Mimik-Barriere Warum Asiaten Europäer missverstehen

Wut, Freude, Ekel, Trauer - Emotionen und die Art, wie sie sich im Gesicht zeigen, gelten als globale Universalsprache. Doch die Zweifel daran werden immer größer. Eine neue Studie ergab jetzt, dass Asiaten enorme Probleme haben, die Mimik von Europäern zu lesen. Umgekehrt gilt dasselbe.


Sechs Gefühlsausdrücke gibt es überall auf der Welt - unabhängig von der Kultur: Ärger, Angst, Ekel, Überraschung, Freude und Trauer. Für das menschliche Miteinander ist es extrem wichtig, anderen diese Gefühle zu vermitteln und sie auch beim Gegenüber zu erkennen. Deshalb gilt auch die entsprechende Mimik als universell: Ein freudiger Gesichtsausdruck, so die Annahme, werde von Angehörigen jeder Kultur sofort erkannt.

Regierungschefs Barack Obama (USA), Silvio Berlusconi (Italien) Dimitri Medwedew (Russland) und Hu Jintao (China): Unterschiede im Mienenspiel sind unverkennbar
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Regierungschefs Barack Obama (USA), Silvio Berlusconi (Italien) Dimitri Medwedew (Russland) und Hu Jintao (China): Unterschiede im Mienenspiel sind unverkennbar

In letzter Zeit häufen sich allerdings die Hinweise darauf, dass der Zusammenhang wohl doch nicht ganz so simpel ist: Speziell zwischen Angehörigen der abendländischer Kulturkreise und Asiaten gibt es immer wieder Missverständnisse beim Interpretieren von Emotionen, vor allem bei negativen wie Angst, Ärger und Ekel. Asiaten haben oft Probleme, die bewegten Gesichter von Europäern und Amerikanern richtig zu interpretieren. Letzteren wiederum erscheinen die Gesichter von Asiaten oft merkwürdig starr und emotionslos.

Dahinter stecken offenbar kulturspezifische Eigenheiten beim Dekodieren von Gesichtsausdrücken, wie eine neue Studie nahelegt. Asiaten konzentrieren sich demnach vor allem auf die Augen, während für Angehörige abendländischer Kulturen die Mundregion mindestens ebenso wichtig ist.

Des einen :-) ist des anderen ^.^

Die Forscher hatten 13 Europäern und 13 Asiaten - Chinesen und Japanern - standardisierte Bilder von Gesichtern mit unterschiedlichen Ausdrücken gezeigt: den sechs Basisemotionen und einer neutralen Miene. Während die Europäer keine Schwierigkeiten hatten, die Gefühle korrekt zuzuordnen, bereiteten den Asiaten vor allem die Ausdrücke für Angst und Ekel Probleme.

Warum das so war, entdeckten die Forscher, als sie die Augenbewegungen der Probanden aufzeichneten: Die Europäer ließen ihren Blick gleichmäßig über das gesamte Gesicht schweifen. Die Asiaten hingegen fixierten fast ausschließlich die Augenpartie, schreiben Rachael Jack von der University of Glasgow und ihre Kollegen im Fachblatt "Current Biology".

Eine weitere Analyse zeigte jedoch: Berücksichtigt man nur die Augen, ähneln sich die Ausdrücke für Angst und Überraschung sowie Ekel und Ärger sehr stark. Die Informationen, die die Asiaten erhalten, sind demnach nicht eindeutig: Sie erkennen Angst und Ekel so schlecht, weil sie sie mit Überraschung und Ärger verwechseln, so das Fazit der Forscher.

Die Fixierung auf die Augen spiegelt sich übrigens auch in den in Asien gebräuchlichen Emoticons wider, wie sie in SMS und E-Mails eingesetzt werden: Bei den Europäern liegt auch hier die Betonung auf dem Mund. Sie vermitteln mit : ) und : o Freude und Überraschung, bei den Asiaten werden mit als Ausdruck dieser Emotionen die Zeichen ^.^ und O.O verwendet und damit die Augen in den Vordergrund gerückt.

mbe/ddp/dpa

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