Ministeriums-Studie Deutschland drohen Milliardenkosten durch Klimaschutz

Klimaschutz könnte für Deutschland zum Wirtschaftsrisiko werden: Davor warnt eine neue Studie des Wirtschaftsministeriums. Der deutschen Ökonomie drohen demnach Weltmarktnachteile, die Abwanderung von Unternehmen und Jobverluste - wenn nicht viel mehr Staaten bei der CO2-Reduzierung mitmachen.


Die Autoren der Studie aus dem Institut Prognos warnen vor einem EU-Alleingang beim Klimaschutz. Ohne vergleichbare Anstrengungen anderer Industrieländer und der Schwellenländer wäre das "klimapolitisch nur ein Tropfen auf den heißen Stein" - und beinhalte große Risiken.

Windkraftwerk: Klimaschutz ist nötig - aber teuer
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Windkraftwerk: Klimaschutz ist nötig - aber teuer

Ein Alleingang der EU könne gravierende wirtschaftliche Folgen haben, glauben die Prognostiker. Vor allem Unternehmen aus energieintensiven Branchen könnten nach Brasilien, China, Indien, aber auch in die USA abwandern, wo es nicht so ehrgeizige Klimaschutzprogramme gebe. Der Anstieg des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes zwischen 2010 und 2020 würde bei einem EU-Alleingang außerdem nur um 1,7 Prozentpunkte gebremst.

Wolle man das Ziel der EU tatsächlich verfolgen, den CO2-Ausstoß zwischen 2013 und 2020 um 20 Prozent zu reduzieren, könnte dies Deutschland rund 123 Milliarden Euro kosten, heißt es in der Studie. Wenn alle 27 EU-Staaten sich gleichermaßen beteiligten, würde die deutsche Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 0,8 Prozent geringer ausfallen. Das entspräche einem Anstieg der Strom- und Gaspreise um rund 16 Prozent. Wenn Deutschland seine Treibhausgasemissionen bis 2020 sogar um 40 Prozent reduzierte, würden sich die Kosten demensprechend verdoppeln.

Der Schluss, den die Experten daraus ziehen: Die USA und die großen Schwellenländer müssten dringend stärker in den Klimaschutz einbezogen werden. So könnten die Kosten auch für die EU deutlich gesenkt werden. "Ohne ein umfassendes Klimaschutzabkommen nach 2012, in dem alle Länder wirksame Verpflichtungen zur Emissionsminderung übernehmen, werden sich die weltweiten Emissionen bis zum Jahr 2030 gegenüber 1990 etwa verdoppeln". Über ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz wird im Dezember auf der indonesischen Insel Bali verhandelt.

cis/dpa



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