Mini-Empfänger Nano-Radio passt in Blutkörperchen

Kleiner geht es nicht mehr: Forscher haben ein Radio konstruiert, das nur noch mit einem Hightech-Mikroskop zu erkennen ist. Mehrere Tausend der Empfänger würden in ein menschliches Haar passen. Nur die Klangqualität lässt ein wenig zu wünschen übrig.


Cambridge/Berkeley - Die Geschichte des Radios ist eine Geschichte des Schrumpfens: Die koffergroßen, holzverschalten Röhrenverstärker-Klötze der dreißiger Jahre wurden abgelöst von Transistor-Taschenradios, die ihrerseits in immer kleinere Gehäuse gepresst wurden. Heute findet man Radios unter anderem auf winzigen Chips im Innern von Mobiltelefonen.

Doch es geht noch kleiner, wie US-Forscher jetzt bewiesen haben. Allerdings dürfte ihr "Nanoradio" zugleich auch das Ende des Schrumpfprozesses markieren: Es besitzt einen Durchmesser von nur zehn Nanometern - ein menschliches Haar ist etwa 10.000-mal dicker. Mit seiner Länge von einigen Hundert Nanometern würde der Empfänger gleich mehrfach in ein menschliches rotes Blutkörperchen passen.

Das Gerät sei deshalb klein genug, um etwa mit biologischen Sensoren in die Blutbahn injiziert zu werden, meinen die Entwickler um Alex Zettl von der University of California in Berkeley. So ließe sich eine Funkverbindung zwischen solchen Sensoren und der Außenwelt realisieren. Allerdings ist das Nanoradio bisher tatsächlich nur ein Radio im landläufigen Sinn und kein Funkgerät: Es kann nur empfangen und nicht senden.

Größenvergleich: Philco-Röhrenradio (1931), "Regency TR1"-Transistorradio (1954), Smartdust Drahtlos-Sensor (2006), Nanoröhren-Radio
Zettl Research Group, University of Berkley

Größenvergleich: Philco-Röhrenradio (1931), "Regency TR1"-Transistorradio (1954), Smartdust Drahtlos-Sensor (2006), Nanoröhren-Radio

Herzstück des winzigen Geräts ist ein sogenanntes Kohlenstoff-Nanoröhrchen. Bei ihnen handelt es sich um aufgerollte Graphit-Schläuche, die wenige Nanometer (Millionstel Millimeter) dick und einige Tausendstel Millimeter lang sein können. Das Nanoröhrchen des kalifornischen "Röhrenradios" übernimmt simultan die Funktion aller vier zentralen Komponenten eines Radios: Antenne, Empfangsteil, Verstärker und Demodulator, wie Zettls Gruppe im Fachblatt "Nano Letters" erläutert. Als Stromversorgung dienen zwei äußere Elektroden aus Kupfer und Wolfram.

Im Nanoradio lässt sich der gesamte UKW-Frequenzbereich einstellen. Die Forscher haben erfolgreich das Largo aus Händels Oper "Xerxes" empfangen sowie die Filmmusik von "Star Wars", den Rockklassiker "Layla" von Derek and the Dominos und den Pop-Evergreen "Good Vibrations" von den Beach Boys. Hörproben von der Empfangsqualität des Nanoradios und Bilder bieten die Wissenschaftler auf ihrer Internetseite. Die Tonqualität kann sich allerdings nicht mit der gängiger HiFi-Radioempfänger messen.

mbe/dpa



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