige Familie für ein Jahr mit Energie zu versorgen. Statt Atomkerne zu spalten, sollen hier zwei verschiedene Wasserstoff-Isotope verschmolzen werden: Es handelt sich dabei um Deuterium, das aus Meerwasser gewonnen wird und Tritium, das in Feldsteinen enthalten ist. Beide Rohstoffe dürften der Menschheit nicht so bald ausgehen.

In der Fusionskammer des Reaktors soll der Wasserstoff auf 100 Millionen Grad erhitzt werden, also ein Vielfaches der Temperatur im Inneren der Sonne. Starke Magnetfelder halten gleichzeitig das Plasma in der Schwebe, damit es das umgebende Material nicht in Dampf auflöst. Klappt dies, werden die Wasserstoff-Sorten zu Heliumkernen verschmolzen. Ein Gramm Wasserstoff könnte dabei so viel Energie freisetzen wie elf Tonnen Kohle.

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